Polizei ist informiert

Haben Verbrecher ihre Ziele markiert? Anwohner entdecken "Gaunerzinken" 

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Sogenannte "Gaunerzinken" verunsichern Haus- und Hofbesitzer immer wieder.

Sie bestehen aus Rauten, einfachen Strichen, Kreisen oder Linien. Die Rede ist von sogenannten „Gaunerzinken“, mit denen angeblich Einbrecherbanden lohnende Ziele markieren. Solche Symbole beunruhigen Anwohner jetzt auch in Meinerzhagen.

Meinerzhagen - „Zeichen“, die auf versteckte Botschaften hindeuten könnten, beunruhigten Anwohner jetzt auch in Meinerzhagen. Am Inselweg seien an mehreren Laternenpfosten Zeichen zu finden, die auf ein Einbruchsvorhaben hindeuten können. Diese Nachricht kursiert seit dieser Woche in den sozialen Netzwerken. Informiert wurde aber auch die Polizei, bestätigt deren Sprecher Dietmar Boronowski. Und dieser Schritt sei genau richtig, betont er.

„Gaunerzinken“ seien kein neues Phänomen, weiß Boronowski. Entstanden sind diese Zeichen schon im Mittelalter. Zugeschrieben würden die „Gaunerzinken“ heute vor allem Verbrecherbanden aus Südeuropa, die ihre Ziele auskundschaften und entsprechende „Nachrichten“ in Form von bestimmten Markierungen hinterlassen – beispielsweise ob es in dem Objekt etwas zu holen gibt oder wer im Haus wohnt. Er habe allerdings während seiner gesamten Dienstzeit nicht einmal erlebt, dass in ein Haus eingebrochen worden sei, das vorher mit einer entsprechenden Botschaft markiert wurde, sagt Dietmar Boronowski. Dennoch nehme man die Beobachtung in Meinerzhagen ernst. Sehr aufmerksam sei es daher, dass der Polizei ein entsprechender Hinweis gegeben worden sei, lobt der Polizei-Sprecher.

Konkret wurden an mehreren Laternenmasten am Inselweg zwei parallele senkrechte Striche entdeckt, an einem Pfosten außerdem ein waagerechter Pfeil. Die Anwohner der Straße seien von dem Entdecker der möglichen Nachrichten informiert worden.

Grundsätzlich warnt die Polizei, dass Einbruchgefahr jederzeit herrsche, vor allem in der gerade wieder heranbrechenden dunklen Jahreszeit – auch wenn die Gesamtzahl an Einbrüchen laut Polizei rückläufig sei. Ein Grund sei, dass man bislang von marodierenden Verbrecherbanden aus Südosteuropa verschont geblieben sei, berichtet Boronowski. Entsprechende Tipps, wie man gegen einen Einbruch vorsorgen kann, sollten jedoch unbedingt beachtet werden. Beim Schutz des Hauses gelte es, es den Dieben so schwer wie möglich zu machen. 

„Die Frage ist ‘Was kann ich tun, um mein Objekt aus dem Fokus zu nehmen’“, möchte Michael Schneider vom Kriminalkommissariat Kriminalprävention/Opferschutz Eigentümer sensibilisieren. Möglich sei es schon durch einfache Maßnahmen, ein Gebäude für Einbrecher weniger „interessant“ erscheinen zu lassen. Dazu zähle es beispielsweise, den von der Müllabfuhr geleerten Mülleimer nicht den ganzen Tag an der Straße stehen zu lassen. „Man kann auch den Nachbarn bitten, ihn wegzuschieben.“ Aus dem Briefkasten sollte keine Post heraus quellen, und wenn Licht an sei, erwecke das den Eindruck, dass jemand zuhause sei. Auch Büsche und Sträucher sollten nicht zu hoch sein, sodass keinerlei Einsicht auf das Grundstück möglich sei. „Was ist schlimmer: Mal den Nachbarn zu sehen oder einem Einbrecher ein Sicht geschütztes Grundstück zu bieten?“, fragt der Kriminalhauptkommissar. Von Zäunen und Mauern ließen sich seine Zuhörer bei Präventionsvorträgen leider nur schwer überzeugen. „Dabei laden offene Zugänge Täter ein.“ 

Grundsätzlich komme es immer auf die Rahmenbedingungen an, die ein Täter vorfinde und die zu der Entscheidung führten, in ein Gebäude einzudringen. Das Entscheidungsrisiko werde meist unmittelbar abgewägt. Ein „gigantischer Aufwand“ werde meist nicht betrieben, indem ein Haus eine Woche lang ausspioniert werde. „Wenn ein Täter glaubt, dass die Gelegenheit gut ist, weil niemand zu Hause ist, wartet er nicht bis morgen, denn dann könnte doch jemand da sein“, so Schneiders einfache Erklärung. Ein Einbruch sei meist eine „Ad hoc-Entscheidung“, bei der es darum gehe, das Entdeckungsrisiko so gering wie möglich zu halten. Um den Einbrechern ein Eindringen möglichst schwer zu machen, gibt es neben den „optischen“ Aspekten auch einige technische Sicherungsmöglichkeiten, die beispielsweise an Türen und Fenstern durchgeführt werden können. Kostenlose Beratungen werden von den Beamten des Kommissariats Prävention und Opferschutz zuhause durchgeführt. Wer verdächtige Personen beobachte, sollte umgehend die Polizei unter der Rufnummer 110 benachrichtigen, betont Michael Schneider.

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