Festnahme

Einsatz im MK: Mann greift Polizisten an - weil er sich von Freundin gedemütigt fühlt

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Die Polizisten wurden zu einem Einsatz in Meinerzhagen gerufen.

Vom Zuhören hielt der Angeklagte im Amtsgericht nicht viel. Sein Mitteilungsbedürfnis war hingegen immens. Auch noch, nachdem ihn der Richter wegen tätlichen Angriffs auf Vollstreckungsbeamte, Beleidigung und versuchter Körperverletzung zu 6.300 Euro Strafe verurteilt hatte.

Meinerzhagen – Direkt die erste Frage des 41-jährigen Meinerzhageners diente dazu, herauszufinden, ob seine Redezeit beschränkt sei. Solange es zur Sache beitrage nicht, erklärte der Richter. Dessen Hauptaugenmerk lag darauf, zu erfahren, ob der Angeklagte am 4. Januar 2018 wie vorgeworfen, Polizisten als „Drecksbullen“ bezeichnet, sich gegen seine Festnahme gewehrt und die Beamten getreten hatte.

Ja, das Wort „Drecksbullen“ sei gefallen, gab der Angeklagte zu. Allerdings nicht direkt an einen Polizisten gerichtet. Vielmehr habe er zu seiner damaligen Freundin im Streit gesagt, dass ihr die „Drecksbullen“ jetzt helfen würden. Für eine Beleidigung reiche es aus, sie zu äußern. Die direkte Ansprache einer Person sei nicht nötig, klärte der Vorsitzende den Mann auf.

Kein Respekt gegenüber den Polizisten

„Ich konnte die Polizisten in der Situation nicht respektieren. Ich war im Ausnahmezustand“, gab der 41-Jährige an. Als es um die vorgeworfenen Tritte ging, stand der Angeklagte auf und stellte die damalige Festnahmeszene nach. Dazu legte er sich auf den Boden und demonstrierte sein Aufbäumen gegen das Festhalten des Polizisten. Er habe zwei Jahre lang die Hölle in seiner Beziehung erlebt. Sei vergewaltigt, im Gesicht gebissen, geschlagen, gekratzt und beleidigt worden. In dem Moment, als der Polizist ihn auf dem Boden fixiert habe und seine Freundin daneben stand, habe er sich derart gedemütigt gefühlt, dass er der Frau habe zeigen wollen, dass er sich nicht unterkriegen lasse. Das sei der einzige Moment, in dem er einen der Polizisten habe am Fuß berühren können. Aber dass es dadurch zu dem in der Akte festgehaltenen blauen Fleck am Zeh gekommen sei, könnte er sich nicht vorstellen. 

Die beiden damals beteiligten Polizisten sagten im Zeugenstand aus, der Angeklagte hätte zwar versucht, sie zu treten, getroffen habe er aber nicht. Wie es zu dem blauen Zeh gekommen war, konnte der Polizist nicht mehr sagen. Damit wurde aus der vorgeworfenen Körperverletzung eine versuchte Körperverletzung. Auch den tätlichen Angriff auf Vollstreckungsbeamte bejahte der Richter. Der Angeklagte hatte einen Platzverweis erhalten, sich aber dennoch drei Mal wieder genähert. Beim dritten Mal, so beide Beamte, hätte er einen von ihnen geschubst, was zum Gewahrsam führte.

Keine Schuldunfähigkeit

Zum Einsatz gekommen war es, weil sich das Paar lautstark gestritten hatte. Während der Verhandlung fiel der Angeklagten wiederholt sowohl dem Richter, als auch den Zeugen ins Wort, machte überflüssige Bemerkungen. Immer wieder setzte er an, seine ganze Beziehungsgeschichte auszubreiten. Dass er Qualen habe erleiden müssen und deshalb zur Tatzeit schuldunfähig gewesen sei. 

Am Ende stellte der Richter fest, dass der Mann möglicherweise durch die Beziehung traumatisiert, aber keineswegs schuldunfähig sei. Der 41-Jährige kündigte an, in die zweite Instanz zu gehen. Nach der Urteilsverkündung suchte er weiter das Gespräch mit dem Richter und wollte mit dem Vertreter der Staatsanwaltschaft einen Termin ausmachen. Mit Nachdruck musste der Vorsitzende darauf hinweisen, dass die Verhandlung beendet sei und der Angeklagte gehen sollte.

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