Das „Listerkind“ schwimmt

Unverkennbar für Else: ihr roter Badeanzug und die Blümchenbadekappe.

Hunswinkel -  Viele werden sich an Else Mourmaux erinnern, war sie doch ein „Listerkind“. „Ein Unikum in Tat und Wort“, beschreibt Nicole Mourmaux liebevoll. Else Mourmaux lebte in Hunswinkel an der Lister, doch eines konnte sie nicht: Schwimmen. „Als ich mit meinen Töchtern zum Schwimmen wollte, sagte sie ‚Wenn ich auch nichts bereue, aber dass ich nie schwimmen gelernt habe, das bedaure ich’“, erinnert sich Nicole Mourmaux an ihre Stiefmutter, die 2008 mit fast 86 Jahren verstarb. Und doch: Vor ein paar Monaten hat Else es endlich gewagt – ein Sprung vom Listersteg ins Wasser. „Als ich die etwas dickliche Frau mit Blümchenbadekappe und Badeanzug malte, da wusste ich, dass ich Else endlich schwimmen lasse“, erzählt Nicole Mourmaux.

Viele Aquarellbilder sind in den letzten Monaten entstanden. Im Mittelpunkt: Else – die mollige Dame mit der Flatterblümchenbadekappe. Mitteilungsbedürftig zeigt sie sich auf einigen ihrer Portraits, gibt Tipps und Ratschläge in Gedichtform, regt mit erhobenem Zeigefinger auch zum Nachdenken an. Auch hier gibt es eine Verbindung zum Original, denn für ihre Wortgewandtheit, ihre Dönekes und Gedichte, die sie gern im Plattdeutschen Kreis vortrug, war Else Mourmaux beliebt und bekannt.

Als Elsa von Brabant machte sie sich ebenfalls einen Namen. „Sie fühlte sich animiert, den Namen der belgischen Provinz, aus der die Familie meines Vaters stammte, für sich zu beanspruchen“, erinnert sich Nicole Mourmaux an ihre Tante, die für sie zur Stiefmutter wurde, nachdem ihre Mutter starb als die heute 47-Jährige neun Jahre alt war und ihr Vater die Schwägerin heiratete. „Dich hat der liebe Gott für mich verwahrt, habe ich als Kind zu ihr gesagt, und sie war auch tatsächlich der wichtigste Mensch für mich, und ich glaube, ich war auch ihr wichtigster Mensch“, erinnert sich die Hunswinklerin. „Uns verband eine temperamentvolle Liebe“, beschreibt Nicole Mourmaux und freut sich heute, wenn jemand sagt „Du bist wie Else“.

Das gilt vielleicht auch für die Begeisterung für Gedichte. Auch gemalt habe sie immer schon gern, sagt die 47-Jährige.

Else Mourmaux altes Wohnzimmer wurde nach ihrem Tod zu Nicole Mourmaux Werkstatt und atmet dabei den Charme vergangener Zeiten. Pinsel und Farben stehen auf dem eleganten Kirschbaumsekretär, den 1892 der Hunswinkler Stellmacher baute. Passend dazu: die Stühle aus dunklem Kirschbaum und das blümchengemusterte alte Sofa. In dem kleinen Zimmer mit Spinnrad und Kuckucksuhr scheint die Zeit stehen geblieben. Nicole Mourmaux lächelt: „Und wenn die Sonne ins Zimmer scheint, riecht es auch nach Else.“

Im vergangenen Spätsommer stellt die Zahntechnikerin ihre Malsachen weg – aus Zeitgründen. Solange, bis ihre Tochter einen „Eilauftrag“ für sie hat: Bilder für den Gasthof Kalberschnacke. Landschaften und Blumen folgen Elses erste Schwimmstunden. Ein Sprung ins kalte Wasser, der nicht ohne Folgen bleibt. Nicole Mourmaux stellt ihre Bilder auf dem Herbstmarkt in der Kalberschnacke aus und ist von der positiven Resonanz „total überrollt“. Dass sich das „Listerkind“ Else am Ufer der geliebten Talsperre zum ersten Mal im roten Badeanzug zeigt, scheint dabei nur logisch. Auf allen Else-Bildern dabei: Der kleine Eisvogel, der oft im Garten der Familie anzutreffen ist. Nicole Mourmaux nennt ihn Paula – nach ihrer Mutter.

Den Namen Listerkinder hat sich Nicole Mourmaux inzwischen patentieren lassen, und innerhalb kürzester Zeit vieles in Bewegung gesetzt. Sie beherzigte die Tipps ihrer Freundin Jane und ihrer Arbeitskollegin und ließ Kissen, Decken, Pullover und T-Shirts mit den Lister-Koordinaten 51˚5’N, 7˚50’O besticken. Über ihre Ideen ist die dreifache Mutter selbst überrascht. Postkarten und ein Kinderbuch könnte es bald geben. Ihre Bilder wurden inzwischen im Gasthof Höll ausgestellt und auf dem Campingplatz Kalberschnacke. Deren Besitzer wollen sie auch auf der Campingmesse vorstellen.

Insgesamt 30 Else-Bilder sind inzwischen entstanden. „Wahrscheinlich sind sie keine künstlerischen Höchstleistungen, aber ich male mit Herz“, meint Nicole Mourmaux und der Betrachter spürt das schnell. Originale von der Lister – so wie Else Mourmaux selbst ein Original war. „Wir beide sind Sauerländer – vom Kopp bis anne Schochen“, schmunzelt die Hunswinklerin. Wie sich ihre Else-Bilder entwickeln, darauf ist sie selbst gespannt. Nur soviel steht für Nicole Mourmaux fest: „Auch wenn Else nie geschwommen ist – zugetraut hätte ich es ihr.“

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