KuK beschließt das Jahr mit einem Jour fixe

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Mehr als 50 Besucher folgten der Einladung des s zum letzten Jour fixe in diesem Jahr, der unter dem Motto „Texte, Töne, Tafelfreuden“ stand. - Foto: Schüller

MEINERZHAGEN - Die vielleicht bekanntesten Kölner, die Heinzelmännchen, zählten beim letzten Jour fixe dieses Jahres ebenso zu den literarischen Figuren, die im Verlauf des Abends für Unterhaltung sorgten, wie Ochs und Esel aus der Weihnachtsgeschichte. Das Motto „Texte, Töne, Tafelfreuden“ fand große Resonanz.

Von Petra Schüller

Mehr als 50 Besucher folgten der Einladung des s in den Veranstaltungsraum des La Provence, wo sie zunächst in den Genuss kamen, den beiden jungen Talenten Benjamin Tanzius und Noel Thies beim Gitarrenspiel zuhören zu können. Beide zählten schon mehrmals beim Wettbewerb „Jugend musiziert“ zu den Preisträgern. Wenn frostige Temperaturen den Winter ankündigen und das Tageslicht schon früh am Tag schwindet, ist traditionell die Jahreszeit angebrochen, in der das Vorlesen Konjunktur hat. Dann stellt es nicht nur für Kinder einen besonderen Reiz dar, im Warmen zu sitzen und Geschichten zu lauschen. Am Dienstag wurde dieses Vergnügen durch kulinarische Verlockungen gesteigert: Familie Wette hatte für den literarischen Abend eine besondere Karte mit kleinen Gaumenfreuden zusammengestellt. Doch bevor sich die Besucher Cremesuppe vom Kürbis oder Spaghetti mit Champignons in Rucolasauce und weiteren Angebote schmecken ließen, eröffnete der Meinerzhagener Verleger Hans Martin Brinkmann den Reigen der Vorleser. Der gebürtige Kölner zog im Alter von sechs Jahren mit seiner Familie aus der Domstadt ins Oberbergische. „Ich glaubte damals nicht an den Weihnachtsmann, sondern an die Heinzelmännchen“, berichtete er schmunzelnd. Dann las er die Legende der wieselflinken Wichte vor, die mit den Zeilen beginnt: „Wie war zu Köln es doch vordem mit Heinzelmännchen so bequem. Denn war man faul, man legte sich hin auf die Bank und pflegte sich.“ Bekanntlich setzt des Schneiders Weib der Hilfsbereitschaft der Winzlinge mit einer Hand voll ausgestreuter Erbsen ein jähes Ende. „Hier wäre die Geschichte nun zu Ende, gäb’s nicht die fleißigen KuKs vom Ebbe“, fuhr Brinkmann fort und dichtete: „Sie sind für uns fleißig rund um die Uhr und schaffen für uns Kunst und Kultur.“ In weiteren Versen stellte er das Engagement der Aktiven des s heraus und erntete anerkennenden Applaus. Die stellvertretende KuK-Vorsitzende Ulrike Erlhöfer, Organisatorin des regelmäßig stattfindenden Jour fixe, konnte auch dieses Mal mehrere Meinerzhagener und Kiersper Bürger dafür gewinnen, das Programm mitzugestalten. Nach dem Essen und einer Pause, die Raum für angeregte Gespräche ließ, stellte die Meinerzhagener Unternehmerin Karin Schulze, Geschäftsführerin der Firma Eno-Plan, Geschichten des Kabarettisten Hans Scheibner aus seinem Buch „Der Weihnachtsmann in Nöten vor“. Die Zuhörer erfuhren in den pointierten Erzählungen auch, dass der Vater des Kabarettisten sich als genialer Erfinder hervorgetan habe. Lange vor der Erfindung der Küchenmaschine sei er seiner Frau mit einer umfunktionierten Bohrmaschine zur Hand gegangen und habe einer Vanille-Schoko-Kreation mit 8000 Umdrehungen pro Minute die gewünschte Konsistenz verliehen. Dass ein Teil der Masse dabei im Raum verteilt wurde, habe die Nachbarn nicht davon abgehalten, seine Dienste ebenfalls in Anspruch zu nehmen. Auch der Dritte im Bunde der Vorleser, der pensionierte Realschullehrer Josef Goß aus Kierspe, hatte für die Besucher humorvolle Lektüre ausgewählt. Er las Kurzgeschichten des Autoren Karl-Heinrich Waggerl. So erfuhren die Zuhörer, warum Ochs und Esel an der Krippe stehen und nicht etwa der stolze Löwe oder der schöne Pfau. Nachdem eine ganze Parade stolzer Tiere dem Engel ihre Vorzüge angepriesen habe, um der Heiligen Familie im Stall Gesellschaft leisten zu dürfen, sei sein Blick auf Ochs und Esel gefallen, die dem Bauern auf dem Acker dienten. Vom Engel dazu aufgefordert, sich ebenfalls vorzustellen, habe der Esel traurig geantwortet: „Wir haben nichts gelernt außer Demut und Geduld.“ Daraufhin habe der Engel strahlend verkündet: „Ihr seid die Richtigen“. In den Lesepausen sorgten die jungen Musiker für stimmungsvolle musikalische Unterhaltung. Abschließend dankte Ulrike Erlhöfer allen Mitwirkenden mit einem gute Tropfen oder einem Präsent für ihre Unterstützung.

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