Kommunen befürchten hohe Kosten

Kreis nimmt Löschwasserteiche ins Visier

Teich nahe der Ortschaft Westebbe in Meinerzhagen
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Ein Löschwasserteich, der laut DIN-Norm keiner ist: In den Außenbereichen, wie hier bei Westebbe, nutzt die Feuerwehr im Fall der Fälle Teichanlagen. Die erfüllen laut Kreis aber nicht die erforderlichen Voraussetzungen.

Ein Hydrant für die Brandbekämpfung? In dicht besiedelten Gebieten normal, nicht aber in Außenbereichen. Dort greift die Feuerwehr nicht selten auf andere Wasservorräte zurück – zum Beispiel Löschwasserteiche. Die allerdings geraten jetzt offenbar vermehrt ins Visier des Kreises. Den Kommunen könnten nun hohe Kosten ins Haus stehen.

Meinerzhagen - Die Nachbarstadt Kierspe hat das bereits am eigenen Leib erfahren: Die Stadt muss Hundertausende Euro für die Anschaffung von Löschwassertanks ausgeben, um den Forderungen nach ausreichend Löschwasser für den Fall der Fälle Genüge zu tun. Denn: Ein normierter Teich muss unter anderem über eine Saugstelle, eine Einfriedung sowie eine Aufstellungsfläche für Fahrzeuge der Wehr verfügen. Allein diese Ertüchtigung könnte hohe Kosten verursachen, wenn denn die Untere Wasserbehörde dem Umbau überhaupt zustimmen würde. Denn diese Behörde – ebenfalls im Kreishaus angesiedelt – könnte der Maßnahme unter Umständen widersprechen.

Löschwassertanks als Alternative

Die sichere, aber teure Alternative: Löschwassertanks gigantischen Ausmaßes, die unter der Erde stets verfügbares Wasser bereithalten. Dafür müssen pro Tank nicht selten hohe fünfstellige Beträge gezahlt werden. So hat zum Beispiel Kierspe für drei Tanks im vergangenen Jahr 145 000 Euro bezahlt.

Von der Aktivität des Kreises, der als Untere Bauaufsichtsbehörde nun offenbar verstärkt auf den Bestand normierter Löschwasserteiche achtet, sind nach MZ-Informationen allerdings zahlreiche Kommunen überrascht. So ist es in Außenbereichen üblich, dass sich die Feuerwehren bei Bedarf sämtlicher Teiche bedienen – ob es sich um einen genormten Löschwasserteich handelt oder nicht, spielt keine Rolle.

Unverständnis bei der Wehr

Zwar müssten Schläuche auch schon mal über mehrere hundert Meter verlegt werden, eine höhere Gefährdung der Bevölkerung ergebe sich daraus aber nicht, wie es aus Feuerwehrkreisen heißt („Wir sind noch nie trockengelaufen“). Schließlich könne die Wehr bereits mit zigtausend Litern Wasser für den Erstangriff anrücken. In Meinerzhagen ist von 17 000 Litern die Rede, die bei Stadtalarm zur Verfügung stünden. Bei einem durchschnittlichen Bedarf von 800 Litern pro Minute könnte die Wehr so mehr als 21 Minuten lang löschen. Eine Lange Zeit, in der weitere Schläuche gelegt oder auch ein Pendelverkehr mit Wasservorräten eingerichtet werden kann.

Kreis weist auf Arbeitsblatt hin

In seinen Hinweisen an die Kommunen bezieht sich der Märkische Kreis auf das Arbeitsblatt W 405 des Deutschen Vereins des Gas- und Wasserfaches (DVGW), das für Gebiete ohne Anschluss an das öffentliche Trinkwassernetz oder „aus unerschöpflichen Wasserquellen“ Löschwasserteiche, -brunnen oder -behälter nach gültiger Din-Norm vorsieht. Diese Norm erfüllt nach Aussage vieler Feuerwehren aber nahezu kein Teich im Kreis. So könnte es bei konsequenter Auslegung des DVGW-Arbeitsblattes dazu kommen, dass in direkter Nähe zu einem bestehenden, aber nicht genormten Teich ein offizieller Löschwasserteich angelegt werden oder eben ein Löschwassertank zum Einsatz kommen müsste. Zumal die geforderte Löschwassermenge in einem Umkreis von maximal 300 Metern zum entsprechenden Objekt (also zum Beispiel Wohnhaus) gewährleistet sein muss.

Dienstbesprechung schon im Juni 2019

Dass nun verstärkt Kritik am Vorgehen des Kreises laut wird, können die Verantwortlichen in Lüdenscheid indes nicht nachvollziehen. „Bereits im Juni 2019 hat es eine Dienstbesprechung mit den zuständigen Stellen der Städte gegeben, in der auf die Erfordernisse hingewiesen wurden“, sagte Hendrik Klein, Pressesprecher des Märkischen Kreises, auf Anfrage der MZ. Dabei sei von einer „Reihe von Einzelfällen“ berichtet worden, bei denen die Löschwasserversorgung nicht mehr gewährleistet gewesen sei. „Wir setzen also nur um, was der Gesetzgeber verlangt“, so Klein. „Über allem steht die Sicherheit der Bürger.“ Dass diese Sicherheit tatsächlich durch fehlende Wasserreserven in Außenbereichen gefährdet ist, bezweifeln allerdings viele Feuerwehren im Kreis.

Stadtwerke erstellen Kataster

Dennoch müssen die Kommunen handeln. So auch die Stadt Meinerzhagen, die den tatsächlichen Bedarf an Änderungen jetzt analysieren will, wie Bürgermeister Jan Nesselrath bereits im Rahmen der jüngsten Ratssitzung kurz informierte. Thomas Decker, ehemaliger Stadtbrandinspektor und Chef der Freiwilligen Feuerwehr Meinerzhagen, ist im Ordnungsamt mit dem Thema betraut. „Löschwassertanks gibt es auch auf Meinerzhagener Gebiet bereits“, sagt Decker. Im Neubaugebiet Grünewald zum Beispiel sei ein Tank mit einer Füllmenge von 192 Kubikmetern verbaut worden, am Flugplatz stehen der Wehr 52 Kubikmeter für den Notfall aus einem Tank zur Verfügung und in Sellenrade wurde die Gelegenheit genutzt, eine ausgediente Güllegrube mit 180 Kubikmetern Inhalt umzufunktionieren. „Das erfolgte nicht zuletzt aus den besonderen Bedarfen vor Ort“, erklärt Thomas Decker.

Die Verwaltung erhofft sich aber auch von einem Löschwasserkataster weitere Informationen darüber, ob und in welcher Form nun auf die Ansage des Märkischen Kreises zu reagieren ist. Mit Ergebnissen wird im Frühjahr gerechnet.

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