Höchste Aufmerksamkeit gefragt

An diesen Stellen ist in Meinerzhagen die Wildwechsel-Gefahr besonders groß

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Dieses Schild wird dort aufgestellt, wo sich laut Statistik überdurchschnittlich viele Wildunfälle ereignen. Es zu ignorieren, kann schlimme Folgen haben.

Meinerzhagen - Wildschweine gehören in den Wald. Eigentlich. Wenn auf der gegenüberliegenden Straßenseite allerdings leckeres Gras, Kräuter, Würmer oder Insekten locken, lässt Schwein oft alle Vorsicht außer acht und macht sich auf den Weg – quer über den Asphalt.

Für Autofahrer, die bei der inzwischen früh einsetzenden Dunkelheit dann mit ihrem Wagen mit einem über die Fahrbahn galoppierenden Wildschwein zusammenstoßen, kann das fatale Folgen haben. Wildunfälle sind im Herbst und Winter ein Thema, das alle angeht, die sich motorisiert auf Straßen fortbewegen.

Matthias Borgmann ist Förster im Revier Beckerhof. Der Experte von Wald und Holz NRW kennt die Gefahr durch Eber, Hirsch und Co.: „Rotwild kann durchaus mehr als 100 Kilogramm pro Stück wiegen und auch das Schwarzwild hat mitunter ein ähnliches Gewicht.“ 

Nach Borgmanns Erfahrungen hat die Wildschwein-Population enorm zugenommen – was die Wahrscheinlichkeit einer unliebsamen Begegnung zwischen Auto und Schwein erhöht. „Es gibt immer mehr Schwarzwild. Die Tiere vermehren sich inzwischen fast ganzjährig und sie profitieren von der allgemeinen Entwicklung. Die Winter werden stetig wärmer und sie finden Futter in Maisfeldern, von denen es auch immer mehr gibt“, schildert Borgmann.

Auch die Versicherer setzen sich zunehmend mit Wildunfällen auseinander: „Sobald sich die Blätter färben, steigt in jedem Jahr die Zahl der Wildunfälle. Oktober und November sind die Monate mit den meisten Unfällen mit Wildtieren, gefolgt vom Monat Mai. Gründe dafür sind das Zusammenfallen von Dämmerung und Dunkelheit mit den Spitzenverkehrszeiten und erhöhten Aktivitäten verschiedener Tierarten. Für den Autofahrer bedeutet das: Vor allem auf Landstraßen sollte er in dieser Zeit besonders aufmerksam fahren“, warnt Torsten Sauer, Leiter Produktmanagement Kraftfahrt der HDI Versicherung.

Rund 2800 Wildunfälle weise die amtliche Statistik des Statistischen Bundesamtes für 2016 aus. Allerdings würden hier nur die Unfälle mit Personenschäden und schwerwiegenden Sachschäden erfasst. Die deutsche Versicherungswirtschaft habe dagegen 2015 mehr als 260.000 Wildunfälle über Teil- und Vollkaskoschutz reguliert. Sauer: „Das bedeutet eine Zunahme von 30 Prozent in den letzten zehn Jahren. Und der Deutsche Jagdverband hat etwa 230.000 im Straßenverkehr getötete Wildtiere im Jagdjahr 2015/16 erfasst.“

Trotzdem ist laut HDI klar: Wildunfälle sind eine der häufigsten Unfallursachen auf deutschen Straßen. Und sie passieren auch auf Meinerzhagener Straßen. Eine Statistik des Märkischen Kreises macht deutlich: Die Straße nach Valbert, das Ihne- und Listertal und die Strecke auf die Nordhelle sind Schwerpunkte, an denen die Autofahrer immer auf der Hut vor wechselndem Wild sein müssen. 

„Springt ein Wildtier unvermittelt vor das Auto, ist die schnelle Reaktion des Fahrers gefragt. Notfalls per Vollbremsung sollte der versuchen, die Kollision zu vermeiden, sofern das gefahrlos möglich ist. Ausweichen sollte er dagegen nur in Ausnahmefällen. Bei abrupten Ausweichmanövern ist das Risiko hoch, die Kontrolle über das Fahrzeug zu verlieren“, warnt Torsten Sauer. 

Schwere Unfälle seien dann nicht selten die Folge. „Der kontrollierte Zusammenstoß mit dem Wildtier ist in den meisten Fällen die weniger gefährliche Option. Denn moderne Autos verkraften auch die Kollision mit größeren Tieren wie Wildschweinen oder Hirschen, ohne dass Fahrer oder Insassen Schaden nehmen. Wichtig ist, dass der Fahrer, auch wenn die Kollision unvermeidlich ist, die Geschwindigkeit so weit wie möglich verringert, das Lenkrad fest und den Wagen in der Spur hält. Wildschäden am Fahrzeug übernimmt in der Regel die Teilkasko-Versicherung“, so Sauer.

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