Kanoniere aus dem Listertal

Den Schuss gut gesetzt

Kanoniere aus dem Listertal
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Die Kanoniere aus dem Listertal haben sich an der 6. Europameisterschaft der Leichten Feldartillerie beteiligt. Auf dem Bild (von links) Jutta Groll, Michael Groll, Fred Heckert und Martin Marzinek.

Zielsicher zeigten sich Jutta und Michael Groll bei der 6. Europameisterschaft der Leichten Feldartillerie.

Hunswinkel - Jutta Groll kam bei ihren Schüssen mit der „Scharfen Siglinde“ über die Distanz von 100 Metern ohne Visierung auf 290 Ringe. Damit landete sie auf einem ausgezeichneten 2. Platz. Da mochte ihr Mann Michael nicht nachstehen. Auch er richtete mit dem kleinen Listertaler Team die Kanone präzise auf die Zieltafel aus. Beim Wettbewerb über 200 Meter ohne Visierung schaffte er so 100 Ringe. Das bedeutete ebenfalls Platz 2.

Die heimischen Kanoniere wurden im Jahr 2002 von Michael Groll und Harald Lüsebrink gegründet. Heute mischen neben Michael und Jutta Groll noch Fred Heckert und Martin Marzinek aktiv in der Abteilung des Schützenvereins „Zur Listertalsperre“ mit. Entsprechend zählen sie zum festen Bestandteil des Hunswinkeler Schützenfestes. Auf dem Damm neben dem Festplatz schlagen die Kanoniere ihr mittelalterlich gestaltetes Quartier auf und verkünden mit Böllerschüssen aus zwei Kanonen alle wichtigen Festereignisse.

Wie den Schützen, geht es den Kanonieren um die Brauchtumspflege. Im Mittelpunkt steht dabei das Büchsenmacher-Handwerk aus dem 13. bis 19. Jahrhundert. Ihre Einsätze absolvieren sie in einer Bekleidung, die den alten Vorbildern nachempfunden ist. So auch bei der 6. Europameisterschaft der Leichten Feldartillerie vom 17. bis zum 19. Juni auf dem Sondershäuser Dickkopf, einem Bundeswehr-Übungsplatz in Thüringen.

Natürlich beeinflussten die Folgen der Corona-Pandemie auch den Wettbewerb der Freizeit-Kanoniere. Letztes Jahr fiel das Treffen aus. Und auch dieses Jahr musste der ausrichtende Verband Deutscher Schwarzpulver Kanoniere lange Zeit um den Termin bangen – erst wenige Tage vor dem Wettbewerb gab das Land Thüringen grünes Licht. Die Schützen aus Belgien, der Schweiz, Schweden, Norwegen und England blieben wegen Corona fast alle außen vor.

Dennoch nahmen rund 150 Feldartillerie-Freunde an dem Zeltlager teil – darunter fast 100 aktive Schützinnen und Schützen. „Die Freude bei uns allen war groß, sich nach zwei Jahren gesund wieder zu sehen“, berichtet Jutta Groll. Das Lagerleben in den Zelten und mit den historischen Kostümen hat den Listertalern viel Spaß gemacht. Hinzu kamen durch Jutta und Michael Groll noch die sportlichen Erfolge, die mit zwei schmucken Urkunden belohnt wurden.

Dabei spielte natürlich das ganze Team eine wichtige Rolle, denn gemeinsam wird die Kanone exakt auf die 80 mal 80 Zentimeter große Zieltafel ausgerichtet. Bringt dann gleich der erste Schuss eine hohe Ringzahl, ist die Freude bei allen riesengroß. Die „Scharfe Siglinde“ ist übrigens der Nachbau einer Kanone, wie sie vor dem Jahr 1870 im Heer bei der Feldartillerie zu finden war. Sie kommt nur während der Wettbewerbe zum Einsatz.

Die nächste Europameisterschaft der Leichten Feldartillerie soll im kommenden Jahr vom 16. bis zum 18. Juni 2022 stattfinden. Der ausrichtende Verband mit Sitz auf Burg Allstedt in Sachsen-Anhalt hofft, dass dann die Teilnahme der Schützen aus dem benachbarten Ausland wieder möglich ist. „Darauf freuen wir uns schon riesig“, sagt Michael Groll. Und noch einen Wunsch haben die begeisterten Kanoniere: Sie möchten 2022 nach Corona endlich wieder ein Schützenfest in Hunswinkel mitfeiern können.

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