Den Hof managen mit Roboter und Smartphone

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Dirk und Helmut Eckern bewirtschaften ihren Hof gemeinsam, außerdem packt noch ein weiterer Vollzeit-Mitarbeiter mit an.

Meinerzhagen – Bevor Dirk Eckern morgens in den Stall geht, schaltet er erst einmal seinen Computer ein und plant seinen Arbeitstag. Welche Kühe sollen heute besamt werden, welches Tier war zu lange nicht beim Melken, sind alle Kühe gesund?

Wenn der Landwirt sich einen Überblick verschafft hat, beginnt die Stallarbeit: Die Liegeboxen der knapp 200 Milchkühe müssen gereinigt und die Kälber versorgt werden. Zwischendurch hat Dirk Eckern immer ein Auge auf seine Tiere. Sieht eine Kuh krank aus oder verhält sich anders als sonst, schickt er eine Nachricht in die WhatsApp-Gruppe seines Hofes. Der 42-Jährige kümmert sich gemeinsam mit seinem Vater Helmut und einem weiteren Mitarbeiter um die Tiere und um die Biogasanlage, die etwa ein Fünftel des Betriebseinkommens beträgt. Über das Smartphone ist das Team ständig in Kontakt, das spart Zeit und sie können frühzeitig auf Schwierigkeiten reagieren. Diese Sorgfalt lohnt sich doppelt, sagt Dirk Eckern: „Durch die gute Pflege geht es den Kühen besser und sie geben mehr Milch. Wir verdienen damit letztlich also bares Geld.“ 

Bei der Pflege haben die Landwirte seit einigen Jahren auch digitale Unterstützung: Drei Melkroboter sammeln nicht nur die Milch ein, sondern auch wertvolle Daten. Jeder Liter Milch läuft durch ein Analysegerät, das per Sensor Zusammensetzung und Temperatur misst. Stimmt das Verhältnis zwischen Fett und Eiweiß nicht, deutet das auf eine Krankheit hin. Ist die Milch zu warm, hat die Kuh möglicherweise Fieber. Sämtliche Daten werden abgespeichert, und Dirk Eckern kann sie später am Computer abrufen. 

Alle paar Stunden laufen die Kühe selbstständig zu einem der drei Melkstände. Die Roboter erkennen jedes Tier an seinem Transponder-Halsband und entscheiden, ob es schon Zeit ist zum Melken: „Jeder Melkvorgang sollte zwischen acht und zwölf Liter Milch bringen“, erklärt Eckern. „Der Roboter kann ausrechnen, ob diese Menge zu erwarten ist – wenn nicht, reagiert die Maschine nicht und die Kuh läuft einfach auf der anderen Seite wieder aus dem Melkstand heraus.“ Ist es dagegen Zeit für das nächste Melken, klappen an beiden Seiten des Melkstands die Türen zu. Ein Roboterarm mit dem Melkgeschirr schwingt unter das Euter und setzt millimetergenau an jeder Zitze an. Damit das reibungslos funktioniert, durchläuft die Maschine mit jedem neuen Tier eine Art Kennenlernphase.

Die Landwirte führen die Kuh dafür ein paarmal in den Melkstand und setzen das Melkgeschirr von Hand an. Dabei speichert der Roboter ab, wo genau bei dieser Kuh das Euter und die einzelnen Zitzen liegen. Nach fünf Melkungen kennt die Maschine die Kuh gut genug, um den Melkarm später automatisch und fehlerfrei anzusetzen. 

Dieser Lernvorgang ist aber nur die eine Seite – auch die Kühe müssen üben, zum Melken in die Anlage zu laufen, und sich an die Maschine gewöhnen. Das geht am besten mithilfe von Futter: „Wir lassen die Kuh im Melkstand anfangs erst einmal nur fressen. Erst nach ein paar Tagen wird sie dort zum ersten Mal gemolken“, sagt Dirk Eckern. „Später laufen die Tiere dann ganz von selbst in den Melkstand, weil sie dort weiterhin einen Teil ihres Futters bekommen.“ 

Nur ganz selten kommt es vor, dass eine Kuh zu lange mit dem nächsten Gang zum Roboter wartet. Der registriert das Ausbleiben des Tieres und schickt eine Meldung auf den Computer im Büro. Die Kehrseite all dieser gesammelten Daten: Alle Fehler und andere außergewöhnliche Ereignisse landen auch als Nachricht auf Dirk Eckerns Smartphone. Damit er trotzdem in Ruhe seiner Arbeit machen kann, hat der Landwirt einige Alarme abgestellt: „Man muss die Daten kanalisieren, sonst machen die einen fertig“, sagt er mit einem Augenzwinkern. Nur die wirklich wichtigen Meldungen erreichen ihn jetzt noch zwischendurch, die übrigen Informationen schaut er sich später gebündelt an. 

Dank der Roboter behält Eckern nicht nur die Gesundheit seiner Tiere besser im Blick, sondern kann ihnen auch mehr Zeit widmen. Statt selbst zu melken, kann er die Kühe in Ruhe beobachten und pflegen. Und ganz wichtig: Neben der Arbeit bleibt auch genug Zeit für die Familie. Ob eines seiner drei Kinder eines Tages den Hof übernehmen möchte, weiß Eckern noch nicht. Auch deshalb hat er viel in die Digitalisierung und Modernisierung seines Betriebs investiert: „Ich wollte mit dem Hof immer ganz vorne dabei sein“, sagt er. „Wenn meine Kinder ihn nicht wollen, kann ich den Betrieb stattdessen irgendwann vielleicht als Ganzes verkaufen.“

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