Ehemalige psychosomatische Klinik

„Lost Place“ in Wilkenberg: Fotograf will Missstände aufdecken

Diese Aufnahme, so Kim Brosien, habe er am 31. Oktober 2020 in der ehemaligen Klinik Wilkenberg gemacht.
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Diese Aufnahme, so Kim Brosien, habe er am 31. Oktober 2020 in der ehemaligen Klinik Wilkenberg gemacht.

Die leer stehende ehemalige psychosomatische Klinik in Wilkenberg gammelt weiter vor sich hin. Und, noch schlimmer, im Inneren will „Lost-Place-Fotograf“ Kim Brosien nicht nur offen herumliegende Medikamente, sondern auch Akten mit Namen ehemaliger Patienten entdeckt haben.

Meinerzhagen – Dass die Klinik Eigentum des Landes Hessen ist, bestätigte Alexander Hoffmann. Er ist Pressesprecher des Landesbetriebes Bau und Immobilien Hessen (LBIH): „Das ehemalige Klinikgelände fiel mit Erbschein Ende 2017 an das Land Hessen. Das Land Hessen ist am 19. Januar 2018 als Eigentümer eingetragen worden.“

Räumung und Entsorgung

Und was sagt Hoffmann zu Medikamenten und Akten, die Brosien dort entdeckt haben will? „Da die Abwicklung des Klinikbetriebs bereits viele Jahre vor der Feststellung des Fiskuserbrechts erfolgte, war seinerzeit durch die damals Verantwortlichen auch grundsätzlich eine Räumung und Entsorgung vorgenommen worden. Diverse Reste von Papieren und Medikamenten in Keller- und Nebenräumen wurden durch die vom Land Hessen nach der Erstbegehung der Immobilie getroffenen Maßnahmen – beispielsweise die Beseitigung der Einbruchsspuren sowie das sachkundige Verschließen aller Öffnungen durch eine Fachfirma; auch der Austausch aller Schlösser und Ketten, sowie die regelmäßig erfolgenden Reparaturen von eingeworfenen Fenstern und Aufbrüchen – zunächst im üblichen Maß hinreichend gesichert. Der Zugang zu diesen Dingen durch Dritte erfolgte widerrechtlich und gewaltsam.“

„Freihändiger Verkauf“ schwierig

Und wie geht es in Wilkenberg weiter? Ist die Stadt Meinerzhagen mit im Boot? „Durch die hohen grundbuchlichen Belastungen ist ein freihändiger Verkauf durch das Land Hessen derzeit nicht möglich. Der LBIH steht mit der Stadt Meinerzhagen sowie den weiteren Gläubigern in Kontakt. Natürlich sind wir als Zwangserbe generell an einer zeitnahen Verwertung der Objekte interessiert. Die Bearbeitungszeit ist jedoch neben dem Zustand des Objektes stark abhängig von der Anzahl der Gläubiger und deren Verhandlungsbereitschaft“, berichtet Alexander Hoffmann weiter.

Einbruchspuren festgestellt

Offensichtlich üben verfallene Gebäude eine große Anziehungskraft auf Menschen aus, die den morbiden Charme im Bild einfangen wollen. Ist die Klinik also prinzipiell für Jedermann frei zugänglich? Das verneint der LBIH-Pressesprecher: „Im Rahmen der Erstbegehung wurden seinerzeit Einbruchspuren an nahezu allen Fenstern und Türen festgestellt. Sämtliche Öffnungen wurden durch eine ortsansässige Firma verschlossen. Zusätzlich wurden die Vorhängeschlösser und Ketten am Haupteingang ausgetauscht. Es erfolgen regelmäßig Rückschnitte der Bäume und Hecken. Die Straße wurde gereinigt und der illegal abgelagerte Bauschutt entfernt. Seit der Erstbegehung wurden immer wieder eingeschlagene Fenster oder aufgebrochene Türen festgestellt, die umgehend wieder verschlossen wurden.“

Hoffmann erläutert weiter, dass zur Verkehrssicherung an den erforderlichen Stellen Bauzäune aufgestellt worden seien. Außerdem habe man die Zaunelemente mit Schildern „Betreten verboten“ versehen und es würden regelmäßige Objektbegehungen stattfinden.

„Derzeit keine Gefahr“

Dass von dem immer mehr verfallenden Gebäude eine Gefahr für die Öffentlichkeit ausgeht, glaubt Hoffmann indes nicht: „Sofern niemand die Bauzäune beschädigt, oder auf anderem Wege das Grundstück unbefugt betritt, geht vom Objekt derzeit keine Gefahr aus. Die Bereiche des öffentlichen Verkehrsraums, die durch den herabfallenden Putz der Außenfassade gefährdet sein könnten, wurden ebenfalls durch einen Bauzaun gesichert“, sagt er. Inzwischen hat sich der Landesbetrieb Bau und Immobilien Hessen auch an die Stadt Meinerzhagen gewandt. Thomas Dröscher vom heimischen Ordnungsamt berichtet, dass die Anzahl der Objektbegehungen durch das LBIH künftig erhöht werden soll. Die Rede sei von monatlichen oder – wenn nötig – sogar wöchentlichen Besuchen in Wilkenberg. Die Stadt, so Dröscher weiter, sei gebeten worden, nur in Begleitung der LBIH-Objektleitung in das Gebäude zu gehen. „Außerdem wurde das Gebäude durch das LBIH gesichert, was Zugangsmöglichkeiten betrifft. Solche Maßnahmen hat die Behörde in der Vergangenheit bereits öfter durchgeführt“, berichtet Dröscher.

„Kein gewaltsamer Zutritt“

Kim Brosien selbst, der Lost-Place-Fotograf, ist froh, dass das Gebäude in Wilkenberg nun gesichert ist. Er war am 31. Oktober 2020 in der Ortschaft Wilkenberg unterwegs und berichtete anschließend – auch in sozialen Medien – von den Dingen, die er damals gesehen haben will: „Ich wollte danach verhindern, dass jemand zu Schaden kommt und sensible Daten am Ende noch missbraucht werden“, sagt er. Gleichzeitig beteuert der 32-Jährige, dass er sich keinesfalls gewaltsam Zutritt zu der ehemaligen Klinik verschafft habe und fügt hinzu: „Dafür habe ich auch Zeugen, die das bestätigen können.“

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