Matthias Kretschmer: Atomkraft – nein danke!

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Matthias Kretschmer mit einem Stück Zukunft – einer Solarzelle. ▪

MEINERZHAGEN ▪ „In der Schule durfte ich vor langer Zeit ein Atomkraftwerk aus Styropor nachbauen. Damals hatte ich ein gutes Gefühl dabei. Atomkraft war etwas Neues, doch wirklich verstanden haben wir nicht, worum es dabei wirklich ging.“

Das hat sich inzwischen geändert – und das nicht erst seit der Katastrophe im japanische Fukushima. Matthias Kretschmer, heute 60 Jahre alt, ist Leiter des wald- und umweltpädagogischen Zentrums in Heed und er kann mittlerweile über die „Jugendsünden“ nur noch schmunzeln. Kretschmer versucht schon seit Jahrzehnten Überzeugungsarbeit zu leisten, wenn es um regenerative Energien als Alternativen zu Erdöl und Atomkraft geht. Früher hat er Modelle von Atomkraftwerken gebastelt, heute geht er in heimische Schulen, um vor Kindern und Jugendlichen Gründe für den Atomausstieg zu erläutern.

Matthias Kretschmer ist kein „Grüner“ im politischen Sinne, er bezeichnet sich selbst als relativ unpolitisch. „Das hat auch Nachteile, denn beispielsweise von Parteien bekommen wir keinerlei Unterstützung bei unserer Arbeit im Haus“, erläutert er im Gespräch mit der MZ. Dennoch tut er sein Möglichstes, um bei den Mitmenschen das Bewusstsein für eine intakte Umwelt zu schärfen. Das, was in Japan passiert ist, wundert ihn nicht wirklich. „Es gibt eben keine absolute Sicherheit bei der Atomkraft – und es hat sie auch nie gegeben“, weiß er. Neben den direkten Gefahren, die von Atommeilern ausgehen, spielt für ihn vor allen Dingen die Lagerung der radioaktiven Abfälle eine wichtige Rolle: „Damit schnüren wir einen Rucksack, an dem noch unsere Kinder und Enkel schwer zu tragen haben“, warnt er.

Und dabei gibt es für Kretschmer nachhaltige Alternativen: „Solarenergie, Blockheizkraftwerke, Windenergie“, zählt Kretschmer Beispiele auf. „Das können wir direkt vor unserer Haustür umsetzen. Wir haben hier alles was wir brauchen“, weiß der Leiter des Naturfreundehauses. Regionale Energieversorgung lautet Kretschmers Lösung. „Dafür müssen wir den Bürgern mehr Verantwortung geben“, ist seine Forderung. In der politischen Landschaft sieht der „Umweltschützer“ aus Meinerzhagen jedoch keine Anzeichen für eine wirklich radikale Wende. „Ich glaube nicht, dass die warnenden Zeigefinger momentan ehrlich gemeint sind. Da gibt es zu große finanzielle Interessen“, gibt sich der Volmestädter keinen Illusionen hin.

Schon in den 70er Jahren, so Kretschmer, sei absehbar gewesen, dass um das Jahr 2010 herum die Ölförderung die weltweite Nachfrage kaum noch würde decken können. „Damals hätte man schon handeln müssen – doch es ist nichts passiert“, bilanziert der Leiter des Hauses in Heed. Jetzt, so Kretschmer weiter, müsse man eben Versäumtes nachholen, wenn es um regenerative Energien – etwa bei Speichermöglichkeiten von Solarstrom – gehe. „Das Bewusstsein in der deutschen Bevölkerung hat sich allerdings schon enorm gewandelt. Wenn man das mit den USA vergleicht, wo zum Beispiel radioaktive Abfälle oberirdisch gelagert werden – sind wir meilenweit voraus“, freut sich Kretschmer. Doch mehr als ein Schritt in die richtige Richtung ist das für ihn auch nicht. Die geplante Deponierung des Treibhausgases CO2 und zu viel Plastikmüll – es gebe noch viele Missstände aufzuarbeiten. „Heute werden zum Beispiel Schnittblumen in Afrika gezogen und mit giftigen Pestiziden behandelt, dann nach Holland exportiert und schließlich in Deutschland verkauft. Wenn wir das Gruppen erzählen, die unser Haus besuchen, verstehen viele erst, was Menschen anrichten“, versucht der Umweltschützer aus Heed aufzuklären und zu informieren. Doch irgendwann, da ist er sich sicher, wird die Zeit kommen, in der Sonne, Wind, Wasser und Holz die Atomkraft ablösen. ▪ beil

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