Lebenswerk schien 1945 beendet

Bleisatzzeit: Foto aus dem Jahr 1961, als die Meinerzhagener Zeitung 50 Jahre wurde. Das Bild zeigt die damalige Zeitungsmettage am Druckstandort in der Lüdenscheider Schillerstraße.

Mit dem Einmarsch amerikanischer Truppen beginnt im April 1945 eine vierjährige Zwangspause. Damit schien das Lebenswerk eines Mannes beendet zu sein, der als 24-Jähriger kurz nach Abschluss seiner Ausbildung in seiner Geburtsstadt Meinerzhagen einen Druckereibetrieb gegründet und ein Jahr später das Lokalblatt ins Leben gerufen hatte.

 Walther Kämper ist in seinen Lehr- und Ausbildungsjahren in verschiedenen westdeutschen Druckereien tätig gewesen. Hier hatte er sein Wissen vervollständigt und seine beruflichen Kenntnisse erweitern können. In Iserlohn legte er seine Meisterprüfung als Drucker- und Setzermeister ab. Sein berufliches Können war auch sein wertvollstes Kapital, als er vor nun genau einem Jahrhundert sein Unternehmen gründete.

Dieser Beginn war gewiss ein Wagnis. Doch der unternehmerische und verlegerische Mut sollte sich auszahlen. Das Druck- und Verlagshaus expandierte. Schon bald wurden die ersten Räumlichkeiten an der Derschlager Straße zu klein. Der Betrieb wurde zunächst in die sogenannte „Kleine Schule“ verlegt, dorthin, wo sich heute der evangelische Kindergarten Hochstraße befindet.

1925 der nächste Schritt: Das Gebäude Hauptstraße 42 – die frühere Gastwirtschaft „Krone“ – wurde gekauft und umgestaltet. Verlag, Redaktion und Druckerei waren hier in stadtzentraler Lage gut untergebracht. 1959 erforderte die Eingliederung einer Klischeeanstalt zur Herstellung von Bilddruckvorlagen eine räumliche Vergrößerung mittels eines rückwärtigen Anbaus. 1971 erfolgte der vollständige Umzug an den heutigen Standort des modernen MZV-Druckzentrums Am Stadion.

Mit dem Einmarsch der Amerikaner hatte die „Meinerzhagener Zeitung“ im April 1945 ihr Erscheinen einstellen müssen. Und es sollten nach Kriegsende noch vier Jahre vergehen, ehe die ersatzweise herausgegebenen amtlichen Bekanntmachungsblätter wieder durch die angestammte MZ abgelöst wurden.

Meinerzhagen und Kierspe waren 1945 zunächst unter amerikanische, wenige Wochen später unter britische Militärverwaltung gestellt worden. Eingeschränkt blieb zunächst die Presse- und Meinungsfreiheit, wenngleich die westlichen Besatzungsmächte sofort daran gingen, im besiegten Deutschland eine neue Demokratie zu installieren. Presseorgane waren jetzt nicht mehr „gleichgeschaltet“. Aber ihr Wieder- oder auch Neuerscheinen wurde zunächst abhängig gemacht von einer „Lizenzierung“ durch die jeweils zuständige Militärbehörde.

Für viele alteingesessene Lokalblätter in Deutschland bedeutete dies zunächst eine längere und wirtschaftlich schwierige Zwangspause. Walther Kämper konnte in Meinerzhagen im Auftrag der britischen Militärverwaltung zwar „amtliche Bekanntmachungen“ und „Mitteilungsblätter“ drucken. Die Genehmigung zur Wiederaufnahme des Erscheinens einer Tageszeitung am Ort blieb jedoch zunächst versagt.

