Lebensraum Sichter

Lebensqualität für Ringelnatter, Frosch & Co.

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Auch Bachkrebse haben die Mitglieder des Fördervereins Naturschutz MK in Ohl-Singerbrink bereits entdeckt.

Meinerzhagen - Der Kreis packt seine Gewässer weiter aus. Zwar nicht immer so intensiv wie im Schleifkotten in Meinerzhagen oder am künftigen Volme-Freizeit-Park in Kierspe – aber deshalb sind auch die kleineren Projekte nicht minder bedeutsam für die Natur. Vertreter des Fördervereins Naturschutz MK und des Märkischen Kreises stellten jetzt die neueste Maßnahme im Zuge des Projekts „Ein Kreis packt aus“ vor und luden nach Ohl-Singerbrink ein. 

Der Natur ihren Lauf lassen und langfristig die Wasserschutzrahmenrichtlinie (WRRL) erfüllen – diese Ziele verfolgt der Kreis mit seinem extra eingerichteten Etat, der für das kommende Jahr mit rund 200 000 Euro gefüllt ist. Im Vergleich zu den genannten Projekten in Meinerzhagen und Kierspe nahm sich die jetzt vorgestellte Maßnahme an der Sichter recht klein aus: Mit 5000 Euro unterstützte das Kreishaus die Bemühungen des Naturschutzzentrums, den Bach zwischen den Naturschutzgebieten Sichter-Talräume und Wiebelsaat zu renaturieren. 

„Wir wollen diese Gebiete näher zusammenführen. Und dieses Projekt erlaubt, dass die Natur bekommt, was sie braucht, um sich entwickeln zu können“, sagt Kreisdirektorin Barbara Dienstel-Kümper beim Ortstermin auf dem für Außenstehende unscheinbar wirkenden Areal, das zudem im Schatten eines großen Umspannwerks zunächst alles andere als idyllisch daherkommt. 

Stellten gemeinsam die Renaturierungsmaßnahme in Ohl-Singerbrink vor: (von links) Wilhelm Heveling (Förderverein Naturschutz MK), Johannes Bayerschen und Christian Faust von der Unteren Wasserbehörde, Hans Obergruber (Naturschutz MK), Kreisdirektorin Barbara Dienstel-Kümper und Fördervereinsvorsitzender Bernd Bunge.

„Heute kann man sich kaum vorstellen, wie es hier vor unserem Einsatz aussah“, sagt Bernd Bunge, Vorsitzender des Fördervereins Naturschutz MK, der das Gelände im Jahr 2014 gekauft hat, um es zu renaturieren. Der vorherige Eigentümer betrieb dort Fischteichanlagen – und um diese trockenen Fußes zu erreichen, hat er die Umlage entsprechend der eigenen Bedürfnisse gestaltet. 

Dazu gehörte auch eine intensive Verrohrung des Sichter-Baches, der sich oberhalb der Anlage in zwei Arme aufteilte, von denen einer die Teiche durchlief. „Als wir die Rohre unterhalb der Teichanlage entfernt haben, merkte man umgehend, wie sich der Bach seinen Platz sucht und das Gelände einnimmt“, erklärt Johannes Bayerschen von der Unteren Wasserbehörde des Kreises, der die Naturschützer bei der Maßnahme begleitet hat. Denn die Maßnahmen, die den Bach wieder in sein ursprüngliches Bett fließen lassen sollen, waren umfangreich: Nicht nur die Verrohrung wurde entfernt, sondern auch Zäune, Ufer und Sohlbefestigungen. Der Damm des größeren Teiches wurde durchbrochen, so dass sich in ihm nun ein mäandrierender Bach entwickelt. 

Renaturierung der Sichter in Ohl-Singerbrink

Insgesamt, so erklärt Bayerschen, gestalteten die teils ehrenamtlich Aktiven eine etwa 2000 Quadratmeter große Fläche zu einem wechselfeuchten Biotop um. Das angestrebte Resultat: ein optimierter Lebensraum für Reptilien, Amphibien und Insekten wie Ringelnattern, Grasfrösche, Kröten und Libellen. Und auch Fische oder Bachkrebse sollen einen verbesserten Lebensraum erhalten. 

Dank solcher Maßnahmen sollen die Gewässer im ganzen Kreis wieder aus dem Dunkel der Kanäle und Rohre sichtbar, erlebbar und – für Flora und Fauna – auch nutzbar gemacht werden. Dem Förderverein Naturschutz MK ist das seit 1983 schon an zahlreichen anderen Orten gelungen – in Meinerzhagen unter anderem am Hangmoor Braucke oder auf einer Wald- und Hangmoorfläche mit Fledermausstollen in Willertshagen. Insgesamt betreut der Verein durch Ankäufe oder Anpachtungen derzeit eine Fläche von mehr als 2,5 Millionen Quadratmetern. 

Um diese Aktivitäten weiter ausbauen zu können, ist der 93 Mitglieder starke Verein immer auf der Suche nach Neumitgliedern oder Spendern, die sich unter www.natur-mk.de näher informieren können.

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