"Kunstfälscher" in Meinerzhagen am Werk

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In der Kunst AG der Meinerzhagener Sekundarschule entstehen viele beeindruckende Werke.

Wenn Mona Lisa Pommes isst, wenn ein alter Fußballschuh zum „Kunststück“ wird, wenn Amy Winehouse Knöpfe trägt und Donald Duck und die Simpsons als Hauptfiguren in Edvard Munchs Bild „Der Schrei“ auftauchen – dann sind in der Städtischen Sekundarschule Meinerzhagen die Kunstfälscher am Werk.

Meinerzhagen – „Steffi, wo ist das Weiß?“ – „Steffi, ich finde die Knöpfe nicht“ – „Steffi, wir haben kein Orange mehr“ – Mehr als zwei Ohren und Hände wären an diesem Morgen hilfreich für Steffi Gräve-Lütticke, denn die Ideen wollen auf die Leinwand. Und die Schüler der Kunst AG haben jede Menge Ideen, „das ist richtig klasse, sie wollen arbeiten“, freut sich die Drolshagenerin, während sie die gewünschte weiße Farbe und die benötigten Knöpfe reicht. 

Die ersten Knopf-Portraits sind schon fertig. Wieviele blaue Knöpfe Amy Winehouse im Haar trägt? „Zwei, vier, zehn – bestimmt 100“, zählt Steffi Gräve-Lütticke und lacht. Eben so viele, bis der junge Künstler findet, es ist genug. Die künstlerische Freiheit ist groß im Projektkurs, den die 56-Jährige leitet. Und der Ideenreichtum von Steffi Gräve-Lütticke ist es ebenfalls. Das gilt für ihr Schaffen im eigenen Atelier zuhause in Drolshagen, für die Arbeit in der „Kinderwerkstatt“ im Drolshagener Mehrgenerationenhaus und für die Projekte im Rahmen des Landesprogramms „Kultur und Schule“, die sie an Schulen in Finnentrop, Attendorn, Wiedenest oder Olpe durchführt. 

Auch mit der Meinerzhagener Sekundarschule entwickelte sich so der erste Kontakt, der schließlich über das geförderte Landesprogramm hinaus bestehen blieb. Inzwischen trägt die Schule Steffi Gräve-Lüttickes künstlerische Handschrift. Mit Schülern gestaltete sie die Säulen im Eingangsbereich oder auch das Treppenhaus im Freizeitbereich, auch in der Mensa und im Pausencafé sind Kunstwerke an den Wänden verewigt und die Aula schmücken großformatige Bilder, erschaffen von kunstbegeisterten Schülern. „Schön bunt soll es sein.“

Doch damit nicht genug. Steffi Gräve-Lütticke stöbert im Schrank im Kunstraum und befördert aus Gips modellierte Gesichter zutage, außerdem „Fälschungen“ des norwegischen Malers Edvard Munch und Zeichnungen, die auf Zeitungspapier ihre ganz eigene Wirkung entfalten. Die Flut an Kunst ist beeindruckend. Vor allem, betont die Künstlerin, sei es wichtig, dass sich die Achtklässler, die die Kunst AG wöchentlich besuchen, künstlerisch „austoben“ könnten: „Es gibt Schüler, die besonders gerne zeichnen und das ganz toll können, andere greifen lieber zum Pinsel.“

Schließlich will sich auch die freischaffende Künstlerin nicht in ein Raster pressen lassen. Das sei auch der Grund, warum sie nie Kunstkurse oder Akademien besucht habe. Steffi Gräve-Lütticke ist Autodidaktin: „Ich habe mir alles selbst beigebracht, habe geguckt, was geht.“ Dass das unendlich viel ist, steht für sie fest. Dennoch gebe es auch Oberthemen in der Kunst AG der Sekundarschule. Dazu zählt beispielsweise die Verfremdung der berühmten Mona Lisa oder die Gestaltung von Pappmache-Gesichtern in alten, abgenutzten Schuhen. Die Kreativität ist unerschöpflich und Steffi Gräve-Lütticke sprüht geradezu vor Ideenreichtum. „Ich überlege immer, was man machen kann und mir fällt immer etwas ein“, schmunzelt sie. So entstehen Köpfe aus leeren Waschmittelflaschen, auf Schallplatten geklebte CD’s werden zu Mobiles und alte Pinsel zu witzigen Figuren. Recycling ist das Zauberwort. 

Die Schüler sind begeistert. „Man kann vom Unterricht abschalten“, erzählt Denise. Die 15-Jährige liebt Kunst, teilt sich zuhause mit ihrer Schwester sogar ein Atelier. Dina (13) und Nelli (14) malen dagegen nur in der Schule – aber das mit großer Begeisterung. Und Nafissa hat die AG aus einem besonderen Grund gewählt. Sie könne nicht so gut malen, bedauert sie – ganz im Gegensatz zu ihrer Familie. „Ich möchte mich durch die AG verbessern“, so ihr Wunsch. Nafissas Bild ist noch nicht ganz fertig, aber schon jetzt ein Hingucker.

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