Humorvolle Sicht auf den Schöpfer

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Dozentin Marion Görnig und ein Teil der VHS-Geschichtenschmiede: Annette Kaufmann, Heidrun Mansch, Marion Pletzer, Bärbel Wengenroth und Werner Sinnwell.

Valbert - Dass in der Kapelle des evangelischen Tagungszentums Haus Nordhelle literarische Lesungen stattfinden, ist außergewöhnlich. Zum Thema, das in der Geschichtenschmiede der VHS Volmetal bearbeitet worden war, passte dieser Veranstaltungsort allerdings ausgezeichnet. Schließlich stand diesmal „der liebe Gott“ im Mittelpunkt.

Schon Altmeister Kurt Tucholsky hatte in den 1920er-Jahren befürchtet, dass dieser bei der ganzen Weltgeschichte allmählich den Überblick über seine Schöpfung verliert und spöttisch über seinen Tagesablauf spekuliert. Das hatte die Geschichtenschmiede unter der Leitung von Dozentin Marion Görnig in der heutigen, ebenfalls turbulenten Zeit dazu veranlasst, wieder einmal nach dem „alten Herrn“ zu schauen und sich über den himmlischen Stand der Dinge zu informieren. Wie sich diese Begegnungen gestalteten, berichteten sie am Freitagabend.

Heike Steinbach stimmte mit dem Text von Barbara Hoos „Beten hilft! Meistens!“ auf das Thema ein. Werner Sinnwell hatte sich, nachdem es mit der telefonischen Kontaktaufnahme nicht geklappt hatte, dazu entschlossen, einen „Brief an den lieben Gott“ zu schreiben, in dem er unter anderem feststellt, dass die Menschen nach dem Diebstahl von Obst – der ersten Grenzüberschreitung – und der darauf folgenden Ausweisung und Abschiebung nun mit der Freiheit nicht zurechtkommen.

Im Text von Martina Schnerr-Bille zeigt „der Mann auf der Couch“ eine deutliche Überforderung in seinem Beruf, die sich auch ins Private auswirkt. Den vielleicht heilenden Rückzug in eins seiner zahlreichen Häuser will er aber auch nicht antreten, denn da ziehe es immer ein wenig und rieche zuweilen auch ein wenig muffig. Aber manchmal sei es ja auch gut, „wenn man einfach einmal darüber gesprochen hat“.

Weniger gut geht die Sache mit dem alten Herrn, der seine besten Tage bereits hinter sich hat und per Computerspiel einige Verwirrung in den Weltreligionen stiftet, in der Geschichte von Marion Pletzer aus. Denn dort erfüllt sich „die Prophezeiung“ der Maya für 2012.

Anette Kaufmann dagegen hatte mit dem äußerst kompetenten Engel Angela ein wirksames Gegenmittel für den „Burnout“ des „alten Herrn“ ersonnen: „Halleluja, es gibt im Himmel eine Frau, die die Fäden in der Hand hält!“

Aber manchmal hat der liebe Gott auch alle Hände voll zu tun, die Vitaminversorgung der Menschen sicherzustellen – oder er ist geradezu zwanghaft mit dem Aktenstudium beschäftigt, wie in den Geschichten von Bärbel Wengenroth und Heidrun Mansch. Und wenn es um seine Nachfolge und „die Zukunft des Himmels“ geht, mit der sich Georg Luckmann beschäftigt hatte, hat auch Luzifer wieder seine Hände im Spiel und Petrus hört erneut das heisere Krähen eines alten Hahns.

Die Zuhörer amüsierten sich köstlich über den Einfallsreichtum der Autoren und spendeten ihrer Erzählkunst viel Applaus. Den bekam in der Kapelle des Hauses Nordhelle auch Johanna Hawlina, die der Lesung mit ihrem Geigenspiel einen musikalischen Rahmen verlieh.

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