Der Luchs ist auf dem Vormarsch

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Luchse könnten auch im „Ebbe“ leben. Ob sie bereits im Südkreis angekommen sind, ist fraglich. ▪

MEINERZHAGEN ▪ Der Luchs ist eine Großkatze, er kann mehr als 25 Kilogramm auf die Waage bringen und bis zu 1,20 Meter lang werden. Der letzte Luchs in Westfalen wurde nach historischen Quellen im Jahr 1745 erlegt. Doch die Großkatze scheint zurückzukehren. Und sie könnte bereits im Sauerland angekommen sein.

Die Vermutung, dass sich Luchse im heimischen Raum aufhalten, ist durchaus belegbar. So wurde am 28. Juli 2011 eine Luchs-Weibchen mit zwei Jungen im benachbarten Kreis Olpe beobachtet, das geht aus einer Veröffentlichung von Dr. Ingrid Hucht-Ciorga von der Forschungsstelle für Jagdkunde und Wildschadensverhütung in Bonn hervor. Doch hat der Luchs auch den Märkischen Kreis bereits besiedelt? Das weiß niemand so genau, immerhin gibt es aber einen Hinweis aus dem Plettenberger Raum, wo ein Luchs gesichtet worden sein soll.

Antonius Klein ist einer von mehreren von der Forschungsstelle „Luchs“ geschulten „Luchsberatern“ in NRW. Der Olper und seine Kollegen warten nun auf weitere Hinweise auf die scheuen Großkatzen aus dem Märkischen Kreis, beispielsweise aus dem Ebbe. „Der Luchs hat gute Chancen, auch im Sauerland. Im Ebbegebirge leben potenzielle Beutetiere, das ist nicht von der Hand zu weisen“, erläuterte Klein im Gespräch mit der MZ.

Eine aktive Ansiedlung der Luchse durch Aussetzen von Tieren ist momentan allerdings nicht geplant. Klein dazu: „Es wurde beschlossen, das der Natur zu überlassen.“ Und die scheint die Zeit für eine Ausbreitung des Raubtieres für gekommen zu halten. Die Frage ist nur: Wie können Luchse, die im Bereich des Rothaargebirges leben, zum Beispiel ins Ebbe gelangen? Klein: „Das ist eine spannende Entwicklung. Wir überlegen zurzeit, wo der geeignete Einwanderungskorridor liegen könnte.“

Das Problem ist offensichtlich die Biggetalsperre mit dem Biggetal. Da Luchse sehr scheu sind und offene Flächen tunlichst meiden, müssen sie bei ihrem Expansionsdrang geeignete Wege finden, um sich bis in den Märkischen Kreis hinein auszubreiten. Dass hier bereits einzelne Exemplare gesichtet wurden, bedeutet noch nicht, dass das südliche Kreisgebiet schon Heimat einer Population ist. „Aber wir sind gespannt, wie sich das alles weiter entwickelt. Vielleicht haben Jagdausübungsberechtigte ja bereits Tiere gesehen – nicht jeder meldet das dann an uns weiter“, mag auch Klein nicht ausschließen, dass der Luchs schon in heimischen Wäldern angekommen ist.

Dass Wanderer oder Mountainbiker einen Luchs zu Gesicht bekommen, ist allerdings sehr unwahrscheinlich. „Die Tiere sind extrem scheu und sie werden nie ein alltäglicher Anblick“, erklärt Klein. Zum Beutespektrum der Katzen gehört der Mensch übrigens nicht, niemand muss sich also fürchten. Schafe hingegen stehen durchaus auf der „Speisekarte“ des Luchses, ebenso wie Rehe. Übergriffe auf Haustiere sind dennoch eher selten. Dr. Hucht-Ciorga weiß von einem einzigen Fall im Jahr 2010 in Höxter zu berichten, wo Luchse zwei Mutterschafe aus einer Herde töteten.

Im Gefolge des Luchses könnte sich auch die deutliche kleinere aber äußerst wehrhafte Wildkatze wieder in heimischen Wäldern ansiedeln. In Möllmicke bei Wenden wurde laut Antonius Klein ein solches Tier gefangen, das sich in einem Entenstall „bedienen“ wollte. „Beim Wolf sind wir allerdings noch skeptisch, was den heimischen Raum angeht. Da ist eine Ansiedlung noch auszuschließen. Ein Wolf wurde aber bereits im Raum Höxter gesichtet.“ ▪ beil

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