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Explodierende Energiekosten: Nachbar-Dorf hat zündende Idee

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Von: Göran Isleib

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Mann öffnet Ofen
Achim Rumpel hat die Tür zum „Allerheiligsten“ geöffnet. Drinnen herrschen Temperaturen um die 800 Grad Celsius. © Göran Isleib

Auf überwiegend positives Echo stießen die Pläne des neuen Klimaschutzministers Robert Habeck, den Ausbau der erneuerbaren Energien zu beschleunigen. Neben dem Ausbau der sogenannten Erneuerbaren, geht es bei der im Fokus stehenden Energiewende aber auch um das große Thema Nachhaltigkeit und dabei letztlich darum, CO2 einzusparen. Das kann man mit verschiedenerlei Mitteln erreichen. Wie zum Beispiel? Das in der Nachbarschaft Meinerzhagen befindliche Dörfchen Lieberhausen zeigt es.

Meinerzhagen - Wenn man global denkt, aber lokal handelt – beflügelt von dieser Idee waren die Bürgerinnen und Bürger in Lieberhausen. Nicht heute, nicht gestern, sondern bereits vor mehr als 20 Jahren – weise vorausschauend, wenn man sich die Entwicklung auf dem Energiesektor ansieht.

„Wir haben den Preis für die Mitglieder im vergangenen Jahr um 9,2 Prozent gesenkt“, freut sich Bernd Rosenbauer von der Energiegenossenschaft Lieberhausen. Das kleine Dorf in unmittelbarer Nachbarschaft zu Meinerzhagen hat vor rund 21 Jahren ein Holzhackschnitzelheizwerk in genossenschaftlicher Form aus dem Boden gestampft. Seitdem werden 91 der insgesamt 104 Häuser mit Wärme und Warmwasser aus der Anlage versorgt, und zwar klimaneutral, denn verbrannt wird im Heizwerk ausschließlich Holz als nachwachsender Rohstoff.

Mann prüft Förderband
Im oberen Bereich des Förderturms prüft Achim Rumpel, ob das Brenngut einwandfrei transportiert wird. © Göran Isleib

„Vor der Preissenkung waren wir allerdings auf einem recht hohen Preisniveau, das sich etwa am Preis für Öl und Gas orientierte“, erklärt Bernd Rosenbauer. „Wir wollten aber ein Zeichen setzen und haben deshalb den Preis gesenkt.“ Wie das geht? Der Fachmann von Wald-und- Holz.NRW erklärt: „Natürlich spielt uns derzeit die preisgünstige Fichte in die Karten, aber innerhalb des Holzclusters Märkisches Land haben wir einen Vertrag bis zum 31. März 2023.“ Was danach kommt und wie dann die weitere (Preis-)Entwicklung aussieht, vermag auch Bernd Rosenbauer nicht einzuschätzen. Alles in allem aber ist die Genossenschaft mit der Lieberhausener Anlage sehr zufrieden. Das Heizkraftwerk sei sehr robust und unempfindlich. Während andere Anlagen, die mit einem sogenannten Schneckentrieb ausgerüstet sind, empfindlich auf Holz mit zu hoher Restfeuchte reagierten, mache das dem Werk in Lieberhausen durch die Verwendung eines Vorschubrostes so gut wie nichts aus. Das Lieberhausener Nahwärmenetz verteilt die Wärme der Anlage innerhalb der Ortschaft und an die Hausübergabeanschlüsse mit Wärme für die Heizung und Brauchwasser.

Radlader für Hackschnitzel
Mit einem gigantisch großen Radlader werden die Hackschnitzel von diesem Lager aus zu den Bunkern transportiert. © Göran Isleib

Das Holzhackschnitzel-Heizwerk läuft automatisch mit der bereits erwähnten Vorschubrostfeuerung. Eben dies ermöglicht die Verfeuerung von Holz mit einer höheren Restfeuchte. Um den Wirkungsgrad der Anlage jedoch um etwa 70 Prozent zu verbessern, wird das angelieferte Holz in der eigens dafür errichteten Lagerhalle vorgetrocknet. Da hinein passen rund 3600 Schüttraummeter. In sechs bis acht Wochen ist das Holz dann soweit getrocknet, um verfeuert zu werden.

Mann öffnet Tür zur Fördereinrichtung
Hinter dieser Tür verbirgt sich eine Fördereinrichtung. Dort werden verbrannte Überreste gesammelt. © Göran Isleib

Befeuert wird die Anlage in Lieberhausen mit dem aus der Region stammenden Rohstoff Holz. Das Material setzt sich zu 80 Prozent aus Waldhackschnitzel und etwa 20 Prozent Restholz aus Sägewerken sowie Hackschnitzel aus Hölzern aus der Landschaftspflege zusammen.

Neben der Holzhackschnitzelheizung, die immerhin 970 kW liefert, gibt es von der Energiegenossenschaft Lieberhausen auch eine eigens betriebene Fotovoltaikanlage mit einer Leistung von 50,4 kWp.

Das Resultat der Anstrengungen kann sich durchaus sehen lassen: Allein die Deckung des Wärmebedarfs (Heizung und Warmwasser) des Gummersbacher Ortsteils wird zu 100 Prozent aus Biomasse gewährleistet.

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