Lebensraum für Lebenskünstler

Gerd Eppe vom Naturschutzzentrum Märkischer Kreis.

MEINERZHAGEN ▪ Der Nebel wabert über der Nordhelle. In dem Weiß zeichnen sich die Silhouetten von einigen Bäumen ab. Verwelkte Moose und Gräser haben eine gelblich-braune Schicht gebildet. Scheinbare Tristesse. „Das ist ein Juwel“, sagt Matthias Borgmann, „ein Juwel, dass erst auf den zweiten Blick sichtbar wird.“

Der Förster des Bezirks Beckerhof steht im Kamm-Moor. Die rund acht Hektar große Fläche ist eins von insgesamt zwölf Mooren im Naturschutzgebiet „Auf’m Ebbe“. Borgmann deutet auf einige kleine Pinne, die aus dem Boden ragen und sagt: „Hier sind Fichten ausgeschlagen, die haben wir entfernt.“ Nicht nur das: Auch große Stämme des Nadelholzes sind abgesägt worden.

Denn: Das Regionalforstamt Kurkölnisches Sauerland führt „Auf’m Ebbe“ in Zusammenarbeit mit dem Fachdienst Naturschutz- und Landschaftspflege des Märkischen Kreises Pflegearbeiten durch. Ziel ist die langfristige Erhaltung und Entwicklung der Moore.

Exemplarisch an drei Moorflächen stellen neben Matthias Borgmannn, der Regionalforstamtsleiter Klaus Lomnitz, Förster Markus Ingenohl, der Fachdienstleiter Naturschutz- und Landschaftspflege des Märkischen Kreises Friedrich Wilhelm Korspeter und Gerd Eppe, stellvertretender Leiter des Naturschutzzentrums Märkischer Kreis die Maßnahmen vor. Als besonderer Gast ist die Kreisdirektorin Barbara Dienstel-Kümper bei der Begehung mit dabei.

„Nach und nach wollen wir die einzelnen Moore ausweiten und dann untereinander vernetzen“, erklärt Klaus Lomnitz. Jedes Jahr müssten kleine Schritte gegangen werden um das Ziel zu erreichen. In diesem Zusammenhang spricht er von einem „langen, aber sich lohnenden Prozess“.

Durch das Wachsen und Absterben der Gräser und Moose entsteht in den Jahren der moortypische Torf. Eine Schicht von rund 30 bis 40 Zentimetern befindet sich derzeit in den heimischen Mooren – die Lebensraum für verschiedene Pflanzen bietet. Moorlilien, Glockenheide oder etwa der Rundblättrige Sonnentau wachsen „Auf’m Ebbe“.

„Das sind Top-Gebiete, die europaweit von Bedeutung sind“, sagt Friedrich Wilhelm Korspeter. Vom aussterben bedrohte Tiere wie beispielsweise der Hochmoor-Perlmutterfalter finden hier ein Zuhause.

„So richtig sexy sieht’s hier erstmal nicht aus – aber gerade unscheinbare Dinge sind ja oft wertvoll. Daher ist die Arbeit an den Mooren wichtig“, betont Kreisdirektorin Barbara Dienstel-Kümper.

Mit der Herrichtung der Moore und der Sanierung des Robert-Kolb-Turms tue sich viel an der Nordhelle. „Wanderer von nah und fern können hier viel erleben. Dabei sollen sie aber auf den Wegen bleiben. Die Moore sind Naturschutzgebiet. Da hat niemand was zu suchen“, sagt Dienstel-Kümper. ▪ Matthias Clever

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