Thema im Kulturausschuss

St. Marien als Denkmal: "Ein Schlag ins Gesicht"

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In die Denkmalliste aufgenommen: die Kirche St. Maria Immaculata.

Meinerzhagen - So lange er auch schon von der Entscheidung des Landschaftsverbands wusste: Die Fassungslosigkeit über den mutmaßlichen Denkmalwert der Kirche St. Marien ist Christoph Kistner immer noch anzumerken. Doch nicht nur er nutzte die Sitzung des Kulturausschusses am Dienstag dazu, seinem Unmut über diese Entscheidung Luft zu machen.

Zuvor hatte der stellvertretende CDU-Fraktionsvorsitzende Volkmar Rüsche deutlich gemacht, was er von der Entscheidung der Münsteraner Denkmalschützer hält: nämlich nichts. 

„Wüsste ich nicht, dass wir heute den 5. November haben, ich würde glauben, wir hätten es mit einem Aprilscherz zu tun“, untermauerte er sein Unverständnis mit schwarzem Humor. In seinen rund zehnminütigen Ausführungen erklärte der CDU-Ratsherr dabei nicht nur seine Kritik am festgestellten Denkmalwert an sich, sondern auch die prekäre wirtschaftliche Lagen, in der sich Gemeinde und Bistum bereits jetzt befänden. 

Der Pfarrei St. Maria Immaculata werde mit der Unterdenkmalschutzstellung der Kirche St. Marien eine Last auferlegt, „die sie planerisch, aber insbesondere auch wirtschaftlich vor größte Probleme stellt, die so überflüssig sind, wie ein Kropf“. Rüsche erinnerte dabei an den langen Pfarreientwicklungsprozess, den St. Maria Immaculata anstoßen musste, nachdem das Bistum Essen bis zum Jahr 2030 massive finanzielle Einbußen angekündigt hatte. 

Konkret ist von einer notwendigen Halbierung des Haushalts in elf Jahren die Rede, auf die sich die Pfarreien seit 2015 einstellen und vorbereiten mussten. Im November 2017 sandten die Meinerzhagener Katholiken schließlich ein sogenanntes Votum nach Essen, in dem die großen Herausforderungen der Pfarrei, aber auch Lösungsvorschläge aufgezeigt wurden. 

Enorme Sanierungskosten

Zentrale Bedeutung erhielt dabei die Kirche St. Maria Immaculata (kurz: St. Marien), die aufgrund ihrer besonderen Bedeutung als einzige in Meinerzhagen als Kirchengebäude erhalten bleiben sollte, aber laut Architekt ein Investitionsvolumen von 980 000 Euro erfordert, wie Rüsche ausführte. Sinnvoll sei es daher, die Investitionen nicht mehr in das alte Gebäude zu stecken, das nicht mehr dem heutigen Standard und Erfordernissen entspreche, sondern ein neues „ökologisch und ökonomisch sinnvolles Gebäude“ zu errichten, das keine hohen Unterhaltungskosten mit sich bringt. 

Kurzum: Es sollte eine „nachhaltige, wirtschaftlich stemmbare Lösung“ her – die durch das Denkmalschutz-Gutachten des LWL nun offenbar obsolet ist. „Mehrere Jahre intensivster Arbeit in den größtenteils ehrenamtlich besetzten Gremien wurde mit einem Handstreich zunichte gemacht“, sagte Rüsche, der dem LWL eine spontane Tour durchs Land vorwarf, um Kirchen vor der Aufgabe zu schützen. 

Rüsche: "Rücksichts- und verantwortungslos!"

Volkmar Rüsche bezeichnete dieses Vorgehen als „rücksichts- und verantwortungslosen Vorgang“ und einen „Schlag ins Gesicht der kirchlichen Verantwortlichen“. Einer dieser Verantwortlichen ist Christoph Kistner. Der Vorsitzende des Pfarrgemeinderats nutzte die Ausschusssitzung am Dienstag ebenfalls zu einer kurzen Stellungnahme – und machte dabei deutlich, wie existenzgefährdend die Unterschutzstellung der Kirche für die Pfarrei ist. 

„Der Architekt des Bistums hat sich eindeutig für einen Neubau ausgesprochen – und das war die Basis für alle Bestrebungen der Pfarrei“, erinnerte Kistner an die Diskussionen im Pfarreientwicklungsprozess. Durch die schwierigen, sprich teueren, Veränderungs- und Modernisierungsmöglichkeiten infolge des Denkmalschutzes könne er nun nur hoffen, dass nicht eine der übrigen Kirchen zwischen Rönsahl und Grotewiese „dran glauben“ muss. 

„Ich hoffe auf eine gute Lösung, denn dieses Thema ist für uns sehr gravierend“, betonte der Gemeinderatsvorsitzende, der zudem daran erinnerte, dass die Pfarrei bereits im kommenden Jahr mit einer Haushaltsbeschneidung in Höhe von 40 Prozent rechnen müsse. Ausschussvorsitzender Matthias Scholand (CDU) sprach der Pfarrei die Unterstützung von Rat und Verwaltung zu, wenn es infolge der Denkmalschutzeintragung um Möglichkeiten der rechtlichen Auseinandersetzung oder Abmilderung der Konsequenzen geht. 

Auch ohne den Rechtsweg könnten eventuell Lösungen gefunden werden, so Scholand. Lösungen, die auch die katholische Gemeinde im Ort halten sollen. „Die katholische Gemeinde ist vor 164 Jahren gegründet worden – wir hoffen, dass wir hier noch lange bleiben können. Aber es geht derzeit schlichtweg um unser wirtschaftliches Überleben“, machte Christoph Kistner die dramatische Lage dem Ausschuss abschließend nochmals deutlich. 

An der Abstimmung änderten die Bedenken jedoch nichts: Der Ausschuss war, so betonte auch die Verwaltung, gezwungen, die Kirche in die Denkmalliste aufzunehmen.

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