Mit Marihuana gegen die Mauer

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Marihuana (Symbolbild)

Bitter endete für einen 35-jährigen Meinerzhagener ein Strafverfahren im Amtsgericht Lüdenscheid. Ein Schöffengericht verurteilte ihn zu einer Haftstrafe von einem Jahr und neun Monaten – ohne Bewährung. Was war geschehen?

Auf der Flucht vor der Polizei war der BMW des jungen Mannes am 14. Februar 2017 um kurz vor 1 Uhr gegen das Gebäude der Meinerzhagener Moschee gefahren. Daraufhin hatte er sich zu Fuß entfernt, was allerdings nicht verhinderte, dass die Polizei ihn bald darauf fasste. Im Kofferraum seines Autos fanden die Beamten ein „fußballgroßes“ Paket mit 326 Gramm Marihuana, dessen Kraut einen Wirkstoffgehalt von 17,4 Prozent aufwies. 

Das Landeskriminalamt rechnete vor, dass darin 56,9 Gramm Tetrahydrocannabinol (THC) enthalten waren – das Siebeneinhalbfache der strafrechtlich bedeutsamen Grenze zur „nicht geringen Menge“. Das entspricht 3790 Konsumeinheiten. Besitz und Handel einer solchen Menge sind ein Verbrechen, und es droht eine Mindeststrafe von einem Jahr. 

Der Angeklagte lieferte eine umfangreiche Begründung für den Ankauf der Ware. Rechtsanwalt Christiansen erzählte die „unschöne Geschichte“: Während einer Haftzeit in der Justizvollzugsanstalt Werl litt sein Mandant an starken Beschwerden, die erst der bekannte Anstaltsarzt und Krimistar Joe Bausch als einen Blinddarmdurchbruch erkannte. Der Patient wurde gerettet, litt seit dem Eingriff aber aufgrund einer Infektion an schweren und schmerzhaften Magen- und Darmproblemen. 

An diesem Punkt kam das Cannabiskraut ins Spiel: Der 35-Jährige habe das Betäubungsmittel zur Schmerzlinderung eingesetzt, erklärte der Anwalt. „Ich habe mit Drogenhandel in meinem Leben noch nie etwas zu tun gehabt“, versicherte der Angeklagte und meinte damit einen möglichen Weiterverkauf. Denn er räumte ein, dass er die 326 Gramm für seinen Eigenkonsum gekauft hatte. 

Die Geschichte war teilweise beweisbar, teilweise plausibel – allenfalls die recht große Menge hätte stutzig machen können. Und so hätte das Verfahren wohl mit einer Bewährungsstrafe geendet, wenn da nicht die zahlreichen Vorstrafen gewesen wären: Eine räuberische Erpressung, eine gefährliche Körperverletzung und ein Einbruchsdiebstahl hatten den Meinerzhagener für Jahre hinter Gitter gebracht. 

Erst im Dezember 2015 war er im Rahmen einer Weihnachtsamnestie entlassen worden. Reststrafen waren zur Bewährung ausgesetzt worden – das macht sich gar nicht gut bei neuen Straftaten. Die letzte Verurteilung betraf zweimaliges Fahren ohne Fahrerlaubnis im November 2016, was den Schluss nahelegte, dass der Angeklagte auch bei der Fahrt ins Mauerwerk der Moschee keinen Führerschein gehabt hatte. 

Das allerdings war aus Versehen nicht angeklagt. Die dennoch erhebliche Strafe brachte Oberstaatsanwalt Bernd Haldorn mit seinem entsprechenden Antrag auf den Weg. „Die Geschichte (Anm. d. Red.: über die Schmerztherapie) rechtfertigt die Tat nicht“, betonte er. Zwischen dem Angeklagten und dem Gefängnis liegt nun nur noch das Landgericht, das vermutlich über die Berufung zu entscheiden haben wird.

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