In Haus Nordhelle werden jetzt die Weichen gestellt

Peer Pramann von Südwestfalen-Consult: „Ich bin sicher, sie machen keinen Fehler, wenn sie sich für ein ,Ja’ entscheiden.“

VALBERT ▪ Die Entscheidung war lange Zeit völlig offen – und das war Kai-Uwe Kersten auch anzumerken.

Der Geschäftsführer der evangelischen Tagungsstätte Haus Nordhelle in Valbert verfolgte die Debatte im Rahmen der Kreissynode im Iserlohner Varnhagen-Haus mit sichtlicher Nervosität. Am Mittwoch um 18.10 Uhr löste sich die Anspannung dann und wich grenzenloser Erleichterung. Das Kirchenparlament hatte beschlosssen, das Haus weiterzuführen. Verkauf oder Abriss waren damit „vom Tisch“.

Allein hätte der Kirchenkreis Iserlohn Haus Nordhelle allerdings nicht weiter betreiben können, dazu war ein weiteres positives Votum nötig. Das gab es gegen 19.15 Uhr. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich auch der Kirchenkreis Lüdenscheid-Plettenberg im Rahmen seiner Synode entschieden, weiter zu der Einrichtung „Am Koppenkopf“ zu stehen. Damit kann nun auch das Ausscheiden der Kirchenkreise Siegen und Wittgenstein aus dem Trägerverbund kompensiert werden.

Wie schwer den Iserlohnern die Entschwidung fiel, verdeutlicht das Abstimmungsergebnis: 64 Stimmen dafür, 42 dagegen und fünf Enthaltungen wurden gezählt. Und auf Antrag eines Pfarrers wurde auch noch ein Zusatz in den Beschlussvorschlag „pro Nordhelle“ aufgenommen: Weil die Kirchenkreise Iserlohn und Lüdenscheid-Plettenberg die geplante Renovierung des Hauses mit einer Bürgschaft absichern, soll nun vom Iserlohner Finanzvorstand ein Finanzierungsplan ausgearbeitet werden, der „greift“, wenn die Bürgschaft in Anspruch genommen werden muss.

Sowohl in Iserlohn als auch in Lüdenscheid-Plettenberg zeigte sich am Mittwoch bereits früh, dass beide Synodalvorstände einen Weiterbetrieb des Hauses befürworten. Peer Pramann von der „Südwestfalen-Consult“ hatte die Einrichtung aus wirtschaftlicher Sicht auch im Hinblick auf die Zukunftschancen beleuchtet. Seine Ausführungen bestärkten die Mitglieder der Synoden zusätzlich, am Haus festzuhalten. Pramann: „Ich bin sicher, sie machen keinen Fehler, wenn sie sich für ein ,Ja’ entscheiden.“

Haus Nordhelle schreibt rote Zahlen. An Wochenenden ausgebucht, fehlt es in der Woche an Kundschaft. Deshalb, so die Planungen, sollen Kunden aus Industrie und Wirtschaft gewonnen werden. Das war bisher kaum möglich, weil der Standard des Hauses – bedingt durch einen erheblichen Investitionsstau – zu niedrig ist. Durch eine grundlegende Renovierung soll sich das nun ändern. Dazu werden etwa drei Millionen Euro investiert. Dieses Geld bringen die Kirchenkreise Iserlohn und Lüdenscheid-Plettenberg auf. Weil Siegen und Wittgenstein Ausstiegszahlungen leisten müssen, kann auch dieses Geld in das Haus investiert werden. Aus Siegen werden 1,1 Millionen Euro erwartet, Wittgenstein muss etwa 310 000 Euro „berappen“.

In den beiden verbleibenden Kirchenkreisen ist allerdings klar: Trotz der verstärkten Werbung bei Firmen und Verbänden soll das Haus nicht zum „Luxushotel“ werden. Die evangelische Ausrichtung müsse unbedingt erhalten bleiben, hieß es. Pfarrer Dr. Dietmar Kehlbreier aus Altena brachte noch einen anderen Aspekt in die Diskussion ein: „Je mehr Gemeindehäuser wir aufgeben, desto mehr brauchen wir eine Einrichtung wie Haus Nordhelle. Denn die Menschen suchen die Kirche.“ Doch am Mittwoch gab es auch Widerstand. So hatte sich das gesamte Presbyterium in Menden klar gegen eine Weiterführung des Hauses entschieden – wegen der finanziellen Risiken.

Im Jahr 2014 soll nun mit den Umbauarbeiten begonnen werden, die Vorbereitungen dafür werden bereits im kommenden Jahr in Angriff genommen. ▪ beil

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