LWL-Entscheidung

Stadthalle kein Denkmal - Saal soll nun aber doch erhalten bleiben

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Meinerzhagen - Die Stadthalle Meinerzhagen ist kein Denkmal. Diese Entscheidung hat der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) jetzt der Stadtverwaltung übermittelt. Ein Abriss des Stadthallen-Saals ist aber dennoch zunächst vom Tisch. Priorität haben drei alternative Varianten.

Wie die MZ im Gespräch mit Bürgermeister Jan Nesselrath und Fachbereichsleiter Friedrich Rothaar erfuhr, ist ein Verzicht auf den gesamten Stadthallenkomplex zugunsten eines Einkaufszentrums kein Thema mehr. "Wir wollen keine Politik gegen die Bürger machen", begründete Nesselrath am Freitag diesen neuen Weg, der insbesondere die Akteure der Initiative Pro Stadthalle freuen dürfte. Diese hatten sich bekanntlich seit Bekanntwerden erster Überlegungen zum Abriss für den Erhalt des Veranstaltungssaals stark gemacht.

LWL sieht keine Gründe für Denkmalschutz

Wie es vom LWL heißt, spiegele das Gebäudeinnere zwar "in seiner Konzeption und Ausstattung die kulturpolitischen Ziele der 1970er Jahre wider und ist damit für das Geschehen der damaligen Zeit von ortgeschichtlicher Bedeutung". Außenarchitektur, Materialwahl der Außenhaut und die städtebauliche Einbindung würden aber keinerlei Zeugniskraft im Sinne des Denkmalschutzes entfalten. Es lägen also "weder städtebauliche noch architektonische oder künstlerische Gründe für einen Erhaltungs- und Nutzungsgrund vor".

Abkehr von Abriss-Überlegungen

Durch diese Entscheidung des LWL sieht sich die Verwaltung in ihren Erwartungen bestätigt. "Schon als Untere Denkmalbehörde hat die Stadt keinen Denkmalschutzstatus gesehen - und das sieht der LWL nun offenbar genauso", erklärte Jan Nesselrath am Freitag. "Man muss sich darüber im Klaren sein, dass wir es mit einem Zweckbau zu tun haben, dessen kalkulierte Nutzungsdauer bei 30, maximal 40 Jahren liegt. Das wollen wir bei den künftigen Überlegungen auch berücksichtigen", betonte der Bürgermeister. Ein Abriss, der im Juni 2016 ja zunächst in Erwägung gezogen wurde, spiele nach zahlreichen persönlichen Gesprächen zwischen Stadtverwaltung und Bürgerschaft aber keine Rolle mehr. Man priorisiere drei Varianten, bei denen allesamt die wesentlichen Teile der Stadthalle - Saal mit Foyer - erhalten bleiben sollen:

Variante 1: Erhalt des Status Quo

Diese auch als "Null-Lösung" bezeichnete Variante setzte auf den Erhalt der Stadthalle wie bisher. Bis auf Weiteres würden lediglich unbedingt notwendige Reparaturen und kosmetische Arbeiten vorgenommen werden. "Auf diese Weise wären die Aufwendungen zunächst geringer, das Sanierungsproblem würde allerdings nur um einen überschaubaren Zeitraum von wenigen Jahren verlagert und in seinem Umfang eher verschärft. Gleichzeitig würde sich auch die Chance, neue Impulse in der Stadtentwicklung zu setzen, in die Zukunft verschieben", heißt es von der Stadtverwaltung.

Variante 2: Komplettsanierung des Komplexes

Auch eine Komplettsanierung des Stadthallen-Komplexes - also inklusive sämtlicher Anbauten - soll in Betracht gezogen werden. Diese Sanierung könnte entweder in einem fortlaufenden Großprojekt oder über einen längeren Zeitraum in abgeschlossenen Teilabschnitten erfolgen. "Eine solche Aufteilung würde die Aufwendungen über einen längeren Zeitraum gestaffelt verteilen, diese in Summe aber wohl – so steht erfahrungsgemäß zu erwarten – eher erhöhen. Beide Varianten sollen in der anstehenden Analyse geprüft und einander gegenübergestellt werden."

Variante 3: Teilsanierung in Kombination mit neuer Nutzung

Erhalt des Saals und des Foyers, aber Rückbau des Gaststättenanbaus - auch diese Möglichkeit zieht die Stadtverwaltung in Betracht. "Die besondere Atmosphäre der Kulturstätte, ihre Akustik und Ausstattung – beispielsweise in Form des Máro-Gemäldes ,Inti-Huatana´ auf der Bühnentrennwand – blieben erhalten und der Kulturbetrieb könnte nahtlos fortgesetzt werden. Der Vorteil dieser Variante wäre, dass kaum genutzte, aber kostenaufwändig zu sanierende Bereiche eine neue Nutzung erfahren könnten", heißt es dazu von der Verwaltung. Statt des Restaurantbaus sei dann eine Ansiedlung von "ausgesuchtem, ergänzenden Einzelhandel" möglich, durch den die Attraktivität der Innenstadt gesteigert werden könnte.

Gutachten in Auftrag gegeben

Bereits im vergangenen Jahr habe man ein Gutachten in Auftrag gegeben, das sämtliche Varianten auf Wirtschaftlichkeit hin überprüfen soll. Ergebnisse lägen jedoch noch nicht vor, so dass es auch noch keine offiziellen Kostenschätzungen zu den einzelnen Lösungen gibt. "Wir wollen auf jeden Fall weiter den Austausch mit den Bürgern suchen", sagte Jan Nesselrath im Gespräch mit der MZ. So sei etwa bei Umsetzung der Variante 3 ein Ideenwettbewerb nach Vorbild des Stadthallenumfelds möglich, "bei dem wir ja ebenfalls die Bürgerschaft mit einbezogen haben", erinnerte der Bürgermeister. In jedem Fall strebe man eine "bestmögliche Lösung" im Sinne der Bürgerschaft an.

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