150 Tonnen Grauwacke zur Ausbesserung

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Jürgen Kleppe und Bernd Rosenbauer (von links) im Gespräch mit „Grader“-Fahrer Werner Tillmann.

Meinerzhagen - Der heimische Wald wird bewirtschaftet. Holz ist ein Rohstoff, dessen Verkauf privaten Waldbesitzern und dem Land NRW Geld einbringt. Der Forst ist aber auch ein Erholungsraum, beliebt bei Wanderern, Joggern und Mountainbikern. Ein klassischer Interessenkonflikt, der sich in erster Linie um das Thema „Waldwege“ dreht.

Von Jürgen Beil

Quer durch den Wald zieht sich ein langes Netz an Pfaden, auf denen Stämme zur Verwertung abtransportiert werden. Das geht nur mit schwerem Gerät. Dass Lastwagen mit einem Gesamtgewicht von 40 Tonnen die Wege dabei häufig in „Schlammwüsten“ verwandeln, lässt sich auch auf Meinerzhhagener Stadtgebiet feststellen. Der für den Forst in Staatsbesitz verantwortliche Landesbetrieb Wald und Holz ist deshalb ständig damit beschäftigt, die Wege wieder herzurichten. Momentan geschieht das am so genannten „Aggerberg“ oberhalb von Badinghagen.

Zuständig für diesen Forstbetriebsbezirk ist Bernd Rosenbauer vom Landesbetrieb. Zusammen mit Jürgen Kleppe, dessen Aufgabe die Bewirtschaftung des Staatswalds, der Holzverkauf, Liegenschaften und die Jagd sind, formulierte er drei vorrangige Ziele: Mittel aus dem Holzverkauf erzielen, die Waldwege für die Bewirtschaftung und den „Erholungsverkehr“ zu erhalten und für Verständnis hinsichtlich der Arbeiten im Wald zu werben. Dass Letzteres nicht immer ganz einfach ist, wissen die beiden Forstexperten genau. Schnell kann es passieren, dass Beschwerden über „Modderstrecken“ auf ihren Schreibtischen landen. Rosenbauer und Kleppe setzten sich damit auseinander – und sie versprechen Abhilfe zu schaffen, was mitunter etwas dauern kann.

Die Sanierung der Wege geschieht immer nach dem gleichen Muster: Wie derzeit am „Aggerberg“ rücken spezialisierte Unternehmen im Auftrag des Landesbetriebes Wald und Holz mit schwerem Gerät an. Oberstes Gebot dabei: Das Wasser muss von den Wirtschaftswegen abgeleitet werden. „Da muss Luft und Sonne ran“, bringt es Bernd Rosenbauer auf eine einfache Formel. Dazu werden die Pfade leicht angeschrägt und erhalten Querrillen, über die das Wasser abfließen kann. Und dann kommt der große Einsatz von Männern wie Werner Tillmann aus Meschede. Er sitzt zurzeit auf seinem großen „Grader“. Mit dieser Maschine verteilt er den aus Steinbrüchen angelieferten Schotter – am „Aggerberg“ handelt es sich um ein Mineralgemisch von im Durchschnitt 0,32 Millimetern Körnung. Diese Deckschicht sei gut begehbar und stamme aus heimischen Betrieben, erläutert Kleppe. Tillmanns besondere Aufgabe dabei: Der Schotter muss möglichst gleichmäßig verteilt werden. Das ist für den 62-Jährigen kein Problem. „Ich sitze bereits seit meinem 13. Lebensjahr auf einer solchen Maschine“, erläuterte er im Gespräch mit der MZ.

Am „Aggerberg“ hat Tillmann jetzt die Aufgabe, etwa 150 Tonnen Mineralgemisch auf einer Strecke von circa 730 Metern zu verteilen. Zusätzlich werden hier noch 650 sich anschließende Meter Waldweg neu profiliert, erhalten also eine ebene Oberfläche mit leichter Neigung.

Wege sind Schneisen im Wald. Für die Natur sind sie aber keinesfalls verlorengegangene Flächen. „Die Ränder sind wahre Biotope, bieten der Kraut- und Strauchflora gute Bedingungen. Dort jagt der Habicht, es gibt verstärkt Schmetterlinge und auch der Fuchs ist dort anzutreffen“, erklärt Bernd Rosenbauer. „Diese Wege haben durchaus ihre ökologische Bedeutung“, pflichtet Jürgen Kleppe bei.

Bei Niederbadinghagen und auch auf dem Nordic-Walking-Parcours von der Schanze über Heed, Badinghagen und zurück zum Schnüffel sind momentan einige Wege durch die Holzabfuhr zumindest stellenweise in schlechtem Zustand. „Auch dort werden wir aber Abhilfe schaffen“, versprechen Kleppe und Rosenbauer. Bis dahin hilft Wanderern schlicht und einfach passendes Schuhwerk.

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