Mittendrin statt gegenüber – es geht um Kirchenbänke

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Pastor Peter Wilhelm Keinecke steht bei der neuen Sitzordnung auf der Fläche zwischen dem Altar (Hintergrund) und dem Lesepult (Vordergrund) quasi im Mittelpunkt.

Meinerzhagen - Wer steht im Mittelpunkt einer Kirchengemeinde? Der Pastor. Diese „Konstellation“ hatte bislang allerdings eher symbolischen Charakter. In der Realität glich der Gottesdienst eher dem Frontalunterricht in der Schule. Der Altar als Pult, die Gemeinde wie eine Klassengemeinschaft ordentlich „aufgereiht“ direkt gegenüber.

Von Jürgen Beil

In der Kirche St. Marien an der Kampstraße ist das seit August anders. Hier wurde eine neue Sitzordnung umgesetzt, die den Geistlichen quasi in die Mitte nimmt und damit auch die Verkündigung von Gottes Wort. Ob das allerdings so bleibt, muss noch entschieden werden. Dazu findet am 15. März ab etwa 17.45 Uhr nach der Messe in St. Marien eine Gemeindeversammlung statt. „Wir wollen uns ein Meinungsbild machen und dann entscheiden, ob die Bänke so stehenbleiben wie im Moment“, erläutert Pastor Keinecke.

Nach Ansicht des Seelsorgers der Pfarrei St. Maria Immaculata sind die Meinungen der Gottesdienstbesucher zu der Neuerung, bei der die Bänke einen großen Kreis bilden, geteilt: „Die traditionellen Kirchgänger sind wohl mehrheitlich für die alte Ordnung. Besucher, die nur hin und wieder zu uns kommen, finden die Anordnung eher gut.“ Die endgültige Entscheidung über die „Bestuhlung“ wird Pastor Keinecke treffen – nach der Diskussion in der Gemeindeversammlung. Und eines ist schon jetzt klar: Allen wird er es nicht recht machen können.

Persönlich ist Peter Wilhelm Keinecke für die neue Ausrichtung der Kirchenbänke. „Ich musste mich erst daran gewöhnen, aber nun mag ich es sehr.“ Die Vorteile liegen für den Seelsorger auf der Hand: „Der Priester rückt mitten in die Gemeinde hinein und damit auch das Wort Gottes. Der so genannte Communio-Raum betont diese Gemeinschaft. Und die Kirche St. Marien lässt die Positionierung der Bänke räumlich auch zu, die tragenden Pfosten stören so am wenigsten.“

Für die neue Ordnung gab es in der katholischen Kirche gleich mehrere Anstöße. Pastor Keinecke erläutert: „Das war zum einen das Zweite Vatikanische Konzil, ebenso wie das Aufgreifen des Konzils zum 50-jährigen Jubiläum. Und auch der ,Dialogprozess Zukunft’ des Bistums Essen und hier besonders die gottesdienstlichen Feiern gaben einen Anstoß. Das alles hat den alten Gemeinderat auf den Gedanken gebracht, die neue Sitzordnung in St. Marien auszuprobieren.“

Auf die anderen katholischen Kirchen in Meinerzhagen und Kierspe soll das Konzept des „Sitzkreises“ übrigens nicht übertragen werden. „Die bieten sich dafür einfach nicht an“, ist Pastor Keinecke sicher, dass nur St. Marien in Frage kommt

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