Konzentriertes Arbeiten in der „Werkstatt 5“

Der aufgestellte Stab ist ein „Melder“. Er signalisiert der Lehrerin, dass der Schüler ihre Hilfe benötigt. - Fotos: Negel-Täuber

Meinerzhagen - Im Sammlungsraum herrscht ein gedämpfter, aber deutlich hörbarer Geräuschpegel. Deutlich leiser geht es dagegen auf den Fluren und in den Klassenräumen zu, obwohl alle Türen offen stehen. Seit Schuljahrsbeginn verwandelt sich der Unterrichtstrakt des fünften Jahrgangs jeden Morgen in eine Lernwerkstatt – die „Werkstatt 5“.

Von Birgitta Negel-Täuber

„Wir haben vor anderthalb Jahren im Kollegium einen Visionsworkshop durchgeführt,“ erläutert Sven Dombrowski, Schulleiter des Evangelischen Gymnasiums. „Dabei standen zwei Fragen im Mittelpunkt: Wie steigern wir die Konzentrationsfähigkeit der Schüler und wie verbessern wir ihr selbstgesteuertes Lernen?“ Klar wurde, dass es dazu konzeptioneller Veränderungen bedurfte – und so wurde ein Modell entwickelt, das, jahrgangsweise aufgebaut, nach und nach sämtliche Jahrgänge umfassen soll. Um erste Erfahrungen zu sammeln, ist die Lernwerkstatt auf die Unterrichtsfächer Deutsch, Mathematik und Religion beschränkt. Hier läuft der Unterricht normal weiter, die Wiederholungs- und Vertiefungsphasen werden aber in die Werkstattstunde, jeweils in der ersten Stunde, verlegt.

Herzstück des Konzepts sind Kisten mit Unterrichtsmaterialien. Jeder Schüler kann sich selbständig die benötigten Arbeitsblätter nehmen und bearbeiten – allein oder in Kleingruppen, in der Klasse, im Sammlungsraum oder auf dem Flur. Die Lehrer führen Aufsicht und achten auf die „Melder“. Jedes Kind hat einen solchen Holzstab und signalisiert dem Lehrer damit, dass es Hilfe benötigt.

Ihre Lernfortschritte dokumentieren die Schüler in Lerntagebüchern. Die werden von den Klassenlehrern kontrolliert. Alle zwei Wochen gibt es dazu ein Schüler-Lehrer-Gespräch, alle vier Wochen eine Jahrgangsstufenversammlung. Die individuelle Förderung, aber auch die Zusammenarbeit der Schüler untereinander soll mit dieser neuen Form des Lernens und Unterrichtens gestärkt werden.

Tests zu den in den Werkstattstunden bearbeiteten Themen gibt es ebenfalls. Da jeder Schüler in seinem eigenen Tempo arbeitet, werden auch diese Tests individuell geschrieben.

Die Vorarbeiten für die Lernwerkstatt waren umfangreich, denn die Lehrer mussten das Unterrichtsmaterial für das gesamte Schuljahr vorproduzieren. Ob sich der Aufwand gelohnt hat, wird die Zukunft zeigen – ein erstes Zwischenfazit wird zum Halbjahresende gezogen, wenn die Zeugniskonferenzen anstehen.

„Alles ist offen,“ meint dazu der kommissarische Erprobungsstufenleiter Heiner Schwarz, „auch die Möglichkeit des Scheiterns.“ Diese Möglichkeit soll aber bestenfalls hypothetisch bleiben. Wenn alles gut geht, wird die Lernwerkstatt im nächsten Jahr auf zwei Stunden ausgeweitet, im Idealfall mischen sich irgendwann die Jahrgänge.

„Dann ergeben sich bei diesem System für die älteren Schüler Freiräume, in denen sie den Jüngeren zur Seite stehen können,“ so Sven Dombrowski.

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