Die letzten Kriegstage in Valbert

+
Sascha Michels recherchierte die Dokumentation über Valbert und die Nordhelle zum Ende des Krieges. ▪

VALBERT ▪ Reich bebildert kommt ein 90-seitiges Büchlein daher, das sich mit den hiesigen Ereignissen der letzten Kriegstage befasst.

„Eine Dokumentation über Valbert und die Nordhelle zum Ende des 2. Weltkriegs“ titelt das Bändchen.

Nach umfangreicher Recherche, Sichtung alter Unterlagen, Fotos, Luftbildaufnahmen und Kartenmaterial hat Sascha Michels darin seine Erkenntnisse zusammengetragen. Auch wiedergegebene Berichte von Zeitzeugen vermitteln einen Eindruck von örtlichen Kampfhandlungen, Bombenabwürfen und dem Chaos eines ungeordneten Rückzugs ohne Nachschub an Verpflegung, Munition oder Treibstoff. So ist nachzulesen, dass am Weg von der Nordhelle nach Valbert und auch im Ort selbst verlassene, zum Teil gesprengte Wehrmachtsfahrzeuge standen. Vom Jägerleitstand auf der Nordhelle, die militärisches Sperrgebiet war, blieb nach dem Einmarsch der Amerikaner nicht mehr viel übrig. Uniformen, Abzeichen, Waffen, Fotos, Dokumente und andere verräterische Gegenstände wurden von den Soldaten häufig weggeworfen, verbrannt oder vergraben.

Der gebürtige Valberter Sascha Michels interessiert sich vorrangig für die Geschichte des Mittelalters und der Römerzeit. „In enger Zusammenarbeit mit der LWL-Archäologie für Westfalen – Außenstelle Olpe – und der Unteren Denkmalbehörde Meinerzhagen ist es mir erlaubt, mit meinem Metalldetektor in genehmigten Bereichen zu suchen und Grabungen durchzuführen“, erläutert der 36-Jährige seine Passion. Die hat ihm auf der Nordhelle neben viel Schrott auch manchen interessanten Fund gebracht. Unterstützt durch originale Luftbildaufnahmen, die er von Verwaltungsstellen in England oder Washington D.C. bekam, waren Infrastruktur, Gebäudeanordungen, Wasserbehälter, Laufgräben und Schützenlöcher gut aufzufinden. Relikte wie der Brunnen am Auerhahnweg sind noch heute in Funktion.

Mit großem Zeit- und Arbeitsaufwand hat der im Schatten der evangelischen Kirche selbständig tätige Kfz-Mechaniker so Spuren der Vergangenheit und Heimatgeschichte gesichert. Fotos von der ersten Maibaumsetzung 1939 etwa, wo die Bevölkerung im geschmückten Dorf den 1. Mai gebührend feierte. Oder Reste von Messgeräten, elektrischen Anschlüssen und anderen Gerätschaften, die der Überwachung der Fliegereinsätze dienten; sogar von Gasmasken. Und wer weiß noch, dass zumeist Wehrmachtshelferinnen und so genannte Blitzmädchen hinter dem Ort Eseloh und im abgeschirmten „Dorf“ auf der Nordhelle die Arbeitsplätze der Soldaten einnahmen, die zur Front geschickt wurden?

Wie unterentwickelt das Geschichtsverständnis ist, zeigte sich jetzt, als es ob des in der Dorfbäckerei Berghaus ausgelegten Buches heftigste Kritik hagelte: Ob man nun Werbung für die NPD mache? Die Dokumentation in der ersten Auflage von 50 Stück ist beim Autor und in der MZ-Geschäftsstelle erhältlich. ▪ as

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare