Aus der Partnerschaft wird eine Ehe

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Auf dem Standesamt ließen Marcel (links) und Martin Witscher ihre Lebenspartnerschaft in eine Ehe umwandeln. 

Meinerzhagen - Am Dienstag hatten Martin und Marcel Witscher im Standesamt ihren großen Tag – zum dritten Mal. Denn nach Verpartnerung und kirchlicher Segnung im vergangenen Sommer ließen sie nun ihre Partnerschaft in eine Ehe umwandeln.

Für das Paar ist es ein Verwaltungsakt, allerdings mit hohem Stellenwert, sagt Martin Witscher: „Wer hat schon die Gelegenheit, zum gleichen Partner dreimal ja zu sagen?“ Welches Ja-Wort die Eheleute als ihren Hochzeitstag ansehen, steht allerdings fest. „Im Ring ist der 7.7.2017 eingeprägt, das war unsere Verpartnerung“, sagt Martin Witscher, der im Meinerzhagener Stadtarchiv arbeitet.

Die Umwandlung habe für sie einen symbolischen Stellenwert, erklärt der 46-Jährige, denn in fast allen Belangen seien eingetragene Lebenspartnerschaften schon vor dem Bundestagsbeschluss vom 30. Juni 2017 gleichberechtigt gewesen. Ein Unterschied war die unterschiedliche Bezeichnung. „Es ist schöner, dass ich nun auch von meinem Ehemann sprechen kann und nicht von meinem Partner“, sagt Marcel Witscher, 31, Erzieher im Zentrum für jugendliche Diabetiker in Lüdenscheid. Trotz dieser Bedeutung ist die Umwandlung selbst, wie Martin Wischer sagt, eher unspektakulär. „Gefeiert haben wir ja schon gebührend.“ – „Aber richtig“, pflichtet Ehemann Marcel bei. Seinen früheren Nachnamen – Gebser – abzulegen und den seines Mannes anzunehmen, sei ihm nicht schwergefallen, sagt der 31-Jährige. Das gehöre für ihn zu einer traditionellen Hochzeit ebenso dazu wie die kirchliche Segnung. Diese – die erste für ein homosexuelles Paar in Meinerzhagen – fand im August 2017 in Haus Nordhelle statt.

Im Anschluss ging es für die Hochzeitsgesellschaft per Bus in den Rheingau, um dort auf Schloss Vollrads in Oestrich-Winkel zu feiern. Die Witschers, die in Valbert wohnen, sind seit Dezember 2013 ein Paar. „Wir haben uns ganz klassisch im Internet kennengelernt, das ist ja heute nichts ungewöhnliches mehr“, sagt Martin Witscher. Es war der zweite Anlauf, bei einem früheren Kennenlernen online hatten sie nicht zueinander gefunden. 

Nach über zwei gemeinsamen Jahren machte Marcel dann im Sommer 2016 Martin am Schönberger Strand an der Ostsee einen Antrag. Ihr Umfeld hätte überwiegend positiv auf die Hochzeitspläne reagiert, sagt Marcel Witscher. Sein Vater sei etwas überrascht gewesen, seine Mutter und Schwester hätten schon länger von seiner Homosexualität gewusst. In der Pubertät habe er noch so getan, als würde er auf Frauen stehen. „Es gab aber diesen Spruch ,Ein bisschen bi schadet nie’, mit dem habe ich es etwas durchblitzen lassen.“

Martin Witscher hielt seine Homosexualität lange geheim, ehe er sich mit 30 dazu bekannte. Dass es manchen Leuten schwerfalle Homosexualität zu akzeptieren, dafür zeigt Marcel Witscher sogar Verständnis: „Wir haben ein ganzes Leben lang Zeit uns zu orientieren und unser Gegenüber muss dann von jetzt auf gleich sagen ,Ja, das finden wir toll!’ – das stelle ich mir auch schwierig vor.“ Dass manche trotz eigenen Unverständnisses gegenüber Homosexualität dem Paar alles Gute für ihr gemeinsames Leben wünschten, weiß Marcel Witscher zu schätzen: „Das waren mit die schönsten Glückwünsche.“

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