Seit acht Jahren gibt's die Maut für Lkw

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Die „Lkw -Flotte“ der Spedition Wunderer ist komplett mit „Obus“ ausgestattet. Beim Einschalten der Zündung erfolgt das Einbuchen ins Mautsystem.

MEINERZHAGEN/VALBERT - Während in Berlin im Moment die Koalitionspartner der neuen Regierung noch über die Details einer Pkw-Maut für deutsche Autobahnen streiten, ist die Erhebung einer „streckenbezogenen Benutzungsgebühr“, so die Bezeichnung für die Maut in bestem Amtsdeutsch, für Lkw seit dem 1. Januar 2006 alltäglich. Ab diesem Zeitpunkt gilt die Pflicht, für Fahrzeuge ab zwölf Tonnen Gewicht eine Gebühr für die Autobahnbenutzung zu zahlen. Am 1. August 2012, wurde das „Mautnetz“ zudem auf ausgewählte, meist vierspurige Bundesstraßen, ausgeweitet.

Für die heimische Region sind die A 4, die A 44, die A 45 und auch die A 46, die „Einfahrten“ in das von Toll Collect bundesweit betriebene System. Aber auch die B 54 im Bereich um Krombach und die B 256 bei Derschlag gehören dazu. Entwickelt wurde das Mautsystem im Auftrag des zuständigen Bundesministeriums für Verkehr.

Die Höhe der Maut richtet sich zum einen nach der Schadstoffklasse der Fahrzeuge, zum anderen nach deren Achszahl und natürlich der Länge der mautpflichtigen Strecke. Für einen modernen und schadstoffarmen Lastkraftwagen ab vier Achsen bedeutet das eine Gebühr von 15,5 Cent pro Kilometer.

Auch Spediteur Frank Wunderer, der mit seinem Fuhrpark in Valbert Kunden in ganz Deutschland und in Europa beliefert, bedeutet das für jeden Lkw rund 17 000 Euro im Jahr.

„Unsere Wagen sind etwa 110 000 Kilometer in jedem Jahr unterwegs. Bei Speditionen, die zwei Fahrer auf einem Lkw einsetzen, kommt da auch schon mal das Doppelte zusammen“, so Frank Wunderer im Gespräch mit der Meinerzhagener Zeitung. Insgesamt 17 Lastwagen hat er im Einsatz, für die die Mautpflicht gilt.

Bereits beim Einschalten der Zündung bucht sich bei ihnen das so genannte „Obu“ (On-Board-Unit) automatisch ein. Mit Hilfe von Satellitensignalen und anderen Ortungssensoren wird dann die Position des Lkw bestimmt, Streckenabschnitte erkannt, automatisch die Höhe der Maut errechnet und die Daten in regelmäßigen Abständen per Mobilfunk an das Toll Collect-Rechenzentrum gesendet. Letzteres geschieht auch über die entlang der Autobahnen stehenden Funkmasten, wie in Meinerzhagen an der Kreuzung zur Südumgehung.

Dem Fahrer bleibt vor Fahrtbeginn nur noch die Anpassung an die aktuellen Fahrzeugdaten. Hierbei geht es hauptsächlich um die Anzahl der jeweiligen Achsen. Diese wiederum sind logischerweise davon abhängig, ob die Zugmaschine solo fährt oder einen Anhänger hinter sich herzieht.

Auch Hartmut Prost, langjährig beschäftigter Fahrer bei der Spedition im Ebbedorf, führte „zwischen den Jahren“, nach dem Einstieg ins Fahrerhaus, diese geübten Handgriffe aus, bevor er dann zum Kunden fuhr. Da diese Tour lediglich auf der L 539 abgespult wurde, zeigte sein „Obu“ eine gebührenfreie Fahrt an. Bei seiner einige Stunden vorher beendeten Heimreise aus Belgien war das allerdings anders. Da der Startpunkt in Belgien lag, also nicht vom Toll Collect System erfasst wurde, hieß es vorher eine Vignette bestellen. „Die können wir problemlos online bestellen, so dass der Fahrer sich damit nicht beschäftigen muss“, so Frank Wunderer.

Im großen und ganzen bewertet er das System positiv. Der bürokratische Aufwand halte sich aus seiner Erfahrung in Grenzen. Dabei sei es auch für die Fahrzeugbesitzer, die keine „Obu’s“ eingebaut haben, kein großes Problem, an die notwendigen „Mautnachweise“ zu gelangen. Entweder nutzen sie dazu das Onlinesystem von Toll Collect oder sie fahren die Mautstellen, mit den Mautautomaten an.

Die Toll Collect Gesellschaft ihren Sitz in Berlin und beschäftigt rund 520 Mitarbeiter. Die eigentliche Mautkontrolle und die Ahndung von Verstößen gegen die Mautpflicht übernimmt sie allerdings nicht. Diese liegt in der Zuständigkeit des Bundesamtes für Güterverkehr (BAG). Damit das BAG die korrekte Buchung der Maut kontrollieren und damit die Gleichbehandlung aller Mautpflichtigen sicherstellen kann, gibt es ein „dreistufiges System“.

Dazu zählen automatische Kontrollen durch rund 300 Kontrollbrücken, wie beispielsweise auf der A 45 in Richtung Siegen, vor der Anschlussstelle Meinerzhagen. Hinzu kommen stationäre oder mobile Kontrollen durch Beamte des BAG und ebenso Betriebskontrollen bei den Spediteuren.

Trotz der Ausweitung auf die Bundesstraßen, sind die Einnahmen aus der Lkw-Maut im Jahr 2012 gegenüber dem Vorjahr gesunken. Nach rund 4,48 Milliarden Euro waren es 4,36 Milliarden Euro, die 2012 in die Staatskasse flossen. Toll Collect erhielt davon circa zehn Prozent.

Die Ursache für die geringeren Einnahmen waren aus Sicht der Fachleute konjunkturelle Gründe. So sei die Fahrleistung der Lkw um hundert Millionen auf 26,6 Milliarden Kilometer gesunken. Zum anderen rüstete das Güterkraftverkehrsgewerbe auf umweltfreundliche Fahrzeuge um und müsse deshalb weniger Maut zahlen.

Mit den Einnahmen aus der Maut alleine, können allerdings die notwendigen Sanierungen am zum Teil maroden Straßennetz nicht geschultert werden. Der von den Experten geforderte Ausbau der A 45 mit jeweils drei Fahrspuren auf voller Streckenlänge, wird daher auch aus diesem Grund noch auf sich warten lassen.

Frank Wunderer sieht indes schon einen kleinen positiven Aspekt aus den letzten Monaten. „Mit der Erweiterung der Rastplätze entlang der A 45, wurden zum Teil lebensgefährliche Parksituationen entschärft“. Nachdenklich äußert er sich dabei über die für manche Lkw-Fahrer unzureichenden und menschenunwürdigen Arbeitsverhältnisse zu Dumpinglöhnen. „Die Fahrer, meist aus Osteuropa, sind manchmal sechs bis sieben Monate mit ihrem Fahrzeug unterwegs. Legal zwar und oft für deutsche Speditionen, ab er eben menschenunwürdig“.

Letztendlich geschieht dies alles, um den größtmöglichen Profit zu erzielen. Auch wenn der normale Fahrzeughalter (noch) keine Mautgebühr zahlen müsse, die Lkw-Maut zahlen alle Konsumenten schon lange beim Kauf der transportierten Ware mit. - jjh

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