Winterversammlung der Meinerzhagener Landwirte

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Karl-Wilhelm Biewald (Mitte) konnte bei der Winterversammlung Dr. Harald Lopotz (von links) Dirk Voss, Günter Buttighoffer, Ludwig Krämer und (nicht im Bild) den stellvertretenden Bürgermeister Rainer Schmidt begrüßen.

Meinerzhagen - Die moderne Landwirtschaft ist in die Kritik geraten, und der Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband (WLV) geht in die Offensive.

Bei der Winterversammlung des Landwirtschaftlichen Ortsvereins Meinerzhagen-Valbert im Hotel „Am Schnüffel“ stellte Günter Buttighoffer, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes, am Mittwoch die WLV-Initiative „Offensive Nachhaltigkeit“ vor, mit der mehr wechselseitiges Verständnis zwischen den Bauernfamilien und der Bevölkerung sowie eine breite Akzeptanz für die landwirtschaftliche Praxis erreicht werden soll.

Dazu gehöre einerseits die eigenen Stärken zu erkennen und deutlich zu machen, andererseits aber auch ehrlich Probleme und Schwachstellen zu benennen und aktiv an einer Veränderung zu arbeiten. Damit habe sich eine Fokusgruppe im vergangenen Jahr intensiv beschäftigt und nun konkrete Projekte in der Schweine-, Rinder-, und Geflügelhaltung, im Pflanzenbau sowie im Bereich Soziales entwickelt, die bis zum Jahr 2030 umgesetzt werden sollten. So sollen beispielsweise in der Rinderhaltung – für die heimischen Milchbauern besonders interessant – zwischen 2026 und 2030 die Hälfte aller Tiere genetisch hornlos sein. Die Zahl der Tiere mit Weidegang soll um 20 Prozent höher liegen als heute. Die Versammelten erklärten sich nach einer kontroversen Diskussion bereit, die Initiative mitzutragen, zeigten sich allerdings skeptisch, dass die anvisierten Ziele so zu erreichen seien. „Die Leute haben ihre vorgefasste Meinung und die ändern sie auch nicht“. Der Ruf nach offensiver Werbung für die Landwirtschaft wurde laut, denn: „Davon verstehen die Leute heute überhaupt nichts mehr. Die wissen gar nicht, was wir tun“.

Über die Aktivitäten im vergangenen Jahr berichtete der Ortsvereinsvorsitzende Karl-Wilhelm Biewald. Er dankte allen Helfern, die dazu beigetragen hatten, dass der Hoftag in Langenohl zu einem vollen Erfolg wurde. Bei ausgiebigen Niederschlägen im Frühjahr und einem sehr trockenen Spätsommer habe sich der Mais zunächst zögerlich entwickelt, dann aber doch gute Erträge gebracht. Der Milchpreis habe 2016 ein historisches Tief erreicht. „Und wenn man für ein Mutterkalb, das man 14 Tage getränkt hat, nur 10 bis 20 Euro bekommt, ist das deprimierend“, sagte Biewald, und weiter:“ Wir arbeiten 365 Tage für ein Almosen. Die Preise sind ruinös, die Rücklagen aufgebraucht, Investitionen wurden zurückgestellt, viele mussten Überbrückungskredite aufnehmen, weitere Betriebe wurden geschlossen.“ In dieser Situation sähen sich die Landwirte auch noch zunehmender Kritik und Forderungen von Handelspartnern, Umwelt- und Tierschutzverbänden gegenüber, „wobei das Umweltministerium mit den neuen Bauernregeln den Vogel abschießt, gleichzeitig aber Gülleimporte aus EU-Länder, den Bau von Riesenställen in belasteten Gebieten befürwortet und Biogasanlagen auf Maisbasis vor allem im Norden fördert, wo es bereits zu viel Windstrom und keine Industrie gibt.“

Außerdem erläuterte die Juristin Nikola Galla Möglichkeiten zur persönlichen Vorsorge durch Vorsorgevollmacht, Betreuungsverfügung und Patientenverfügung, und Ludwig Krämer, Geschäftsführer des Landwirtschaftlichen Kreisverbands, informierte unter anderem über EU-Liquiditätsprogramme, Milchsonderbeihilfe und Steueränderungen.

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