Verärgerung über Ignoranz

Leine oder nicht? Hundehalter nimmt Stellung

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Manchmal geht´s nicht ohne Leine: Dirk Lellwitz und sein Hund Bery.

Meinerzhagen – Eigentlich ist Dirk Lellwitz passionierter Hundehalter und teilt damit mit Millionen anderen Zeitgenossen eine Leidenschaft für die Vierbeiner. Doch Meldungen von Angriffen auf Wild oder sogar Kinder treiben ihn zur Weißglut.

Auch er selbst sei in der Volmestadt bereits mit seinem Tier Leidtragender gewesen. Grund genug für den zweiten Sprecher des Grünen-Ortsverbandes Meinerzhagen, deutlich Stellung zu beziehen. Der Besitzer eines dreijährigen Rüden erinnert etwa an Berichte im Januar, als ein Blindenhund von einem freilaufenden Artgenossen angegriffen und verletzt wurde. 

„Fast gleichzeitig erschien die Meldung, dass zwei Hunde eine Frau mit einem Kleinkind auf dem Arm attackierten. Letzte Woche die Nachricht, dass in Lüdenscheid ein Reh offenbar von einem freilaufenden Hund so schwer verletzt wurde, dass der junge Bock getötet werden musste.“

Er sei dabei zwar gegen eine generelle Anleinpflicht, da Hunde, ihren Anlagen entsprechend, körperlich und geistig gefordert werden müssten. „Wer denkt, dass man einen Hund, der am Ende immer noch ein wildes Tier ist, auf 50 Quadratmetern und an einer zwei Meter langen Leine artgerecht halten kann, der irrt.“ 

Wöchentlich aggressive Konfrontationen

Aber diese Freiheit habe auch Grenzen, sagt Lellwitz. „Mittlerweile geraten mein Hund Bery und ich wöchentlich in aggressive Konfrontationen mit nicht angeleinten Hunden. Trauriger Höhepunkt war, als wir vor drei Wochen von gleich fünf Tieren auf einmal angegangen wurden! Wir haben Bery eineinhalb Jahre. Als er zu Anfang noch unsicher war, hätte das blutig geendet, davon bin ich überzeugt.“ 

Mittlerweile zeige der ehemalige Straßenhund seinen „sozialen Charakter“, Lellwitz bezeichnet ihn als dominant, aber völlig aggressionsfrei. Warum er ihn dennoch immer an der Leine hat? „Noch größer als sein Rückgrat ist sein Jagdtrieb. Der jagt nicht aus Spaß, der jagt zum Erlegen. Vom Eichhörnchen bis zum Reh, sobald der was erspäht, wäre er nicht mehr abzurufen.“

Hundehalter haben sich verändert

Lellwitz sieht in dem Verhalten der Halter tatsächlich eine neuere Entwicklung. „Als wir vor acht Jahren unseren ersten Hund bekamen, war das noch nicht so schlimm. Man traf, wie auch heute, die ewig Unbelehrbaren. Aber die meisten sahen, dass man mit einem Hund kam und leinten ihren dann auch an. Mittlerweile interessiert das kaum einen. Man trifft immer die gleichen Leute, immer wieder gibt es Stress und beim nächsten Mal geht das Spiel von vorne los.“ 

Lellwitz verweist auch auf viele Jogger, die sich zunehmend belästigt fühlen. „Ich finde es schon ziemlich irritierend, wenn man an der Fürwigge dankend darauf angesprochen wird, dass der Hund an der Leine ist und nicht zwischen den Beinen herumläuft.“

Wenig Akzeptanz gegenüber Hunden

„Auch wenn wir in Deutschland Unsummen für unsere Hunde ausgeben, sollte man sich durchaus bewusst sein, dass die Akzeptanz den Tieren gegenüber nicht allzu groß ist. Wir sind nicht umsonst in Europa ziemlich am Ende der Skala, was das Halten der Vierbeiner angeht. Und wenn ich meinen Hund zwischen Kleinkindern, Joggern und Radfahrern rumlaufen lasse, wird sich das unter Garantie auch nicht ändern“, sagt er.

Einsicht muss her

Die im Internet diskutierte Maßnahme eines Hundeführerscheins sieht Lellwitz in dem Zusammenhang kritisch: „Es muss die Einsicht her, dass es so nicht geht. Halter von Hunden mit über 20 Kilogramm oder 40 Zentimetern Brusthöhe brauchen eh einen Sachkundenachweis. Der ist dann aber noch lange keine Garantie dafür, dass der Hund angeleint wird. Das Beispiel mit dem gerissenen Rehbock zeigt es ja, denn die Verletzungen müssen von einem größeren Tier verursacht worden sein.“

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