Arbeiten an der Lister-Talsperre

Fugen der Lister-Sperrmauer werden erneuert

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Die Sperrmauer, welche die beiden Talsperren Bigge und Lister trennt, ist mehr als 100 Jahre alt. Vor zwei Jahren wurden die Fugen zwischen den Bruchsteinen auf einer Seite erneuert, jetzt ist die andere an der Reihe.

Meinerzhagen – Talsperren sind riesige Wasserreservoire. Wenn, so wie in den vergangenen Jahren, die Sommermonate heißer und trockener werden und weniger „Wasser von oben“ auf die Erde fällt, sind sie wichtiger denn je.

Die heimische Listertalsperre ist eine der ältesten Talsperren des Sauerlandes. Ihre Staumauer ist über 100 Jahre alt. Ein Bauwerk für die Ewigkeit. Doch was ewig Bestand haben soll, muss gepflegt werden. 

Die Jahre, in denen das gewaltige Mauerwerk nun schon Wassermassen und Witterungsschwankungen standhalten muss, sind nicht spurlos geblieben. Dem natürlichen Alterungsprozess soll entgegengewirkt werden. Auf der Biggeseite wurden daher in den letzten Jahren bereits in mehreren aufwendigen Sanierungsaktionen die Fugen zwischen den Bruchsteinen erneuert. Rund eine Million Euro hat der Ruhrverband dafür investiert. Jetzt ist die gegenüberliegende Seite an der Reihe. Während sich noch vor zwei Jahren ein sechsstöckiges Gerüst vor der Mauer auftürmte, ist die Baustelle nun eine Nummer kleiner. Die Arbeiten seien bei Weitem nicht so umfangreich, bestätigt auch Projektleiter Stefan Klahn. 

Fugen werden aufgestemmt

Das Prozedere aber bleibt gleich: Mit elektrischen Bohrhämmern werden die Fugen des Mauerwerks mindestens fünf Zentimeter ausgestemmt und dann wieder mit neuer Masse aufgefüllt. In einem speziellen Trockenspritzverfahren wird mineralischer Mörtel mit hohem Druck und dadurch möglichst komprimiert und dicht in die Fugen gepresst. „Wichtig ist, dass alles dicht ist“, erklärt der stellvertretende Leiter des Talsperrenbetriebes Süd. Auch Steine, die sich in den vergangenen Jahrzehnten etwas gelockert haben, werden daher ersetzt. Aber auch das ist nicht in solch einem Maße notwendig wie bei den Bauabschnitten auf der anderen Seite der Mauer. 

Die Arbeiten werden von einem Gerüst aus durchgeführt, das in die Überlaufbögen der Talsperre eingehängt wurde. Die Mauerkrone bleibt von den Arbeiten ungerührt, auf dem Gehweg der Mauer gibt es keine Einschränkungen. Spaziergänger können hier ungehindert flanieren. Zwar hat die Trinkwasserversorgung für den Ruhrverband oberste Priorität, den Erholungsfaktor, den die heimische Talsperre bekanntermaßen auch bietet, haben die Verantwortlichen dennoch nicht außer Acht gelassen. Dass man mit den Arbeiten erst nach dem Sommer begonnen habe, sei bauwirtschaftlich die zweitbeste Lösung, sagt Stefan Klahn. Das Wetter sei im Sommer natürlich besser, „je später es im Jahr wird, desto schwieriger wird es mit der Witterung“, so der Ingenieur. Während der Pandemie habe man aber bewusst darauf verzichtet, die Arbeiten in die Sommermonate zu legen. „Wenn die Leute schon nicht verreisen konnten, sollten sie wenigstens die Talsperre nutzen können.“

Wasserspiegel wird gesenkt

Für die Sanierung unabdingbar: die Absenkung des Wasserspiegels um 4,50 Meter. 15,5 Millionen Kubikmeter Wasser befinden sich aber nach wie vor im großen „Becken“. Auch wenn im Hunswinkeler Bereich derzeit Ebbe herrscht: Zu Dreiviertel sei die Talsperre noch gefüllt, versichert Stefan Klahn. Um für die trockenen Sommer genügend Wasserreserven vorhalten zu können, sei es auch nicht sinnvoll, Bauarbeiten dieser Art im Frühjahr durchzuführen. „Wenn es dann nicht regnet, wird die Talsperre ja nicht mehr voll.“ Erhalt der Bausubstanz und Wasserbewirtschaftung – zwei Aspekte, die für den Ruhrverband entscheidend sind und die er in Einklang bringen muss.

Fremd sei der Anblick, der sich derzeit an den Ufern des Gewässers und in Hunswinkel bietet, Anwohnern und Ausflüglern nicht, weist der Projektleiter auf die Absenkung des Wasserspiegels hin, die auch dann notwendig ist, wenn das Wachstum der Wasserpest eingedämmt werden soll. Den Schwankungen der Stauhöhe und den Einflüssen der Natur unterliege eben auch die Sperrmauer, nennt der Projektleiter des Ruhrverbandes den Grund für die notwendigen Sanierungsarbeiten. 

Wasserkörper als Wärmemantel

Umwelteinflüsse und thermische Belastungen wie Frost setzen dem Mauerwerk mehr als ein Jahrhundert zu. Unter Wasser ist die Belastung dabei geringer. „Der Wasserkörper wirkt wie ein Wärmemantel“, erklärt Klahn. Frost könne der Mauer in diesem Bereich nicht schaden, auch Pflanzenbewuchs gebe es nicht. Der Bereich, der dem Wasserwechsel ausgesetzt sei, sei dagegen empfindlicher. Ab Mitte November wird sich der Wasserstand der Lister auf natürliche Weise wieder verändern. Dann sollen die Arbeiten laut Zeitplan beendet sein und es kann – sofern es regnet – wieder aufgestaut werden. 

Genauso wie auf der Biggeseite erfolgt auch im Bereich der Lister die Mauersanierung in mehreren Abschnitten. Der hintere, ebenfalls etwa 80 Meter lange Teil der Mauer soll planmäßig im nächsten Jahr der gleichen Maßnahme unterzogen werden, um dem Alterungsprozess entgegenzuwirken. Auch der Turm muss noch saniert werden. 100 000 Euro wurden für den ersten Teil der Arbeiten investiert. Zumindest in den letzten 30 bis 40 Jahren sei eine so umfangreiche Erhaltungsmaßnahme dieser Art nicht durchgeführt worden, weiß Stefan Klahn. Umso wichtiger sei diese daher, um das mächtige Bauwerk zu erhalten. Bei der Sperrmauer sei es nicht anders als bei einem gewöhnlichen Gebäude. „Wenn man lange nichts macht, rächt sich das irgendwann.“

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