Taubendressur statt Mathematik

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Auch eine Taubendressur wird zur Vorstellung gehören, die die Grundschüler mit ihren Trainern vom Circus Rondel einstudieren.

Meinerzhagen - Trampolin, Trapez und Taubendressur statt Mathe, Deutsch oder Sachunterricht. Zirkuszelt statt Klassenzimmer. Die Mädchen und Jungen der Grundschule Auf der Wahr lernen in dieser Woche Dinge, die nicht auf dem gewohnten Stundenplan stehen.

Dabei schlüpfen sie in die Rollen als Dompteure, Jongleure und Akrobaten und proben mit den Profis vom Circus Rondel für den großen Auftritt in der Manege. Premiere ist heute Abend. Wenn der Zirkus kommt, steht die Schule kopf, genauer genommen die Schüler: Im großen Zirkuszelt auf dem Schützenplatz schwingt eine kleine Artistin mit strahlendem Lächeln kopfüber am Trapez.

Vom ersten Zögern keine Spur mehr. Der skeptische Blick vergessen. Zirkus-Chef René Ortmann hält seine junge Turnerin sicher an den starken Armen. In der Sporthalle der Schule wird ebenfalls fleißig geprobt, und hier geht es nicht weniger gelenkig zu. Die jungen Akrobaten, die beim großen Auftritt in der Manege vom Zirkusdirektor als „alte Akrobaten“ angekündigt werden, turnen mutig auf den Händen ihres Zirkustrainers. Die Übungen sitzen schon fast perfekt. „Und das am ersten Probentag. Unfassbar...“ – Schulleiterin Christiane Wagner ist sprachlos. Für sie und ihre Kollegen ist die Zirkuswoche mindestens genauso aufregend wie für die Schüler. Die Zirkuswelt sei eine besondere Welt für sich, sagt die Leiterin der Grundschule, und die Sechs- bis Zehnjährigen dürfen für ein paar Tage eintauchen in diese Welt und die Atmosphäre zwischen Zelt und Zirkuswagen hautnah kennenlernen.

Ermöglicht werde das den Schülern dank einer tollen und engagierten Zirkusfamilie. „Sie gehen alle wundervoll mit den Kindern um“, ist Christiane Wagner nach dem ersten Besuch des Circus Rondel vor vier Jahren überzeugt. Das innerhalb von nur wenigen Tagen eine komplette Zirkusvorstellung für drei verschiedene Artistengruppen einstudiert werde, sei „unglaublich“, ist die Pädagogin vom zwölfköpfigen Team begeistert und auf ihre Schüler mächtig stolz. „Das wird der Wahnsinn“, freut sie sich auf den Moment, wenn es im großen Sternenzelt vor 500 Zuschauern heißt „Manege frei!“

Alle vier Jahre wird das Zirkusprojekt an der Schule durchgeführt. So könne jedes Kind während seiner Grundschulzeit einmal diese „einzigartige Erfahrung“ machen. „Manche Kinder glauben vorher nicht, dass sie das können, dann trauen sie sich und merken plötzlich, dass sie das Artistenkunststück oder die Trapeznummer schaffen.“ Das Selbstvertrauen jedes Kindes werde gefördert, betont Christiane Wagner: „Die Kinder lernen Vertrauen, Vertrauen, Vertrauen…“ Die Motivation aller sei groß.

Die Gruppen, die für die insgesamt drei Vorstellungen am Donnerstag und Freitag proben, wurden jahrgangsübergreifend eingeteilt. So werde „nebenbei“ auch das soziale Lernen gefördert. Jongleure, Clowns, Fakire, Trapezkünstler und Dompteure üben mit großem Eifer. Einen Einblick, wie die Zirkusvorstellung aussehen wird, erhielten Schüler und Lehrer bereits am ersten Projekttag während einer Vorstellung der Zirkusfamilie Rondel. 

Drei Tage wurde schließlich für den großen Moment geübt, den Abschluss bildete mittags stets die Artistenparty im Zelt. Schulleiterin Christiane Wagner freut sich auf die Premiere am Donnerstagabend. Egal ob Clown oder Jongleur: „Was mich berührt ist, dass jedes Kind über sich hinaus wächst. Die Zirkusartisten schaffen es, dass die Kinder etwas aus sich herausholen, was uns als Lehrer ehrlicherweise nicht immer gelingt.“ Finanziell gestemmt wird das Projekt dank vieler Aktionen – beispielsweise auch durch einen Sponsorenlauf. Die Viertklässler, die sich im letzten Schuljahr hierfür noch ins Zeug gelegt hatten, nun aber bereits die weiterführenden Schulen besuchen, sind Ehrengäste der Vorstellung.

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