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Ukraine-Krieg: Das Dilemma des Pazifisten

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Von: Jürgen Beil

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Anhänger und Mitglieder der Grünen nahmen einst zu Tausenden an Ostermärschen teil und ächteten Waffen. Durch den russischen Angriffskrieg hat auch bei vielen Mitgliedern der Partei ein Umdenken stattgefunden.
Anhänger und Mitglieder der Grünen nahmen einst zu Tausenden an Ostermärschen teil und ächteten Waffen. Durch den russischen Angriffskrieg hat auch bei vielen Mitgliedern der Partei ein Umdenken stattgefunden. © Julian Stratenschulte

Haben sich die Bündnis 90/Grünen um 180 Grad gedreht?

Meinerzhagen – Hat sich die einstige Friedenspartei ganz pragmatisch der augenblicklichen Situation mit dem schrecklichen russischen Angriffskrieg in der Ukraine gestellt? Was denkt Karl Hardenacke darüber, dass Grüne der Lieferung von Kriegswaffen in ein Kriegsgebiet nicht nur zustimmen, sondern sie sogar vehement fordern?

Ein großes Dilemma

Der Grünen-Fraktionsvorsitzende im Rat der Stadt Meinerzhagen sieht seine Partei und die Politik bei diesem Thema generell in einem echten Dilemma: „Ich selbst habe eine pazifistische Grundausrichtung, habe den Wehrdienst in den 70er-Jahren auch verweigert. Und natürlich war ich auch gegen den Nato-Doppelbeschluss. Aber jetzt müssen wir uns selbstverständlich die Frage stellen, wie man der Ukraine schnell helfen kann. Und da bin ich schweren Herzens der Meinung, dass man auch Waffen liefern sollte. Allerdings solche, die der Verteidigung dienen und keine Angriffswaffen wie zum Beispiel Panzer.“ Karl Hardenacke sieht sich durch den russischen Überfall auf die Ukraine mit einer Situation konfrontiert, „die es so noch nicht gab“. „Putin nimmt auf nichts Rücksicht, auch nicht auf seine eigenen Soldaten. Eigentlich ist meiner Ansicht nach Frieden aber nur zu erreichen, wenn man sich an einen Tisch setzt und redet. Da stellt sich dann die Frage, wer denn überhaupt noch mit Putin sprechen will, nach dem, was er getan hat.“ Auch dieser Punkt ist für Hardenacke ein Dilemma.

Scholz soll sich positionieren

Der Kommunalpolitiker der Bündnis 90-Grünen richtet allerdings eine klare Forderung an Bundeskanzler Olaf Scholz: „Er soll sich jetzt endlich einmal konkret positionieren. Das habe ich auch von meiner eigenen Partei gefordert, bis hinauf in die Bundesebene.“ Leider sei – anders als bei den Grünen – das bei Scholz allerdings noch nicht passiert. Die Gründe dafür? Da muss auch Karl Hardenacke passen. Der Volmestädter jedenfalls hofft sehr, dass sich Widerstand gegen Putin und seinen Krieg in Russland selbst formiert. „Das wird aber wohl schwierig, weil die Staatsmedien das wahre Bild der Situation in der Ukraine nicht vermitteln. Oppositionspolitiker und kritische Journalisten werden ausgeschaltet“, weiß er – und beschreibt damit ein weiteres Dilemma.

Ostern haben Friedensmärsche Tradition. Anhänger und Mitglieder der Grünen marschierten dort früher in der ersten Reihe und sind auch heute dabei. Hätte sich Karl Hardenacke vorstellen können, in diesem Jahr mitzumarschieren? „Ja, durchaus. Aber unter den Teilnehmern ist es jetzt wohl so, dass die unterschiedlichsten Ansichten vertreten sind. Das ist anders als früher“, meint der Meinerzhagener.

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