Unfallhäufung?

Gefährliche Kurve: Die Rascasse von Lengelscheid

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Die Begrenzungsmauer und der Zaun mussten nach Angaben des Bewohners schon häufiger repariert werden.

Meinerzhagen - Eine Kurve sorgt für Zündstoff: In Lengelscheid sorgt die letzte enge Passage bei der Fahrt in Richtung Homert immer wieder für Unfälle - zumindest nach Aussage der Anwohner.

Es klang nach Resignation: „Das wievielte Mal war das jetzt eigentlich?“, fragte eine Frau am Dienstagnachmittag ihre Nachbarn, als sie das Feuerwehr- und Polizeiaufgebot in Lengelscheid sah. Diese letzte enge Kurve vor dem Ortsausgang in Richtung Homert hat es in sich – und führt regelmäßig zu Unfällen. So wie vorgestern (die MZ berichtete). 

Das Bild ist im Dorf bekannt: Splitter von Stoßstange und Blinker vor der Mauer, die Feuerwehr beim Abstreuen ausgelaufener Betriebsstoffe. „Das kommt durchschnittlich zweimal im Monat vor. Nicht immer so extrem, aber es knallt öfter“, sagt ein Anwohner, dessen Zaun gerade erst erneuert worden war. Jetzt muss er wieder repariert werden. „Da muss doch was gemacht werden!“, fordern die Lengelscheider, die sich an der Unfallstelle versammelt haben und sich eher an der berühmten Rascasse wähnen, der berühmten Formel-1-Kurve in Monaco. 

Jüngster Unfall noch ungeklärt

Wie berichtet, hatte eine 18-jährige Kiersperin aus noch unbekannten Gründen die Kontrolle über ihren VW Polo verloren. Auf dem Weg in Richtung Homert kam sie nach rechts von der Fahrbahn ab und prallte mit ihrem Fahrzeug frontal gegen eine Mauer. Sie und ihre 16-jährige Beifahrerin mussten zur Kontrolle ins Klinikum Lüdenscheid gebracht werden, den Wagen stellte die Polizei indes sicher, denn: Nach Aussage der Fahrerin habe der Polo plötzlich nicht mehr auf ihre Lenkbewegungen reagiert. 

Zwei Schwerverletzte forderte der Unfall, der sich am Dienstagnachmittag ereignet hat.

Abschließend geklärt ist dieser Unfall noch nicht. Dennoch sind sich die Lengelscheider sicher, dass es generell eine Mischung aus zu hoher Geschwindigkeit und gefährlicher Kurvenfahrt ist, die immer wieder zu Unfällen an dieser Stelle führt. Autos, die talwärts fahren, würden zu weit ausholen, um die Rechtskurve möglichst schnell durchfahren zu können. Da die Kurve nur schlecht einsehbar ist, müssten Fahrzeuge des Gegenverkehrs dann nach rechts ausweichen. Einige verreißen dabei das Steuer – und landen vor der Mauer. 

Unfallkommission noch nicht eingebunden

Vorfälle, die aber nicht ausreichen, um sich in der Unfallkommission mit der Ortslage näher zu beschäftigen, wie Marcel Dilling, Sprecher der Kreispolizei in Iserlohn, gestern erklärte. Er räumte zwar ein, im ersten Halbjahr 2017 insgesamt 22 Unfälle im besagten Streckenabschnitt registriert zu haben, aber: „Dieser Abschnitt erstreckt sich von Drögenpütt bis kurz vor Neue Brücke. Eine Konzentration in Lengelscheid selbst ist nicht festzustellen.“ In den aufgelisteten Fällen handele es sich überdies oft um sogenannte Spiegelunfälle, wenn die entgegenkommenden Fahrzeuge also jeweils nicht weit genug rechts gefahren sind und sich an den Außenspiegeln touchieren. Und sogar Wildunfälle seien in dieser Statistik eingerechnet. „Das alles genügt nicht, um die Unfallkommission über eine Häufung zu informieren“, erklärte Dilling, der aber auch an das Rechtsfahrgebot erinnert. „Daran sollten die Verkehrsteilnehmer zunächst einmal denken, damit es nicht zu solchen Unfällen kommt.“ 

Verkehrsdirektion des Kreises prüft nun Gefährdung

Dennoch will sich die Abteilung Verkehrssicherung und -lenkung beim Märkischen Kreis den Bereich Lengelscheid nun genauer ansehen, versprach Kreissprecher Hendrik Klein gestern auf MZ-Anfrage. „Bislang liegt uns auch von der Polizei keine Meldung vor, aber wir haben natürlich auch Interesse daran, solche Dinge in der Unfallkommission zu besprechen, wenn denn eine Häufung festzustellen ist.“ 

Dass es auf der L 694 des Öfteren kracht, liegt für Polizeipressesprecher Marcel Dilling aber nicht zuletzt an der Frequentierung der Strecke. Die ist insbesondere dann besonders hoch, wenn es sich auf der A45 zwischen Meinerzhagen und Lüdenscheid staut. Die Strecke über Lengelscheid ist für viele Autofahrer in solchen Fällen die erste Wahl. Aber nicht unbedingt die beste, wie sich am Dienstag wieder gezeigt hat. Denn just zum Unfallzeitpunkt in Lengelscheid war auf der A45 zwischen Meinerzhagen und Lüdenscheid wieder einmal ein Stau gemeldet worden. Wer ausweichen wollte, musste für die Dauer der Aufräumarbeiten durchs Volmetal fahren.

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