Gerichtsverhandlung

Keilerei in Disko endet mit
bösen Folgen

Die Berufungsverhandlung gegen den Meinerzhagener fand vor dem Landgericht statt.
+
Die Berufungsverhandlung gegen den Meinerzhagener fand vor dem Landgericht statt.

Es war offenbar eine ziemlich ordinäre Diskotheken-Keilerei, in deren Verlauf die Faust eines Meinerzhageners den Kiefer eines anderen Beteiligten traf.

Meinerzhagen – Die Folgen waren außergewöhnlich heftig: Das Opfer erlitt einen doppelten Bruch des Unterkiefers, musste operiert werden und konnte drei Monate lang nur flüssige und weiche Kost zu sich nehmen. Auch danach war der „Gegner“ noch erheblich eingeschränkt beim Essen, aber auch bei sportlichen Aktivitäten.

Schlägerei fand 2017 statt

Die Schlägerei fand in der Nacht vom 22. auf den 23. September 2017 in Wipperfürth statt. Zu diesem Zeitpunkt war der spätere Angeklagte knapp 21 Jahre alt. Zweieinhalb Jahre später, am 25. Februar 2020, verurteilte ihn das Amtsgericht Meinerzhagen zu einer Strafe, die ihn auf lange Jahre hinweg finanziell an den Rand des Existenzminimums getrieben hätte: 120 Tagessätze zu je 50 Euro summierten sich zu einer Geldstrafe von 6000 Euro. Dazu kam die Verpflichtung, an das Opfer des Schlages 5000 Euro Schmerzensgeld plus Zinsen zu zahlen sowie „alle materiellen Schäden zu ersetzen“.

Angesichts eines derart existenzbedrohenden Urteils war es nachvollziehbar, dass der Angeklagte dagegen in Berufung ging. Dass er vor dreieinhalb Jahren zugeschlagen hatte, war bei der Verhandlung im Landgericht kein Thema mehr: Mit der Beschränkung seiner Berufung auf das Strafmaß gab er die Tat zu. Dieser Umstand ersparte allen Beteiligten drei Verhandlungstage und die Anhörung von stattlichen 13 Zeugen, die alle mehr oder weniger präzise Beobachtungen über eine Diskotheken-Schlägerei beigetragen hätten.

Gemeinsame Lösungssuche

Bei allen Beteiligten war der Wille offenbar groß, eine strafrechtlich akzeptable Lösung zu finden, die auch den Ansprüchen des Opfers Genüge tat. Zunächst beriet die Berufungskammer in einem internen Rechtsgespräch mit dem Staatsanwalt und den Anwälten des Angeklagten und des Opfers. Es folgte eine ebenso interne Beratung der Vorsitzenden Richterin mit ihren beiden Schöffen. Und am Ende stand eine Lösung, die sowohl die beschränkten Möglichkeiten des Angeklagten als auch die Schadensersatzansprüche des Opfers im Blick behielt: Es blieb dabei, dass der Angeklagte dem Geschädigten 5000 Euro plus Zinsen zahlen muss. Doch die horrende Zahlung an die Staatskasse blieb dem mittlerweile 24-Jährigen erspart.

Entschädigung

Da die Berufungskammer nach dem Urteil des Amtsgerichts bei einer Verurteilung nur eine erneute Geldstrafe hätte verhängen können, suchten und fanden die Beteiligten eine andere Lösung, die vor allem den Ansprüchen des Opfers Genüge tat: Die Richter stellten das Strafverfahren vorläufig ein und verpflichteten den Angeklagten, die Entschädigung innerhalb von sechs Monaten zu zahlen. Erst danach wird das Strafverfahren endgültig eingestellt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare