In Meinerzhagen steht jedes siebte Ladenlokal leer

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Nicht überall in Meinerzhagen sind die Ladenlokale so gut belegt wie in der Derschlager Straße.

Meinerzhagen - „Immer mehr Läden stehen leer!“ Diese Kritik ist in jeder kleineren bis mittelgroßen Stadt zu hören. Mal mehr, mal weniger – in Meinerzhagen aber durchaus häufig.

Dass es um die Leerstandsquote in den innerstädtischen Haupteinkaufsstraßen gar nicht so schlecht bestellt ist, wie subjektiv vermutet wird, zeigt ein Rundgang.

Was macht eine lebendige Stadt aus? Die kulturelle Vielfalt? Die Vereine und Verbände? Sicher. Aber auch der Einzelhandel, der für eine Infrastruktur sorgen kann, die die Stadt lebenswert macht. Und hier liegt nicht erst seit Kurzem vieles im Argen – meinen zumindest viele Bürger, die sich immer wieder über das dünne Angebot in Meinerzhagen ärgern. Gefühlt steht für sie jedes zweite Ladenlokal leer. Zuletzt hat das Fitnessstudio Mrs. Sporty an der Hauptstraße nach nur anderthalb Jahren die Pforten geschlossen. Aber: Wie ist es wirklich bestellt um die Geschäfte an Haupt- und Derschlager Straße sowie in der Fußgängerzone Zur Alten Post? 

Die Redaktion wollte es genau wissen und zählte nach. Dabei wurden lediglich Ladenlokale berücksichtigt, die über potenzielle Verkaufsflächen im Parterre verfügen. Eine Rechtsanwaltskanzlei mit Schaufenster im Erdgeschoss fand also Berücksichtigung, nicht aber das Büro im zweiten Geschoss eines multifunktionalen Gebäudes. Das Resultat der Erhebung im Einzelnen: Hauptstraße: Hier gibt es 54 (!) Geschäftsflächen im Erdgeschoss mit Schaufensterflächen, die zu immerhin 83 Prozent von Händlern oder Dienstleistern genutzt werden. Rund 17 Prozent (absolut: 9) Ladenlokale stehen hier leer.

Derschlager Straße: Von den 31 Ladenlokalen werden 27 (87 Prozent) genutzt – nicht selten von gastronomischen Betrieben. Den Anfang machen das Gasthaus Theile sowie das Wirtshaus, weiter geht es mit (Eis-)Cafés und Pizzeria. Vier Ladenlokale stehen zum Teil schon seit Längerem leer, wie etwa das einstige Ladenlokal von Elektro Richarz.

Zur Alten Post: Von den zwölf Ladenlokalen stehen hier zwei leer (rund 17 Prozent): Der einstige Telekom-Shop sowie die Flächen des Weltladens in der Galerie Langenohl. Der Weltladen füllt seit März indes einen anderen Leerstand: Die Flächen des einstigen Modegeschäfts Schütz an der Derschlager Straße Damit liegt die Leerstandsquote in den drei Straßen bei 14,6 Prozent – ein Wert, der dem Durchschnitt anderer Städte in Nordrhein-Westfalen entspricht, wie eine Veröffentlichung des Netzwerks Innenstadt NRW aus dem Jahr 2016 darlegt. Damals kam Schmallenberg zwar auf eine Quote von 10 Prozent, Geseke aber auf 13, Rhede auf 15 und Büren auf 23 Prozent – wohlgemerkt wurde dort immer die Zahl der Betriebe in der ganzen Stadt betrachtet und nicht nur, wie in unserer Auflistung, in den Haupteinkaufsstraßen.

So sieht es in Meinerzhagen also nicht schlechter aus als in anderen Städten. Wirklich zufrieden ist Katharina Suerbier, in der Stadt zuständig für die Wirtschaftsförderung, aber nicht. „Es gibt tatsächlich Städte, die schlechter dastehen, aber dennoch wäre es gut, wenn wir etwa noch weitere Bekleidungsgeschäfte in die Stadt locken könnten“, sagt Suerbier, die zugleich Geschäftsführerin des Stadtmarketingvereins ist. Regelmäßig befinde sich die Wirtschaftsförderung in Kontakt mit Unternehmen und Vermietern, um als Vermittlerin für leere Flächen aufzutreten. „Da ist mir persönlich besonders der ehemalige Kodi-Markt ein Dorn im Auge. Da waren wir schon mehrfach kurz vor einer Einigung, bevor der potenzielle Mieter abgesprungen ist“, erinnert sich Katharina Suerbier an Rückschläge.

Allzu wählerisch könne weder Stadt noch Vermieter immer sein, räumt die Wirtschaftsförderin ein. Doch sie weiß auch um den berüchtigten „Trading-Down-Effekt“, den es zu verhindern gilt. Wenn also auf ein Fachgeschäft ein Handyladen oder 1-Euro-Shop folgt, am Ende (wenn es gut läuft) eventuell noch ein Piercing- oder Nagelstudio. „Natürlich ist vieles besser als ein Leerstand, aber man darf nicht alles ungefiltert annehmen“, sagt Suerbier. Dazu zählt sie etwa Spielhallen, die zwar ohnehin gesetzlichen Beschränkungen unterworfen sind, aber immer wieder Nischen für sich finden. Allerdings weiß Katharina Suerbier auch um manch einen Vermieter, der sich sprichwörtlich „gesundstoßen“ will, indem er unrealistische Preisvorstellungen äußert. Dennoch sei der Preis für Ladenlokale in Meinerzhagen relativ niedrig. „Im Durchschnitt werden in Meinerzhagens Innenstadt 8 bis 10 Euro pro Quadratmeter aufgerufen. Das ist ein Preis, der durchaus üblich ist“, sagt die Stadtmarketing-Geschäftsführerin.

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