Krankenschwester aus Valbert hilft in Haiti

Viele Kinder sind auf Haiti nach dem schrecklichen Erdbeben nun Waisen und brauchen Hilfe.

VALBERT ▪ Vor einigen Tagen ist die Kinderkrankenschwester Inna Warkentin aus Haiti nach Valbert zurückgekehrt. Im Katastrophengebiet erlebte sie viele erschütternde Momente.

Die bewegenden Bilder und Berichte in den Medien waren ausschlaggebend für ihren Hilfseinsatz. Angesichts des Elends hatte die junge Frau den Wunsch, sich einzubringen und zu helfen.

Bereits vor einigen Jahren hat sich Inna Warkentin bei „Humedica“, einer medizinischen Hilfsorganisation, registrieren lassen. Diese hat es sich zur Aufgabe gemacht, aus ehrenamtlichen Ärzten und medizinisch ausgebildetem Personal medizinische Teams zu bilden. Die werden dann zu Einsätzen in Katastrophen-, Notstandsgebieten und Auffanglagern entsandt, um humanitäre Hilfe zu leisten und für eine effektive Versorgung der Opfer zu sorgen. Nähere Infos zu der Hilfsorganisation gibt es unter http://www.humedica.org. Inna Warkentin hat ihre Bewerbungsunterlagen dort eingereicht und an den erforderlichen Vorbereitungskursen teilgenommen.

Wohnen im Epizentrum

Beginn ihrer Reise war der Flughafen in Düsseldorf, dort sah sich auch das Team zum ersten Mal. Nach einer etwa zehnstündigen Reise landete das Humedica-Team dann in der Dominikanischen Republik und fuhr anschließend 14 Stunden mit einem Reisebus nach Haiti in die Hauptstadt Port-au-Prince. Dort wurde das Team auf dem Gelände einer christlichen amerikanischen Schule einquartiert. Die Unterbringung erfolgte überwiegend in Zelten, oft nur geschützt durch ein Moskitonetz unter freiem Himmel.

Von Nachbeben ist das Humedica-Team zu Anfang noch verschont geblieben. In der letzten Woche bebte die Erde jedoch drei Nächte hintereinander. Die Eindrücke ihres Einsatzes waren zu Beginn anders, als es Inna Warkentin erwartet hatte. So waren fließendes Wasser und Toiletten vorhanden und es gab sogar einen Wäscheservice.

Das Humedica-Team wurde nach der Ankunft aufgeteilt. Ein Teil arbeitete in Leogane – in der Nähe des Epizentrums, wo die Häuser zu etwa 80 bis 90 Prozent zerstört waren. Ein Teil des Teams arbeitete dort mit Kubanern, Kanadiern und dem deutschen THW zusammen. Behandelt wurden dort die „allgemeinmedizinischen“ Patienten. Das Team, zu dem auch Inna Warkentin gehörte, arbeitete dagegen direkt im Krankenhaus „Hospital Espoir“. Die Tage waren ausgefüllt mit Verbandswechsel, Aufwachraum-Betreuung, Röntgenorganisation, Apotheke und Lager einrichten und sortieren, OP-Pläne mit den Ärzten aufstellen und besprechen, Absprachen mit der Krankenhausdirektorin treffen und vieles mehr. Verbandswechsel fanden draußen unter freiem Himmel statt. Viele der behandelten Patienten hatten kein Zuhause mehr und wollten im Krankenhaus bleiben. Einige konnten sich mit der Realität noch nicht auseinandersetzen und wünschten sich einfach eine sichere Bleibe.

Junge verlor Familie

Besonders bewegend war, als ein etwa fünfjähriger Junge Inna Warkentin nach einem Zelt frage – er und seine Mutter verloren Familie und Haus auf tragische Weise. Solche Erlebnisse berührten die Helfer in ganz besonderer Weise. Hinter Inna Warkentin liegt eine Zeit mit vielen prägenden, unvergesslichen Erlebnissen und Begegnungen. Mittlerweile hat der Alltag jedoch wieder Einzug bei ihr gehalten. Die junge Frau ist weiterhin bei Humedica registriert und kann sich vorstellen, auch bei künftigen Katastrophen zu helfen.

Für Ihren Einsatz hat Inna Warkentin unbezahlten Urlaub genommen. Ihren Dienst im Kreiskrankenhaus Lüdenscheid haben ihre Kollegen für sie übernommen. Ohne diese Bereitschaft wäre der Hilfseinsatz nicht möglich gewesen.

Am morgigen Freitag ab 19.30 Uhr wird Inna Warkentin im Gemeindehaus der Freien evangelischen Gemeinde in Ihne über ihre Erlebnisse und Erfahrungen auf Haiti berichten und dazu viele Fotos aus der Erdbebenregion zeigen. Interessierte sind herzlich eingeladen, der Eintritt ist frei.

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