Ungewisse Zukunft in Sachen „ärztliche Versorgung“

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In Meinerzhagen und Kierspe ist die Hausarzt-Versorgung laut Kassenärztlicher Vereinigung noch nicht bedenklich.

Meinerzhagen/Kierspe - Ist Meinerzhagen ärztlich inzwischen „unterversorgt“? Gibt es zu wenige Mediziner, um die Versorgung der Bevölkerung vor Ort sicherzustellen? Christopher Schneider, Pressesprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL), meint „nein“.

Von Jürgen Beil

Meinerzhagen und Kierspe sind für die KVWL ein so genannter gemeinsamer „Versorgungsbereich“. „Stand Sommer 2013 waren in diesem Gebiet 18 Hausärzte angesiedelt. Das entspricht einer normalen Versorgung“, erläutert Schneider. Dass es in Zukunft Probleme im oberen Volmetal geben könnte, schließt Schneider aber nicht aus: „Sechs dieser 18 Hausärzte sind älter als 60 Jahre. Es könnte sein, dass wir in diesem Bereich in zwei oder drei Jahren nur noch 15 Hausärzte haben. Dann müssten wir schauen, wie darauf reagiert werden könnte.“ Laut Schneider würden sich dann mehrere Möglichkeiten anbieten, Abhilfe zu schaffen. Eine davon: Außenstellen eines bereits praktizierenden Arztes könnten eingerichtet werden, die Kassenärztliche Vereinigung könnte die Kosten übernehmen. Schneider weiter: „Als wirklich letzte Möglichkeit wäre auch denkbar, dass die KV eine Praxis in Meinerzhagen oder Kierspe betreiben würde.“

Acht Niederlassungsmöglichkeiten gibt es für Hausärzte in Meinerzhagen und Kierspe zurzeit noch, bis die Grenze erreicht wäre und keine neue Praxis mehr eröffnet werden könnte. „Wenn die jetzt noch kämen, wäre das Gebiet für uns überversorgt“, erläutert Schneider weiter.

Bei bestimmten Fachärzten kann davon zumindest in Meinerzhagen aber zurzeit keine Rede sein. Immer wieder wurde in der Vergangenheit darüber geklagt, dass weder ein Augen- noch ein HNO-Arzt in der Volmestadt ansässig ist. Lange Wege zum nächsten Spezialisten sind vor allen Dingen für ältere Bürger aber oft ein Problem. Dass sich diese Situation bald verbessert, das konnte Christopher Schneider im Gespräch mit der MZ nicht versprechen. „Bei Fachärzten ist die Bedarfsplanung nicht so kleinräumig wie bei Hausärzten“, erläuterte er. Das bedeutet: In diesem Bereich werden von der Kassenärztlichen Vereinigung Zahlen für den gesamten Märkischen Kreis zugrunde gelegt. Und hier sind Fachärzte durchaus keine „Mangelware“. „Die Versorgungsquote liegt im MK sogar deutlich höher als 100 Prozent“, berichtete Schneider. Das Problem, mit dem kleinere Kommunen zu kämpfen haben, ist aber auch ihm nicht neu: „Hochspezialisierte Ärzte lassen sich halt meistens in Oberzentren nieder.“ Auf den Kreis bezogen, belegt Schneider die „gute Versorgung“ bei Fachärzten auch mit Zahlen: „Dort gibt es fünf Augenärzte mehr als bei einem hundertprozentigen Versorgungsgrad, bei den HNO-Ärzten sind es drei mehr.“

Wie Meinerzhagen nun konkret geholfen werden kann? „Die Rahmenbedingungen müssen stimmen, denn Facharztpraxen sind schließlich Kleinunternehmer. Das kann beispielsweise durch die Förderung von Ärztehäusern geschehen. Ein Weg, der in ländlichen Gebieten immer öfter gegangen wird“, erklärt Schneider.

Neuansiedlungen von Fachärzten im Märkischen Kreis sind wegen der statistisch gesehenen 100-Prozent-Auslastung also in einigen Fachbereichen schwierig. Bliebe für Meinerzhagen wohl nur der Weg, einen der benötigten Fachärzte anderswo abzuwerben. Die KV habe darauf aber keinen Einfluss, sagt Schneider: „Schließlich können wir niemandem einen Möbelwagen vor die Tür stellen.“

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