Lange Haftstrafe für 22-jährigen Meinerzhagener

Auch weil der 22-Jährige schon eine lange Vorstrafenliste hat, schickte ihn der Richter jetzt ins Gefängnis.

MEINERZHAGEN – So wie er ihn betreten hatte, verließ der Angeklagte den Gerichtssaal nach vierstündigem Verhandlungsmarathon im Amtsgericht Lüdenscheid auch wieder – in Handschellen.

„Im Großen und Ganzen war es schon so“, äußerte er sich zu den Taten, die ihn erneut vor den Richter brachten.

Danach hatte er am 7. November in einer Wohnung an der Marienheider Straße einen jüngeren Mitbesucher zusammengeschlagen und ihm Handy, Portemonnaie, Busfahrkarte und Kette abgenommen. „Ich wollte ihm eine Lektion erteilen, damit er Respekt hat, dann ging es weiter zur Sache“, begründete er sein Tun. Das mit Faustschlägen und Tritten malträtierte Opfer suchte morgens gegen drei Uhr Hilfe auf der hiesigen Polizeiwache; bis dahin war es ihm nicht gelungen, seine Sachen wiederzubekommen. Es folgten ein Einsatz mit mehreren Beamten und die Festnahme des Beschuldigten.

Mit der Befragung des Betroffenen und von sechs Zeugen, darunter zwei Polizeibeamte, versuchte das Gericht, Einblick in die Vorgänge zu bekommen. Die Wahrheitsfindung gestaltete sich zäh. Teils erstaunliche Abweichungen in den Aussagen zu dem, was die Protokolle der Vernehmungen darlegten, erforderten beharrliches Nachfragen. Es ergab sich folgendes Bild: In der Wohnung war ein ständiges Kommen und Gehen junger Männer – die hier geladenen allesamt ohne Berufsausbildung und arbeitslos. Es wurde Alkohol getrunken. Der Geschädigte, der sich dort nicht auskannte, hatte auf die Frage nach der Toilette die Auskunft bekommen, es gebe keine. Woraufhin er sich im Hausflur erleichterte. Das quittierte der „Gastgeber“ mit Schlägen ins Gesicht. Den so Traktierten in der Folge weiter zu „disziplinieren“, fühlte sich dann der Angeklagte berufen. Dessen Vita weist ihn mittlerweile als Intensivtäter aus. Als Kind aus dem Kongo adoptiert und somit Deutscher, fiel er mit 16 Jahren bereits durch Straftaten und Drogenkonsum auf. Neun Eintragungen finden sich auf der Vorstrafenliste des inzwischen 22-Jährigen; darunter Sachbeschädigung, Raub und schwere Körperverletzung. Das trug ihm bereits Bewährungsstrafen von zwei Jahren und neun Monaten ein. Die letzte, vom Landgericht Hagen im September mit Auflagen ausgesproche zweijährige, nannte Richter Leichter in seiner Bewertung eine „Gnadenentscheidung“. Diese Chance habe der Angeklagte vertan.

Der Staatsanwalt führte die vorliegenden „schweren Misshandlungen“ an, plädierte auf Raub und räuberische Erpressung und forderte zwei Jahre und drei Monate. Rechtsanwalt Friedhelm Wolf sah keinen Vorsatz und einen minderschweren Fall, begleitet von Alkohol- und Jointgenuss. Das könne sich nicht auf ewig strafmildernd auswirken, so der Richter; nur durch Zufall sei das Opfer noch glimpflich davongekommen.

Mit der Verurteilung zu zwei Jahren und drei Monaten kassierte der Täter nun, je nach Führung, mindestens 40 sichere Monate Gefängnis. Denn die Bewährungsstrafen werden eingerechnet.

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