Kunstwerk von Weltrang in der Stadthalle

Der ehemalige Kulturdezernent Hermann-Josef Lobner erläuterte Antonio Máros Bild im Stadthallensaal. ▪

MEINERZHAGEN ▪ Dass Meinerzhagen über das größte Ölgemälde des 20. Jahrhunderts und ein Kunstwerk von Weltrang verfügt, ist nach Meinung von Barbara und Hans Müller zu wenig bekannt. Deshalb nahm das Ehepaar ein Familienfest zum Anlass, um Freunden und Interessierten das 18 mal 6 Meter große Gemälde vorzustellen.

Der  ehemalige Kulturdezernet Hermann-Josef Lobner erläuterte das Werk. 

„Inti huatana“, Rastplatz der Sonne, ist der Titel des Bildes. 1978 wurde es von der Stadt Meinerzhagen in Auftrag gegeben. „Uns, dem Architekten Friedhelm Schuppert und mir, wurde klar, dass die große Fläche des ‘Eisernen Vorhanges’, also der Bühnentrennwand, künstlerisch gestaltet werden musste, da mit vielen Veranstaltungen ohne Bühnennutzung zu rechnen war, die bei geschlossenem Vorhang stattfinden müssen,“ erläuterte Lobner die Gründe. Durch den Kreis „Freunde der bildenden Kunst“ entstand der Kontakt zu Antonio Máro, der für seine großformatigen Arbeiten bekannt war.

Für den Künstler, der 1928 als Apoll Ramirez in Catacaos, einem Fischerdorf im Norden Perús, geboren wurde, war dieser Auftrag das Ende seiner beruflichen Laufbahn als Arzt und der Beginn seines Lebens als freischaffender Künstler. Bis dahin hatte er ein Doppelleben geführt. Malerei und Musik hatten ihn schon im Kindesalter fasziniert und zu eigenem Ausdruck animiert. Doch seine Eltern zeigten sich wenig begeistert von seinen künstlerischen Neigungen, hielten ihn vielmehr für psychisch krank. Um ihn wirtschaftlich abgesichert zu sehen, nötigten sie ihn zu einem Medizinstudium.

Ramirez malte indes trotzdem weiter, verkaufte seine Bilder unter dem Pseudonym Antonio Máro und nahm schließlich nebenbei in Lima ein ernsthaftes Studium der Malerei bei Ricardo Grau auf.

1951 bekam er dann im Rahmen seines Medizinstudiums ein Stipendiums für Deutschland, wo er nebenbei an der Kunstakademie in Stuttgart bei Willi Baumeister, dem Meister der Abstraktion und seinem frühen Vorbild, studierte. Hier entwickelte er auch die für ihn typische Maltechnik, das Contraplano (Gegenebenen). Dabei arbeitet er mit übereinander gelegten Farbschichten, die mit Chemikalien teilweise wieder weggetupt werden und so den Untergrund durchscheinen lassen. So entstand auch das Bild in der Stadthalle, in dem er Abstrakion mit figurativen Elementen verbindet. Durch das Abschatten der Farbflächenränder bekommt es zudem einen fast dreidimensionalen Charakter.

Noch während der Bauarbeiten an der Stadthalle entstand das Bild auf der Bühnentrennwand, deren Promabestplatten mit Leinwand bezogen worden waren. Unterstützt wurde der Künstler bei seiner nächtlichen Arbeit damals von seinen Sohn Rafael, inzwischen selbst ein renommierter Künstler.

Inspirieren ließ sich Antonio Máro bei seinem Sujet vom präkolumbianische Erbe Perús, der Mythologie der Inkas, deren absoluter Herrscher als Sohn Intis, der Sonne, wie ein Gott verehrt wurde, von der Stadtlandschaft von Cusco und Farbeindrücken aus seiner Heimat.

Um diese sichtbar zu machen, bereicherte er die hier gebräuchliche Farbpalette um metallische Farben, die bis dahin in der europäischen Malerei nur bei der Darstellung von Heiligenscheinen verwendet worden waren.

„Die sich gegenseitig bereichernde Wirkung der Kulturen zu verdeutlichen, ist das Anliegen Máros,“ beschreibt Hermann-Josef Lobner die Intention des Künstlers, und weiter: „Mit diesem Bild hat er den geistigen Ursprung seines Schaffens, der in der frühen Kultur seiner Heimat und ihrer Landschaft begründet ist, mit einer modernen europäischen Malweise verbunden. Deshalb ist es in einem Kulturzentrum auch am richtigen Platz. Mittlerweile wurden Máros Werke in aller Welt ausgestellt, und wir dürfen ruhig ein wenig stolz darauf sein, dass wir schon damals auf den richtigen Künstler gesetzt haben.“

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