Ein Abend für Literaturfreunde

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Nach dem Vortrag konnte ausgiebig gestöbert werden: Sowohl die Buchhandlung Schmitz als auch die Stadtbücherei hatten einen Büchertisch aufgebau.

MEINERZHAGEN -  Ausgezeichnete Kinder- und Jugendliteratur stand am Montagabend beim ersten literarischen Themenabend am Gymnasium im Mittelpunkt. Die Resonanz war jedoch gering, nur zehn Besucher folgten der Einladung.

Von Petra Schüller

„Wir wollen testen, ob ein literarischer Abend als regelmäßige Veranstaltung auf Interesse stößt“, erklärte Deutschlehrer Christoph Conrad in seiner Begrüßung. Dieser Abend sei nur eine von mehreren Aktionen mit dem Ziel, die Lesefreude von Gymnasiasten auf vielfältige Weise zu fördern. In zwei Wochen findet eine weitere Literaturveranstaltung in der Aula der Schule statt: Am Montag, 15. Juli, stellen die beiden Literaturkennerinnen Evelyn Schmitz und Jessica Alterauge aus der Buchhandlung Schmitz ab 19 Uhr ihre aktuellen Favoriten der Kinder- und Jugendliteratur vor. „Dann werden hier vorne Sessel stehen und wir wollen auch einige Passagen aus den Bücher vorlesen“, machte Conrad neugierig.

Bevor die Referentin Dr. Jana Mikota von der Universität Siegen am Montagabend einige der für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2013 nominierten Titel vorstellte, ging sie zunächst auf die Bedeutung des Preises ein. „Er ist der einzige Staatspreis für Literatur in Deutschland und einer der bedeutendsten Preise für Autoren“, so die Expertin. Dennoch werde er nur in der Fachwelt wahrgenommen. Oftmals schreckten Eltern sogar davor zurück, die Buchtitel zu verschenken aus Angst, den Kindern zu anspruchvolle Literatur zuzumuten. Die Referentin machte deutlich, wie sich der Blick auf die Literatur gewandelt hat. „In den 50er Jahren waren Comics in der Literaturkritik geächtet, mittlerweile werden sie fast schon geadelt“, gab sie ein Beispiel. In diesem Jahr habe die Wahl der Jury einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Grund: Die meisten nominierten Werke seien internationaler Herkunft und wurden ins Deutsche übersetzt.

Die Chancen, die gute Literatur Kindern bietet, brachte Dr. Mikota in einem Zitat von Erich Kästner zum Ausdruck, der einmal schrieb: „Wenn ein Kind lesen gelernt hat und gerne liest, entdeckt und erobert es eine zweite Welt, das Reich der Buchstaben. Das Land des Lesens ist ein geheimnisvoller, unendlicher Erdteil. Aus Druckerschwärze entstehen Dinge, Menschen, Geister und Götter, die man sonst nicht sehen könnte.“ Das Zitat endet mit den Worten: „Wer lesen kann hat ein zweites Paar Augen, und er muss nur aufpassen, dass er sich dabei das erste Paar nicht verdirbt.“

Dr. Mikota nannte auch Kriterien, die ein guter Text erfüllen sollte. Dann skizzierte sie den Inhalt einiger nominierter Bücher. Dazu zählte im Bereich Kinderliteratur etwa das Buch „Tommy Mütze“, in dem es um das Anderssein geht. Mit rund 650 Seiten ein echter Schmöker sei das Kinderbuch „Die wilden Piroggenpiraten“. Von der süßen Mohnschnecke bis zu ihrem Verehrer Geck Hörnchen handele es sich bei allen Hauptfiguren um Gebäck. „Ein Buch das Kindern Spaß macht, zugleich aber hoch gesellschaftskritisch ist“, so Dr. Mikota. Einen wahren Sog entfalte beim Lesen „Zorgamazoo“ von Robert Paul Weston. Das Buch sei sprachlich großartig und gehöre zu den wenigen, die in Versform geschrieben seien.

Im Bereich der Jugendliteratur nannte Dr. Mikota den Titel „Elefanten sieht man nicht“ als ihren persönlichen Favoriten. „Das Buch ist auch bei unseren Studenten besonders beliebt“, erzählte sie. Die Geschichte greift das schwierige Thema Missbrauch auf sehr ungewöhnliche Weise auf. Auch die Bücher „Abzählen“ von Tamta Melaschwili, „Meine Schwester ist eine Mönchsrobbe“ von Christian Frascella oder „Wer hat Angst vor Jasper Jones?“ von Craig Silvey gehören zu den Titeln, die in der Sparte Jugendliteratur nominiert wurden. Nach dem Vortrag hatten die Besucher Gelegenheit, ausgiebig zu stöbern: Sowohl Karin Leßmeier von der Stadtbücherei als auch Evelyn Schmitz hatten einen Büchertisch aufgebaut und gaben gerne Tipps bei der Literaturwahl.

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