Im Gebiet der mit dem am 8. Mai 1949 verabschiedeten Grundgesetz gegründeten Bundesrepublik Deutschland waren bis zu diesem Tag lediglich 170 Lizenzen zur Herausgabe einer Zeitung vergeben worden. Diese Blätter waren zunächst ohne direkte Mitbewerber, stellten eben das Ergebnis einer außergewöhnlichen politischen Situation nach der Befreiung Deutschlands von der Hitler-Diktatur dar. Im informations- und lesehungrigen Nachkriegsdeutschland, in dem auch Papier zu den Mangelgütern gehörte, hatten diese Zeitungen schnell ihren festen Markt. Diese überregionalen Blätter strebten durch die Herausgabe von Bezirksausgaben ebenfalls den Charakter der traditionellen ortsgebundenen Lokal-Presse an. Es gelang ihnen aber offenkundig nicht, vollständig das zu ersetzen, was man den Lesern mit den alten Heimatzeitungen genommen hatte. So wurde nach Aufhebung des Lizenzzwanges mit Wirkung zum 21. September 1949 das nun mögliche Wiedererscheinen der altbekannten Zeitungen in der Bevölkerung lebhaft begrüßt. Die erste „Nachkriegs-MZ“ kam am 28. Oktober des Jahres auf den Markt.

Sicherte durch seine Übernahme im Jahr 1988 den Fortbestand des Traditionsunternehmens: Verleger Dr. Dirk Ippen.

Diesen Neubeginn hatte Max Kämper, der seit 1921 im Unternehmen als Schriftleiter der Zeitung tätige Bruder des Firmengründers und zugleich auch ersten Redaktionsleiters Walther Kämper, nicht mehr erlebt. Er starb 1946 – ein Jahr nach seinem Sohn Hans Werner Kämper, der an der Invasionsfront als Soldat ums Leben gekommen war. Auch Gründer-Sohn  Rudolf Kämper, der seinen beruflichen Werdegang im väterlichen Betrieb bereits begonnen hatte und hier einmal die Nachfolge als Firmenchef antreten sollte, lebte nicht mehr. Er war im Juli 1943 als Soldat in Russland gefallen.

An ihre Stelle trat Klaus Paulmann, der Margarethe Kämper, die Tochter des Firmengründers geheiratet hatte. Gemeinsam mit seinem Schwiegervater zeichnete der Sohn eines Dorfschullehrers aus Hardenberg bei Valbert mit großem Engagement und besonderem kaufmännischem Geschick für den Wiederbeginn, Auf- und Ausbau von Druckerei und Zeitungsverlag verantwortlich.

Mit einer Startauflage von 1600 Exemplaren kam die Meinerzhagener Zeitung, beginnend im Oktober 1949, wieder heraus. Verantwortlicher Redaktionsleiter und damit Nachfolger von Max Kämper wurde ein Schulfreund von Klaus Paulmann, der gebürtige Meinerzhagener Günther Brune. Der Vollblutjournalist prägte Inhalt und Gesicht dieser Zeitung in entscheidendem Maße. Durch ebenso kritische wie konstruktive Berichterstattung und Kommentierung wurde er zugleich Wegbereiter vieler wichtigen kommunalpolitischen Entwicklungen in seiner Heimatstadt Meinerzhagen. Günther Brune erlag am 26. September 1975 im Alter von nur 55 Jahren einem Herzinfarkt. Seine Nachfolge trat Horst vom Hofe an, der 1969 als Volontär zur MZ gekommen und mittlerweile als junger Redakteur bei der MZ tätig war. Der gebürtige Marienheider wurde nach Firmengründer Walther Kämper, dessen Bruder Max und Günther Brune der erst vierte Lokalchef in der jetzt einhundertjährigen Geschichte der Meinerzhagener Zeitung – und auch dies zeugt für die besondere Kontinuität im Hause Kämper.

Der Meinerzhagener Zeitung gelang es nach dem Neustart in der Folgezeit auf eindrucksvolle Weise, ihre angestammte Position als führende Lokalzeitung gegenüber der Konkurrenz der einstigen und damit deutlich früher angetretenen Lizenzpresse zurückzuerobern. 1949 hatte man es im Verbreitungsgebiet mit gleich zwei potenten Mitbewerbern zu tun: Der „Westfalenpost“ aus Hagen und der „Westfälischen Rundschau“ aus Dortmund mit ihren auch lokalen Berichterstattungen.

