Metall und Glas im Gras für Kühe eine Gefahr

Im Gras lauert Gefahr für Kühe

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Die heimischen Landwirte sind derzeit mit der Grasernte beschäftigt. Befinden sich Glas- oder Metallsplitter im zukünftigen Viehfutter, kann dies für Tiere lebensbedrohliche Folgen haben.

Meinerzhagen – „Das ist absolut verantwortungslos!“ – Ein Anwohner der Kohlbergstraße in Meinerzhagen ist fassungslos.

Eine Runde über die Wiese hinter seinem Haus brachte ihm reiche „Beute“: Allein zehn leere Flaschen fand er innerhalb kürzester Zeit im Gras: „Würde das Glas im Viehfutter landen, wäre das eine Katastrophe.“

Landwirt Michael Plate betreibt einen Milchbauernhof in Langenohl und bewirtschaftet auch die Wiese am Kohlberghang in Meinerzhagen. Er bestätigt genau diese Einschätzung. „Das ist leider kein Einzelfall“, berichtet er. Dass Flaschen achtlos weggeworfen würden, komme bedauerlicherweise immer häufiger vor und hänge auch nicht damit zusammen, dass in der Corona-Zeit mehr Menschen im Grünen unterwegs seien. „Es wird einfach von Jahr zu Jahr mehr“, hat Plate festgestellt.

Glas ist schlimm, schlimmer sind Dosen 

 „Glas ist schlimm. Noch schlimmer sind allerdings Dosen“, sagt der Landwirt. Allein 30 bis 40 der Metallbehälter sammele er im Laufe eines Jahres auf seinen Wiesen. Für Tiere eine große Gefahr: Erst in der vergangenen Woche habe eine seiner Kühe eingeschläfert werden müssen. Auch der Tierarzt habe ihr nicht mehr helfen können. „Er war sich aber sicher, dass sie etwas Scharfes, Metallisches gefressen haben musste und dadurch schwere Verletzungen erlitten hat.“

Plate bewirtschaftet für seinen Landwirtschaftsbetrieb Flächen an verschiedenen Örtlichkeiten der Stadt. Aus der Erfahrung weiß er inzwischen, wo sich häufig leider Müllhinterlassenschaften befinden. „Da kontrollieren wir dann auch.“ Wenn gemäht wird, wird das Gras, das später zu Silage verarbeitet wird, vom Mähwerk mit einer Tiefe von fünf bis sechs Zentimetern über dem Boden abgeschnitten. „Flaschen gehen dabei nicht zwangsläufig kaputt.“ Bevor der Schnitt eingefahren wird, wird das Grün mit einem Schwader reihenförmig zusammengerecht. Fatal: Landen Flaschen oder Dosen in den Schwaden, verschwinden sie unbemerkt im Grün und werden während des Einfahrens ebenso wie das Gras von den Messern des Ladewagens zerkleinert. „Die Splitter können dann beispielsweise im Maul für Verletzungen sorgen“, weiß Michael Plate. 

Kühe sind keine Feinschmecker

Auch wenn das wie Sauerkraut eingelegte Gras, die Silage, vor dem Füttern mit weiteren reichhaltigen Komponenten vermischt wird – ein richtiger Feinschmecker ist eine Kuh nicht. Ihre Art der Futteraufnahme ist zudem ein großer Nachteil: „Ein Pferd sortiert, eine Kuh aber schlingt ihr Futter“, erklärt Michael Plate. Milchvieh gehört bekanntlich zu den Wiederkäuern, das Futter wird daher erst später während der Entspannungsphase zermalmt. „Zuvor ist es dann schon im Pansen gewälzt worden“, erklärt Plate. 

Um auf ihre lebensnotwendigen Kalorien zu kommen, müssen Kühe zudem große Mengen Nahrung verdrücken. Nicht umsonst ist der Magen einer Kuh (Pansen) in etwa so groß wie eine Badewanne. In ihm kann eben auch das landen, was für das Tier lebensgefährlich sein kann. Scharfe Kanten unbemerkt aufgenommener Fremdkörper können Verletzungen der Zunge, des Rachens, der Speiseröhre oder auch des Magens verursachen. Das gilt beispielsweise auch für Kronkorken oder Haken von Metalldosen. „Diese Laschen haben viele Tiere das Leben gekostet“, ist sich Michael Plate sicher und erinnert an die Kritik, die vor Jahren immer wieder von vielen Verbänden geäußert worden sei. 

Kuh-Magneten sollen Tiere schützen

Inzwischen gebe es zwar so gut wie keine Wegwerfösen mehr – die Gefahr für Tiere sei damit aber noch nicht gebannt. Denn auch Dosen werden häufig in der Natur „entsorgt“. „Die meisten Energydrinks haben kein Pfand. Warum wird das nicht erhoben?“, fragt der Meinerzhagener Landwirt, der jedoch auch weiß, dass viele Glasflaschen – trotz Pfand – regelmäßig achtlos im Grünen landen. Um zumindest die Gefahr zu bannen, die von verschluckten Metallstücken ausgeht, werden in der Landwirtschaft auch sogenannte Kuh-Magneten eingesetzt. Eine Kuh wird damit sozusagen magnetisch. Mit Kunststoff ummantelt, werden die Magneten ähnlich wie eine dicke Tablette der Kuh im Alter von etwa zwei Jahren eingeführt – in der Hoffnung, dass metallische Fremdkörper daran haften bleiben. Entfernt wird der Magnet in der Regel erst im Schlachthof. „Die Erfahrung zeigt, dass viele Gegenstände an diesen Magneten hängen.“ 

Das Müll-Problem auf den Feldern löst sich damit jedoch nicht. Neben Flaschen und Dosen landen hier auch ganze Mülltüten, ärgert sich Michael Plate: „Alte Gürtel, Windeln, Portemonnaies, einfach alles was man sich vorstellen kann, finde ich.“ Der Landwirt richtet daher einen dringenden Appell an alle, die in der Natur unterwegs sind: „Nehmt euren Müll wieder mit. Tut es für die Tiere!“

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