Gutachter bestätigt: Die Kutschen der Schützen sind sicher

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Die Adjutanten Tom Hausmann (links) und Roger Meyer legen sich ins Zeug, das Königspaar Michael und Sabine Ilberg (auf dem Kutschbock) und die Ehrendamen lassen sich von dem ungewöhnlichen Gespann über den Schützenplatz ziehen.

Meinerzhagen - Vier Räder, Scheibenbremsen, Platz für Fahrer und mehrere Beifahrer, zwei PS. Wenn am Meinerzhagener Schützenfest Ehrendamen, Vorstand und die Regenten in einer der drei Kutschen Platz nehmen, muss der fahrbare Untersatz sicher sein.

Denn auch mehr als hundert Jahre alte Beförderungsmittel brauchen ab und zu mal jemanden, der ihre – zugegeben simple – Technik unter die Lupe nimmt und auf Mängel überprüft. Der „Herz-und-Nieren-Test“ fand in dieser Woche auf dem Schützenplatz statt, dazu war der Kfz-Sachverständige und Kutschen-Experte Torsten Stegemann vom Sachverständigenbüro Huth aus Werdohl angereist. 

Mit Zollstock, Taschenlampe und einer Menge Sachverstand ging er ans Werk – und gleich zu Beginn hatte er tatsächlich etwas auszusetzen: „Die Feststellbremse sollte nachjustiert werden, da müssen wir ran“, gab er den beiden Adjutanten Tom Hausmann und Roger Meyer eine „Hausaufgabe“, die bis zum ersten Augustwochenende, dem Beginn des Schützenfestes, erledigt werden muss. Doch dabei sollte es auch bleiben. Nach einer Stunde zog der Werdohler, der selbst begeisterter Schütze in seiner Heimatstadt ist, ein für die Schützengesellschaft beruhigendes Fazit: „Alles okay.“ 

Bei den historischen Kutschen müsse man eh die Kirche im Dorf lassen. Und das, was er in Meinerzhagen in Sachen Kutschen vorgefunden habe, sei wirklich hervorragend, lautete sein durchweg positives Resümee. Für Torsten Stegemann bilden alte Kutschen, die dann auch noch bei Brauchtumsfeiern wie einem Schützenfest eingesetzt werden, ohnehin eine Ausnahme. Warum, das erläuterte er den Adjutanten auch gleich: „Eigentlich müssten Kutschen, die im öffentlichen Verkehrsraum bewegt werden, auch mit Fahrtrichtungsanzeigern und Licht ausgerüstet sein. Außerdem ist es nötig, einen Einweiser mit an Bord zu haben, der beim Abbiegen vorangeht und prüft, ob die Kreuzung auch frei ist. Da die Straße bei Schützenfesten aber für den Umzug abgesperrt ist, entfällt das hier alles.“

Verpflichtend, wie beim Auto-TÜV, war die Bewertung der Meinerzhagener Schützen-Kutschen übrigens nicht. Tom Hausmann erläutert: „Zwar nehmen wir vor jedem Fest eine Überholung der Kutschen vor, einen Gutachter haben wir in diesem Jahr aber erstmals beauftragt. Das ist auch aus dem Grund geschehen, weil beim Rosenmontagszug in Köln ein Unglück mit einer Kutsche passiert ist. Da wollen wir auf jeden Fall noch mehr auf Nummer sicher gehen.“ 

Und auch das Tierwohl haben die Schützen immer im Blick. Die Zug-erfahrenen Pferde werden auch diesmal wieder vom Reiterhof Nölle in Werdohl ausgeliehen – samt Kutscher, die natürlich einen entsprechenden Führerschein besitzen. An ihre Leistungsgrenze müssen die Vierbeiner bei den Umzügen nicht gehen. Das berechnete der Experte vor Ort. Die eine Kutsche ist laut Wiegekarte 500, die andere 740 Kilogramm schwer. Ein Pferd darf das doppelte seines eigenen Körpergewichtes ziehen. Wiegt es also 1200 Kilogramm – ein realistischer Wert – kann es 2400 Kilogramm fortbewegen. „Bei jeweils zwei Zugpferden und dem hier zugrunde liegenden Kutschengewicht sind Sie damit vollkommen auf der sicheren Seite“, bestätigte der Sachverständige abschließend.

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