Augenzeugen aus Meinerzhagen und Kierspe: Kritik an Organisation der Loveparade

Zahlreiche Einsatzfahrzeuge aus dem Märkischen Kreis versammelten sich am Samstagabend.

MEINERZHAGEN/KIERSPE ▪ Eltern und Angehörige von Loveparade-Besuchern aus Meinerzhagen und Kierspe können aufatmen. Zumindest bis zum Sonntag lagen der Polizeidienststelle in Meinerzhagen, die beim Event in Duisburg mit einer Beamtin vertreten war, keinerlei Hinweise auf Verletzte oder gar Tote aus den beiden Volmestädten vor.

Groß war aber freilich bei den Meinerzhagenern und Kierspern, die am Samstag vor Ort waren, die Betroffenheit über die Massenpanik, bei der mindestens 19 Menschen ums Leben kamen. Auch Kritik an der Organisation wurde geübt – so wie von Thomas van de Wall.

Der Meinerzhagener Kameramann und Fotograf hatte von einem Flugzeug aus Fernsehbilder aufgenommen, unter anderem für den WDR. „Es war völlig chaotisch. Für viel zu viele Menschen gab es viel zu wenig Platz“, meint van de Wall. Er habe von oben gesehen, wie von beiden Seiten immer weiter Menschen in den Tunnel strömten. Andererseits habe aber „aus 600 Metern Höhe alles etwas ameisenmäßig und nicht so dramatisch ausgesehen“, so van de Wall, der im Flugzeug den Polizeifunk verfolgen konnte. „Die Polizei war sehr beschäftigt mit Leuten, die über die Gleise und die Autobahn zum Gelände wollten. In dieser Zeit ereignete sich das Unglück.“

Plötzlich weinende Menschen

gesehen

Gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten Michael Dango war die Meinerzhagenerin Anke Semrau vor Ort. Gegen 17.15 Uhr habe das Paar durch den Tunnel das Gelände wieder verlassen wollen. „Doch es war alles von der Polizei gesperrt werden, so dass wir einen Notausgang nutzen mussten. Wir wussten aber noch nicht den Grund“, sagt Semrau. Das Paar habe dann plötzlich verdreckte, weinende Menschen auf den Mauern und auf dem Boden gesehen. „Wir haben dann ein Mädchen angesprochen, das uns erklärt hat, was passiert ist. Da war die Stimmung natürlich am Ende“, erzählt die Volmestädterin geschockt.

Auch der Kiersper Marc Selbach hat die Loveparade besucht, aber die tragischen Vorfälle nicht direkt miterlebt. „Ich habe hinterher von anderen Leuten gehört, was geschehen ist“, sagt der 21-Jährige. „Von den Organisatoren war das natürlich schlecht geplant worden, dass es nur diesen einen Eingang durch den Tunnel gab. Das war viel zu eng.“

DRK-Kräfte aus

Meinerzhagen und Kierspe

im Einsatz

Am Samstagabend wurden um 20.11 Uhr einige Kräfte des Deutschen Roten Kreuzes aus Meinerzhagen und Kierspe gemeinsam mit ihren Kollegen des sogenannten Betreuungsplatzes (BTP) 500 des Märkischen Kreises zum Einsatz gerufen – allerdings nicht nach Duisburg, sondern nach Dortmund. Dort versammelten sich in einem großen Bereitstellungsraum 500 DRK-Einsatzkräfte aus dem gesamten Bezirk Arnsberg – davon aus dem Märkischen Kreis 89 Helfer mit 19 Fahrzeugen und fünf Anhängern, wie der Meinerzhagener Rotkreuzleiter Udo Maahs berichtet. Grund des Einsatzes: Die Betreuung und Versorgung von Besuchern der  Loveparade, die auf der Rückreise in den Abend- und Nachtstunden an den Bahnhöfen in Dortmund, Bochum und Hamm gestrandet waren. ▪ dr

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