Musikalische Reise auf Saiten in die Renaissance

Arne Harder erläuterte den interessierten Zuhörern die Besonderheiten der Gitarrone.

Valbert -  „Was Sie nun zu hören bekommen, ist schon etwas sehr Besonderes. Das gibt es vermutlich in Deutschland nicht noch einmal“, machte Andreas Koch die Zuhörer gespannt auf die Vorträge, die ihnen anschließend im Rahmen eines Konzertes geboten werden sollten. Denn nur Wenige beschäftigen sich heute noch mit der Musik der Renaissance und des Barocks, für die der Kiersper Konzertgitarrist eine wahre Leidenschaft entwickelt hat.

Musik für den Chitarrone, ein Instrument der Familie der Lauteninstrumente und im italienischen Frühbarock gebräuchlich, war das Schwerpunktthema mit dem sich die 16 Teilnehmer und ihre Dozenten Andreas Koch und Katja Fernholz-Bernecker beim 19. Märkischen Gitarrenseminar im Evangelischen Tagungszentrum Haus Nordhelle beschäftigt hatten. Die alljährliche Veranstaltung ist mittlerweile zur festen Institution für ambitionierte Gitarristen geworden. Im dreitägigen Spezialkurs für Musiker, die mehr als sechs Saiten auf ihrer Gitarre haben, erhielten diese wertvolle Tipps für ihre Weiterentwicklung auf ihrem Instrument.

Die gab es auch für die Gitarrenbauer, die ihre selbstgebauten Instrumente ebenfalls am Rande des Konzertes vorstellten. Der schwedische Gitarrenbauer Heikki Rousu hatte ihnen bei der Arbeit mit Rat und Tat zur Seite gestanden. Einige von ihm gebaute elf und 13-saitige Altgitarren, die er neben klassischen Gitarren in Handarbeit fertigt, konnten die Konzertgäste ebenfalls in Augenschein nehmen. Mit ihnen ist es möglich, Lautenmusik der Renaissance- und Barockzeit mit authentischem Klang in der Gitarrenspieltechnik zu spielen.

Arne Harder, Dozent an der Robert-Schumann-Musikhochschule in Düsseldorf, stellte außerdem die von ihm konzipierte und mit Unterstützung eines Instrumentenbauers konstruierte Gitarrone vor, die über ein erweitertes Griffbrett, eine weitere hohe und mehrere tiefe Saiten verfügt. Damit wurde es möglich, dass neben Stücken für Sologitarre auch Werke für Laute, Cembalo und Klavier gespielt werden können. Einen ersten Eindruck vom Klang der Gitarrone bekamen die Zuhörer bei Harders Vortrag „Una Mattina“ aus dem Film „Ziemlich beste Freunde“, das eigentlich für Klavier geschrieben wurde.

Mit ihren unterschiedlichen Gitarren und Lauten bildeten die Seminarteilnehmer und ihre Dozenten ein wirklich außergewöhnliches Orchester, das zum Auftakt des Konzertes zwei spanische Tänze spielte. Kurze Solovorträge schlossen sich an, unter anderem mit Kompositionen von Johann Sebastian Bach und Sylvius Leopold Weiss. Mit einer freien Improvisation zeigte ein Teilnehmer, dass sich die Altgitarre auch für modernere Klänge und Kompositionen eignet. Die beiden Dozenten Koch und Fernholz-Bernecker waren gemeinsam mit einem irischen Trauergesang zu hören.

Nicht nur zu diesem Stück hatte Koch eine zweite Stimme komponiert. Andere Werke waren von ihm bearbeitet worden, so auch ein Stück von Antonio Vivaldi, das dieser eigentlich für eine Solo-Mandoline geschrieben hatte und das am Samstag mit orchestraler Besetzung gespielt wurde. Als Solisten waren dabei Katja Fernholz-Bernecker und Martin Wanat mit ihrem Altgitarren zu hören. Mit dieser Premiere fand das Konzert einen gelungenen Abschluss. Anhaltender Beifall belohnte die Musiker einmal mehr für ihren Vortrag.

Von Luitgard Müller

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