Die Auflage der MZ wuchs beständig, stieg von der Startauflage von 1600 Exemplaren zeitweise auf über 8000. Die aktuelle verbreitete Auflage (IVW 2. Quartal 2011) liegt bei 7117 Exemplaren. Seit der Einstellung der Lokalausgabe der Westfälischen Rundschau im Jahr 2009 ist die Meinerzhagener Zeitung die einzige verbliebene Lokalzeitung im oberen Volmetal.

1971 erfolgte der Umzug an den neuen Standort „Am Stadion“. Hier war unter der Regie von Verleger und Firmenchef Klaus Paulmann auf der „grünen Wiese“ – damals noch in peripherer Lage am Stadtrand von Meinerzhagen gelegen – ein modernes Druck- und Verlagshaus errichtet worden, das dem weiter gestiegenen Raumbedarf Rechnung trug, auch zukünftige Erweiterungsmöglichkeiten zuließ und den Einstieg in neue Druck- und Verarbeitungtechnologien ermöglichte. Klaus Paulmann, der nach dem Tod des Firmengründers Walther Kämper am 25. September 1965 die alleinige Geschäftsführung im Familienunternehmen übernommen hatte, starb kurz vor Vollendung seines 50. Geburtstags, nur wenige Monate nach dem Einzug der letzten Betriebsabteilungen in das neue Gebäude, plötzlich und unerwartet am 16. Juli 1971. Seine Witwe, Margarethe Paulmann, übernahm die Verlegerfunktion. Kurt Bräucker, damaliger Prokurist, seit 1953 im Hause Kämper in leitender Position tätig, wurde zum Geschäftsführer bestellt. 1983 ging Kurt Bräucker in Ruhestand. Mit Dieter Paulmann, dem Enkelsohn des Firmengründers, trat eine neue, die damit dritte Generation der Familie in die Geschäftsführung ein.

Zum 1. August 1988 endete die Ära Kämper/Paulmann. Es erfolgte ein Wechsel der Eigentumsverhältnisse. Durch seinen Einstieg in Meinerzhagen sicherte der aus Westfalen stammende Münchener Zeitungsverleger Dr. Dirk Ippen in schwieriger Situation den Fortbestand der traditionsreichen Lokalzeitung. Unter Ippens Regie erfolgte eine deutliche personelle Aufstockung der Lokalredaktion und eine beträchtliche Umfangerweiterung der Zeitung. Verbunden war dies auch mit erheblichen Investitionen in Gebäude und Anlagen.

Blick auf Redaktion und Geschäftsstelle am Traditionsstandort Hauptstraße 42. J Foto: Becker

Im Mai 1990 kehrte die MZ an ihren Ursprungsort zurück. Das Stammhaus an der Hauptstraße war mit einem Kostenaufwand von damals rund 1,5 Millionen DM völlig erneuert worden. Hier sind seither wieder in stadtzentraler Lage Redaktion, Anzeigenannahme und Verlagsgeschäftsstelle in modern ausgestatteten Räumen untergebracht. Am Stadion erfolgte mit Millionenaufwand der Ausbau zu einem modernen Zeitungsdruckstandort. Die technische Herstellung der Zeitungen im von Dr. Ippen 1988 neu gegründeten Märkischen Zeitungsverlag wurde 1991 von der Schillerstraße in Lüdenscheid nach hier verlagert. 2002 wurde mit der Inbetriebnahme einer neuen Vierfarb-Rollenoffset-Druckmaschine und weiterer Peripherie-Technik für Beilagen und Versand eine neuerliche Großinvestition mit einem Umfang von rund sechs Millionen Euro getätigt. Damit erfolgte der Aufbruch in eine neue Ära, denn die moderne Drucktechnik ermöglicht es seither, die Zeitung durchgehend farbig zu gestalten. Rund 70 Mitarbeiter sind heute im Druckhaus des Märkischen Zeitungsverlages tätig. An sieben Tagen in der Woche werden hier neben den Tageszeitungen das mittwochs und seit diesem Jahr auch sonntags erscheinende Anzeigenblatt „Der Bote“ und einige weitere Anzeigenblätter produziert.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare