Wirth-Kritik stößt bei Wirth auf Kritik

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Rüdiger Wirth übernahm im Dezember 2008 wieder den Betrieb des Hotels Wirth an der Ecke Prumbomweg/Hauptstraße und ärgert sich über die Kritik an den Beherbergungsbetrieben durch SPD-Fraktionschef Gerd Wirth.

Meinerzhagen - Wenn sich Rüdiger Wirth besonders ärgert, dann, so sagt er, schläft er erst einmal eine Nacht darüber. „Das hat diesmal aber nichts genutzt“, sagt der Hotelier, der eben immer noch sauer ist über jenen Satz, der ausgerechnet einem Namensvetter vor rund einer Woche im Ausschuss für Wirtschafts-, Struktur- und Tourismusförderung über die Lippen kam.

Von Frank Zacharias

Da hatte SPD-Fraktionsvorsitzender Gerd Wirth indirekt den Zustand der heimischen Beherbergungsbetriebe beklagt – und damit auch des Hotels Wirth, das jetzt in der vierten Generation von Rüdiger Wirth geführt wird.

„Dass heimische Unternehmen die bestehenden Hotels nicht nutzen, hat sicher seinen Grund“, sagte der Sozialdemokrat Gerd Wirth am Montag vor einer Woche und warb für die Errichtung eines hochwertigen Hotelbetriebs an der Stadthalle.

Es ist aber nicht der eventuell drohende Mitbewerber, der Rüdiger Wirth so erzürnt, es ist die Abqualifizierung der bestehenden Hotels und Pensionen an sich. „Gerd Wirth darf sich gerne mal ein Bild von unserem Betrieb machen – und sicher auch von allen anderen in Meinerzhagen“, sagt der gelernte Koch und Hotelkaufmann, dem eine verwandtschaftliche Beziehung zum Politiker übrigens nicht bekannt ist.

Dass das Hotel Wirth einst nicht den besten Ruf hatte, ist dem 60-Jährigen durchaus bewusst. „Als ich das Hotel im Dezember 2008 wieder übernahm, hörte ich von einer Firma, dass sie ihre Gäste nicht mehr bei uns unterbringen kann“, erinnert sich Rüdiger Wirth an seine Rückkehr.

Bis 1996 hatte er das 1909 von seinem Urgroßvater gegründete Hotel geführt, ehe der Betrieb fremdverpachtet wurde und unter dem Titel „Sommer´s Hotel Wirth“ firmierte. Ein dunkles Kapitel für Rüdiger Wirth, denn: „Ich musste in neue Fenster, Betten, Matratzen, Mobiliar, Fernsehgeräte investieren.“

Wirths Lebensgefährtin Heike Schulte, die ihren Partner bei der Bewirtschaftung unterstützt, erinnert sich: „Die Armaturen im Bad wurden teilweise von Streichhölzern festgehalten!“

Etwa 120.000 Euro investierte Rüdiger Wirth nach eigener Aussage in den Folgejahren ins Hotel. Diese Investitionen würden sich nicht nur in einer regelmäßig überprüften Drei-Sterne-Bewertung des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) niederschlagen, sondern auch in einer guten Resonanz. „Etwa 85 Prozent unserer Kunden sind Stammgäste, und bei einem großen Teil davon handelt es sich um Geschäftsreisende.“

Umso weniger kann er die Aussage des SPD-Fraktionsvorsitzenden nachvollziehen. Ohne Geschäftskunden lasse sich ein Beherbergungsbetrieb in Meinerzhagen kaum wirtschaftlich betreiben.

Zumal die enge Preiskalkulation eine längere Phase ohne ausreichende Belegung gar nicht zulasse. „Bei 40-prozentiger Auslastung trägt sich der Betrieb, alles darüber hinaus lässt sich gut investieren“, sagt Rüdiger Wirth, der allerdings um jeden Euro feilschen muss, da die Reisebudgets bei Firmen teils stark gedeckelt sind.

Kosten für vermittelte Reisen über die Internet-Portale HRS oder booking.com (-15 Prozent) oder auch Kreditkartengebühren (-zwei bis vier Prozent) müssten ebenfalls einkalkuliert werden. Ein Satz Wäsche schlage mit etwa 10 Euro zu Buche – und auch die vier Angestellten wollen natürlich bezahlt werden.

„Und zwar oberhalb des Mindestlohns. Dass war für mich schon vor der gesetzlichen Regelung selbstverständlich“, sagt Rüdiger Wirth, der etwa 65 bis 68 Euro für ein Einzel- und 85 bis 92 Euro für ein Doppelzimmer verlangt. „Wenn´s teurer würde, rechnet sich das nur mit einem Wellness-Bereich. Aber ich glaube nicht, dass sich etwas Höherpreisiges in Meinerzhagen lohnen würde.“

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