Quad-Fahrer müssen zahlen

Meinerzhagen/Lüdenscheid - In einer Keilerei endete am 8. Mai 2016 der Ausflug eines 48-jährigen Meinerzhageners nach Lüdenscheid.

Dort wollte er gemeinsam mit seinem 67-jährigen Vater und wohl noch weiteren Personen auf Quads, also vierrädrigen Motorrädern, eine Tour machen. Die Fahrzeuge sind laut – und so fühlten sich Nachbarn „durch die heranfahrenden Quads gestört“, hieß es in der Urteilsbegründung des Amtsgerichts. Denn auf die Bitte um Ruhe folgten „wechselseitige Unfreundlichkeiten“ und nach Überzeugung des Amtsgerichts auch Schläge der Ausflügler in Richtung der Beschwerdeführer. Es wurde geschubst und gerangelt, und zu allem Überfluss ging eine schwangere Frau zu Boden und erlitt Schürfwunden.

Während die Betroffenen Anzeige bei der Polizei erstatteten, machten die Quad-Fahrer wie geplant ihren Ausflug. Im Amtsgericht kassierte der Meinerzhagener wegen Körperverletzung eine Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu je 70, insgesamt also 2100 Euro. Sein Vater bekam die gleiche Strafe, allerdings ging das Gericht bei ihm von einer geringeren Tagessatzhöhe aus, was sich auf 1350 Euro summierte. Viel Geld für das Vorspiel zu einem lauten Ausflug und ein Grund für den Gang zur Berufungsinstanz des Landgerichts, um einen Freispruch oder doch zumindest eine Minderung der Strafe zu erwirken.

Es habe „weder Schläge, noch Stöße“ durch seinen Mandanten gegeben, trug Rechtsanwalt Placidus im Namen des 67-Jährigen vor. Rechtsanwalt Dirk Löber war hinsichtlich seines Mandanten etwas zurückhaltender und verwies im Namen des 48-Jährigen darauf, dass dieser keine Vorstrafen habe. Außerdem habe es bei dem Streit kaum Verletzungen gegeben. Dieser milderen Einschätzung des Geschehens folgten schließlich auch Staatsanwältin Beatriz Föhring und die Berufungskammer des Landgerichts. Das Angebot einer Einstellung des Verfahrens galt allerdings nur in Verbindung mit der Zahlung einer Geldauflage, um die noch munter gefeilscht wurde. Auch um die Zieladresse für das Geld wurde gerungen: Der Vorsitzende Richter Dieter Krause sah es gut aufgehoben in der Staatskasse. Rechtsanwalt Dirk Löber scheiterte deshalb mit seinem Vorschlag, den Kinderschutzbund zu bedenken.

600 Euro standen – neben den zusätzlichen Anwaltskosten – schließlich auf der Rechnung des Meinerzhageners. Sein Vater muss jetzt 400 Euro Geldauflage zahlen. Im Gegenzug wird das Verfahren nun endgültig eingestellt.

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