Axel Hacke liest in der Stadthalle

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Nach der Lesung nutzten viele Zuhörer die Möglichkeit, sich ein Exemplar signieren zu lassen.

Meinerzhagen - Auf seiner 25-jährigen Deutschlandtour ist ein Humorist endlich angekommen: „Ich wollte schon immer nach Meinerzhagen, und jetzt habe ich es endlich geschafft“, säuselte Axel Hacke zu Beginn seiner Lesung im Foyer der Stadthalle, zu der ihn der Verein KuK eingeladen hatte. Etwa 130 Besucher wollten Bekanntes und Neues aus seinem „Kolumnistischen Manifest“ hören.

Der Mann ist ein Unhold: Seit Axel Hacke den Verhörer „Der weiße Neger Wumbaba“ öffentlich machte, geistert die Verballhornung der Zeile „der weiße Nebel wunderbar“ durch jede Begegnung mit Matthias Claudius wunderbarem Gedicht und Lied „Der Mond ist aufgegangen“. Auf Umwegen entlockte Moderator Terry Albrecht dem Gast ein umfassendes Geständnis hinsichtlich dieses Frevels. Der WDR-Redakteur fragte zu Beginn der Lesung, wie der ehemalige Kolumnist der Süddeutschen Zeitung mit dem Thema „Helmut Schmidt“ umgehen würde. Das sei „kein Thema, aber ein weites Feld“, konterte Axel Hacke und verwies auf die Trauerfeier für den Altbundeskanzler in Hamburg. Der hatte sich für seine Beerdigung „Der Mond ist aufgegangen“ gewünscht, obwohl auch er Axel Hackes Variante nicht entkommen war: „Ich habe Helmut Schmidt das Buch geschenkt“, gestand der Autor – jenes Buch, das den Titel „Der weiße Neger Wumbaba“ trägt und der Auftakt zur legendären Wumbaba-Trilogie war.

Leser halfen Axel Hacke beim Sammeln von Verhörern aller Art – im deutschen Liedgut, in der Kirche, bei Kindern. Der so entstandene reichhaltige Fundus war Anlass für den Kolumnisten, die Fähigkeit des Menschen zu loben, „sich zu irren und aus dem Irren heraus etwas Neues zu schaffen“. Kinder sind hier besonders erfindungsreich: Wer ahnt schon, dass dem „Erdbeer-Schorsch“ der Erzbischof zugrunde liegt, der die Kinder nicht filmen, sondern firmen möchte.

Ein reiches Betätigungsfeld stellt auch das deutsche Liedgut dar: Herbert Grönemeyer etwa liefere mit seinen Liedern nur Anhaltspunkte für’s Selbermachen der Texte. Kein Wunder, dass dabei ganz neue Fabeln entstanden: „Fruchtzwerge in meinem Bauch“. Diese Variante weise im Gegensatz zu den „Flugzeugen im Bauch“ logische Stringenz auf. „Ich kann nichts mehr essen“, geht Grönemeyers Klage weiter. Roland Kaisers „Santa Maria“ war nicht schön wie „eine Wachtel am Morgen“, sondern wie „ein erwachender Morgen“, aber ist letzteres wirklich originell? Heino lieferte Axel Hacke dem gnadenlosen Urteil des Publikums aus – weniger auf der Grundlage seiner CD mit ambitioniertem Liedgut deutscher Popgrößen aus dem Jahr 2013, sondern vieler Text-Proben, die mindestens so schlimm waren wie die schwarz-braune Haselnuss.

Um die schönsten Verhörer herum arbeitete sich Axel Hacke von den alten Kolumnen mit seinem „Sidekick“ Bosch, einem Kühlschrank aus den 50er Jahren, voran bis zur aktuellen VW-Krise. Und er zeigte sich als einer, der endlich dem Mainstream in der Beurteilung der sogenannten „Abgas-Affäre“ widerspricht.

„Schluss mit dem Kriechen im Staub und mit den Schuldeingeständnissen“, empfahl er und rechtfertigte den intelligenten Anarchismus gegenüber dem Ordnungsrecht: „VW hat Autos gebaut, die so schlau sind, dass sie wissen, ob sie gerade von Behörden überprüft werden oder nicht.“ VW als Weltunternehmen, das „die dunklen Seiten seiner Kunden kennt und das passende Auto dafür hat“ – das war wahrlich eine vergnügliche Botschaft.

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