Valberter Autorin Heidrun Funke liest

Die Valberter Autorin Heidrun Funke las aus ihrer neuen Erzählung „Zwischen Schulbank, Feld und Lustbarkeit“. - Fotos: Schüller

VALBERT - „Der Schulmeister lehrte mit fester Hand und geizte nicht mit der Verwendung des Stockes, so wie es in jenen Tagen für eine gedeihliche Erziehung erforderlich schien“, beschreibt die Valberter Autorin Heidrun Funke in ihrer neuen Erzählung „Zwischen Schulbank, Feld und Lustbarkeit“ das Ungemach, das den Schülern Anfang des 19. Jahrhunderts und auch noch viele Jahrzehnte später im Klassenzimmer drohte.

Von Petra Schüller

So bringe das alte Sprichwort „An der Rute sparen, rächt sich nach Jahren“ eine damals weit verbreitete Annahme zum Ausdruck. „Nur auf diese Weise vermutete man eine gesunde Entwicklung des Kindes,“ so Funke. Die Autorin hatte für Donnerstagabend zu ihrer dritten historischen Lesung in Valbert in den Landgasthof Haus Eckern in Möllsiepen eingeladen. Rund 40 Interessierte ließen sich bereitwillig 200 Jahre in die Vergangenheit zurückversetzen - in „eine Zeit, die in Valbert von Armut, Mangel sowie hohem Alkoholkonsum geprägt war.“ Für die visuelle Untermalung sorgte der Vorsitzende des Heimatvereins Christian Voswinkel, der historische Fotos aus Valbert zeigte. Die rund 90 Jahre alten Bilder aus dem Ebbedorf dokumentierten eindrücklich das einfache karge Leben in früherer Zeit.

So rau der Umgang mit den Kindern vor 200 Jahren, so karg und entbehrungsreich waren die Lebensumstände der Valberter. Heidrun Funke: „Die engen, stickigen Häuser, in denen Mensch und Tier nahe beieinander lebten, boten den Kindern (…) keine größere Freiheit, zumal der Alkohol oftmals rohe Sitten bescherte.“ Auch die olfaktorischer Hinsicht gab es einiges zu ertragen: „Die ungeweißten Wände und der gestampfte Lehmboden speicherten die Ausdünstungen der darin wohnenden Geschöpfe. Die oft vielköpfigen Familien sowie das Vieh schwängerten die Luft mit üblen Gerüchen und allenthalben regierten Dreck und Unrat. Allein deswegen achteten die Lehrer vorzugsweise auf Reinlichkeit.“

Die Erzählung, die den Zuhörern anhand einer fiktiven Valberter Familie Einblicke in das karge Leben gab, warf Schlaglichter auf das Thema Schule im historischen Ebbedorf. Aufgrund der großen Armut „fehlte oftmals das Geld für das Valberter Schulhaus“, so Funke. „Reparaturen konnten über Jahrzehnte hinweg nicht bezahlt werden.“ In den „Nebenschulen“ in Hunswinkel, Rinkscheid und Hardenberg habe es zunächst kein eigenes Schulgebäude gegeben, „weshalb von einfachen ,Ackermännern’, die nur eine mäßige Bildung genossen, Unterricht in den Familienstuben der Höfe gehalten wurde.“ Die Bauern hätten das Schulgeld von eineinhalb Stübern pro Kind und Woche oft nicht aufbringen können, „was sich massiv auf die Einkünfte des Lehrers auswirkte.“ Oft behielten die Eltern ihre Kinder zu Hause, da sie bei der Arbeit auf dem Hof gebraucht wurden. Einige von ihnen seien nur in den Wintermonaten zur Schule gegangen. Das erste Valberter Schulhaus stand wohl gegenüber des „Vedderschen Hauses“ im Lüsebrinkschen Garten, also in der Nähe des heutigen Denkmalsplatzes, erklärte die Autorin. Das Gebäude wurde im April 1885 ein Raub der Flammen. Heidrun Funke hat sich durch zahlreiche heimatgeschichtliche Erzählungen bereits einen Namen gemacht. Die Besucher hatten am Donnerstag Gelegenheit die Hefte, die bis zu 65 Seiten stark sind, zu erstehen. Unterstützt wurde die Autorin bei ihren Recherchen durch Christian Voswinkel, beim Vorlesen durch Erika Stachowski.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare