Weihnachten setzt im Langemann-Haus Schlüsselreize

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Das Schmücken der Weihnachtsbäume ist im Langemann-Haus eine Gemeinschaftsaktion. Auch Einrichtungsleiterin Ingrid Papst (2. von rechts) und Sozialdienstleiterin Martina Hüttebräucker (rechts) packen mit an.

Meinerzhagen – Weihnachten im Langemann-Haus – natürlich ist das für die Bewohner etwas ganz Besonderes. Und auch all jene unter ihnen, die an Demenz erkrankt sind, nehmen wahr, dass ganz besondere Tage angebrochen sind.

Sie lassen sich, gemeinsam mit ihren gesunden Mitbewohnern, meist gern in Weihnachtsstimmung versetzen. Etwa zwei Drittel der Bewohner des Hauses an der Mühlenbergstraße leiden an der tückischen Krankheit, welche die Persönlichkeit eines Menschen verändert. Besonders betroffen ist in der Regel das Kurzzeitgedächtnis. Und so wundert es wenig, dass die Demez-Patienten oft an früher denken. „Ein besonderer Schlüsselreiz ist dabei die Musik“, weiß Einrichtungsleiterin Ingrid Papst. Sie denkt gern an ein Erlebnis zurück, das sie als ihr „persönliches Weihnachtsgeschenk“ bezeichnet: „Eine an Demenz erkrankte Bewohnerin saß bei einer Weihnachtsfeier in ihrem Pflegerollstuhl und hörte zu. Plötzlich begann sie zu lächeln und das altbekannte Weihnachtslied mit Inbrunst mitzusingen. Das hat mich noch den ganzen Abend beschäftigt. Durch Musik wird die Wahrnehmung oft geschärft.“ 

Wer mag, kann sich im Wilhelm-Langemann-Haus schon in der Vorweihnachtszeit reichlich auf das Fest der Feste einstimmen lassen. Zahlreiche Gäste, wie zum Beispiel die Freie Gemeinde Worbscheid, der Männerchor, die Meinhardus Musikanten oder Kinder- und Jugendgruppen singen oder machen Musik. Und das Team des Hauses veranstaltete allein acht adventliche Abendrunden. „Die Teilnahme daran ist in jedem Fall freiwillig. Wer nicht mag, oder wem das zu viel wird, der kann natürlich fernbleiben“, erläutert Sozialdienstleiterin Martina Hüttebräucker.

Dass Weihnachten gefeiert wird, merken in Haus allerdings alle – ob dement oder nicht. „Wir bereiten unsere Bewohner auf das Fest vor. Wir backen auf den Etagen gemeinsam Plätzchen. Allein der Duft holt einige Demenz-Patienten manchmal in die Gegenwart zurück. Und auch beim Schmücken der Weihnachtsbäume werden alle, die mögen, mit einbezogen. Da gibt es dann auch oft Kommentare. Wie der Baum früher in der eigenen Wohnung aussah oder wo noch eine Kugel fehlt – all das wird kommuniziert“, hat Ingrid Papst festgestellt. Ganz wichtig sind nach ihren Erfahrungen auch festlich gedeckte Tische und Kerzenschein: „Auch das sind Schlüsselreize.“

Es gibt allerdings auch das: „Manchmal bekommen wir gar keine Reaktionen auf das Weihnachtsfest. Wir wissen dann nicht, ob der an Demenz erkrankte Bewohner davon überhaupt etwas mitbekommt“, sagt Martina Hüttebräucker. In einem Fall jedoch war die Resonanz deutlich: „Beim Weihnachtssingen kamen dem Betroffenen plötzlich die Tränen“, erzählt die Sozialdienstleiterin. 

Im Gegensatz zu Weihnachten spielt Silvester übrigens keine große Rolle im Langemann-Haus. „Die meisten Bewohner halten gar nicht bis Mitternacht durch. Aber natürlich schmücken wir auch dann das Haus und es gibt Festessen“, sagt Ingrid Papst. Der Besuch der Sternsinger am 5. Januar sei da fast wichtiger als der Jahreswechsel, fügt sie hinzu.

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