Trunkenheitsfahrt endet neben der Autobahn

Meinerzhagen - Die Fahrt aus der Disco nach Hause endete mit einem total zerstörten Golf und drei Leichtverletzten. Damit hatten wohl alle Fahrzeuginsassen mehr als nur Glück. Am Dienstag stand die juristische Aufarbeitung dieser Fahrt auf dem Prozessplan des Meinerzhagener Amtsgerichtes.

Und da hatte der Fahrer des Wagens erneut Glück – weil er einen verständigen Richter fand und sich einen engagierten Rechtsanwalt mitgenommen hatte.

Nach einer langen Nacht in einer Siegener Discothek hatte sich ein 23-jähriger Lüdenscheider mit seinen Freunden am 1. November frühmorgens auf die Rückfahrt in die Bergstadt begeben. Zwischen Meinerzhagen und Lüdenscheid war der Wagen dann von der A 45 abgekommen gegen eine Leitplanke geprallt – anschließend hatte er sich überschlagen. Dabei waren alle Insassen leicht verletzt worden und konnten aus eigener Kraft das total zerstörte und auf dem Dach liegende Fahrzeug verlassen.

Bis dahin könnte man Glauben, dass der Fahrer samt seiner Freunde von allen Heiligen, derer an diesem Tag gedacht wurde, beschützt wurde. Doch das Verhalten nach dem Unfall ließ eher darauf schließen, dass der Lüdenscheider von allen guten Geistern verlassen war. Denn statt zum Handy zu greifen und die Polizei und auch einen Rettungswagen zu rufen, rief er einen Kumpel an, der die Unfallopfer auf der Autobahn einsammelte und ins Krankenhaus brachte. Erst dort veranlasste der Fahrer des Unfallwagens eine Meldung bei der Polizei und dort wurde ihm auch eine Blutprobe entnommen. Zurückgerechnet auf den Unfallzeitpunkt ergab diese einen Blutalkoholwert von 0,86 Promille.

Doch von eingeschränkter Fahrtüchtigkeit wollten der Angeklagte und sein Verteidiger Kaspar Schulte nichts wissen. Vielmehr sei der 23-Jährige geistesgegenwärtig einem plötzlich von rechts auftauchenden Reh ausgewichen. So wollte es auch ein Mitfahrer gesehen haben, wenngleich er das Tier als Wildschwein identifizierte. Richter Guido Varney hatte aufgrund der vorgefundenen Spuren seine Zweifel an dieser Darstellung, sah aber auch den Einwand des Verteidigers gerechtfertigt, der anführte, das man von einer Fahrerflucht nicht reden könne, weil der Angeklagte ja noch 20 Minuten an der Unfallstelle verblieben sei und beim Eintreffen im Krankenhaus veranlasst habe, dass die Polizei verständigt wurde.

Wobei die Staatsanwältin sicher nicht zu Unrecht einwarf: „Wer seinen Kumpel anrufen kann, kann auch die Polizei verständigen.“

Der Verteidiger wollte aber an dieser Stelle nicht locker lassen und versuchte die Trunkenheit kleinzureden und auch die Körperverletzung aus der Welt zu schaffen. Darauf wollte sich aber der Richter nicht einlassen, „denn letztlich war es nur ein großes Glück, dass es keine Toten gab“. Aufgrund der leichten Verletzungen wollte aber auch Varney nicht von schwerer Körperverletzung sprechen.

Nach gutem Zureden räumte der Angeklagte dann den Tatvorwurf ein und erhielt ein Urteil, mit dem wohl alle gut leben können. Er muss nun 40 Tagessätze zu je 40 Euro an die Staatskasse zahlen. Und in den kommenden sechs Monaten besteht auch keine Wiederholungsgefahr, denn so lange wird der Führerschein noch einbehalten. - von Johannes Becker

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